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Rundgang im Convention Center L.A. Auto Show - V8- und Elektro-Wahn

Kein Autohersteller kommt mehr an der E-Mobilität vorbei. Deshalb probt man auf der Auto Show in Los Angeles den Spagat zwischen Verbrenner und E-Antrieb. Doch egal wie, die Muskeln lassen alle spielen.

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In Los Angeles war der Mustang Mach-E der Aufreger. Die Journalisten überschlugen sich förmlich.

(Foto: Holger Preiss)

Wenn man auf der Los Angeles Auto Show von einem großen Aufschlag sprechen will, dann ist der wohl in erster Linie Ford mit seinem Mustang Mach-E gelungen. Das liegt aber nicht daran, dass die US-amerikanische Legende als Elektro-Bolide auf die Bühne rollte, sondern eher an seiner Optik, denn mit dem, was man gemeinhin als Mustang kennt, hat der Mach-E nicht mehr viel zu tun. Eigentlich verkörpert er das, was deutsche Hersteller seit Jahren mit ihren SUV-Coupés auf die Räder stellen. Insofern frohlocken die US-Kollegen, dass es sich hierbei "um das sportlichste SUV handelt, das Ford je gebaut hat".

Ford Mustang Mach-E

Zudem wird der Mustang Mach-E als die ernst zu nehmende Ansage des Herstellers gesehen, sich jetzt auch auf den Weg in die E-Mobilität zu machen. Für 43.895 Dollar soll man im kommenden Jahr in den ersten Mach-E einsteigen können. Die in diesem Preis enthaltene Batterie soll die Insassen 337 Kilometer weit bringen. Auf der Messepräsentation verweist Ford dann auch auf 25.000 Ladestationen im Land, die garantieren, dass man locker von Ost nach West und Nord nach Süd kommt. Weitere Leistungsstufen mit mehr Reichweite sollen bis 2021 folgen. Wie das Kaufpublikum auf den Mach-E anspringt, bleibt abzuwarten. Wer sich in den USA dafür entscheidet, bekommt eine E-Auto-Prämie von bis zu 7500 Dollar.

BMW 2er Gran Coupé und viele M

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Eine echte Premiere war das BMW 2er Gran Coupé. Er soll ein Einstieg in die große BMW-Welt sein.

(Foto: Holger Preiss)

Den größten Aufschlag der deutschen Hersteller hat BMW in L.A. gewagt. Gleich mit drei brandneuen Modellen gingen die Bayern an den Start: mit den 2er Gran Coupé, dem M2 CS und dem Mini John Cooper Works GP. Während der Erstgenannte der Einstieg in die große bayrische Coupé-Welt sein soll, die sich mit 4er und 8er fortsetzt, ist der M2 CS die Spitze des sportlichen Eisberges, die sogar den M2 überragt und wie der Mini JCW GP ein Publikum anspricht, das sich wenigstens mal probehalber auf die Rennstrecke wagt.

Das wird mit den ebenfalls vorgestellten Ausbaustufen von X5 M und X6 M eher nicht passieren, aber auch die waren auf der Messe zu sehen. Nun mag man wieder die ökologische Keule schwingen, aber tatsächlich werden in Kalifornien die meisten diese SUV-Boliden weltweit verkauft. Auch der sonnenverwöhnte Kalifornier, dem ein starkes Umweltbewusstsein nachgesagt wird, liebt immer noch Achtzylinder und mindestens 600 PS unter der Haube. Klar sind auch Plug-in-Hybride in Form des X3 und X5 auf dem Stand und im Angebot. Am meisten überraschte aber die Aussage, dass es für den Mini Electric bereits 80.000 Interessenten gibt. "Der", so Pieter Nota, BMW-Vertriebschef, "ein wichtiger Meilenstein in der Elektrifizierungs-Strategie der Marke ist". Bis 2023 will BMW 23 Modelle elektrifizieren und davon mindestens die Hälfte rein elektrisch im Portfolio haben.

VW Space Vizzion

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Der Space Vizzion soll einen Ausblick auf einen kommenden elektrischen Passat im Rahmen der ID-Welt von VW geben.

(Foto: Holger Preiss)

Nach wie vor elektrisiert zeigte sich auch VW. Die Wolfsburger stellten in L.A. ein weiteres Familienmitglied der ID.-Reihe vor, den Space Vizzion. Einen Gran Tourismo, den man in Deutschland auch gerne als Elektro-Passat bezeichnen darf. Für den Space Vizzion verspricht VW, dass es zwar eine Studie, aber dennoch keine Zukunftsmusik ist. "Die Serienversion wird Ende 2021 vorgestellt und soll in verschiedenen Versionen in Nordamerika, Europa und China auf den Markt kommen", so die Wolfsburger. Mit 4,96 Metern Länge und einem Kofferraumvolumen von 586 Litern soll er auch verwöhnte US-Amerikaner und Chinesen ansprechen und mit zwei E-Motoren an Vorder- und Hinterachse hat er nicht nur Allrad, sondern auch eine Systemleistung von 340 PS. Allerdings ist in der Spitze bei 175 km/h Schluss. Interessiert den US-Amerikaner aber auch nicht. Den macht der Ampelstart heiß und da sind 5,2 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 verbrieft.

Audi e-tron Sportback

Audi geht in LA mit dem e-tron Sportback in Los Angeles in die Elektrooffensive. Mit 4,90 Metern Länge, 1,94 Metern Breite und 1,62 Metern in der Höhe unterscheidet sich der Stromer aber kaum vom Sportback mit Verbrenner. Auch der Einstiegspreis von mindestens 71.350 Euro ist fast identisch. Dank zweier E-Maschinen verspricht Audi 408 PS, abgeregelte 200 km/h in der Spitze und eine Mindestreichweite von 446 Kilometern. Klar, im Zuge der Klimadebatte kommt das gut an. Hört man aber Victor Underberg, Leiter Technische Entwicklung von Audi, genau zu, dann meint man eine noch größere Begeisterung bei der Präsentation des RS Q8 und des Supersport-Kombis RS6 zu hören. Letztgenannter prescht nämlich mit 600 PS und einem maximalen Drehmoment von 800 Newtonmetern mit 305 km/h über den Highway.

Mercedes GLE 63 S und GLE 63

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Einer, mit dem Mercedes Geld für die künftige Elektrifizierung verdienen muss, der GLE 63 mit wuchtigem V8-Benziner und 48-Volt-Technik.

(Foto: Holger Preiss)

Und ganz abwegig sind diese beiden Audi-Boliden dann auch nicht. Geld lässt sich damit nämlich allemal verdienen und ob man es glaubt oder nicht, aber genau das braucht man, um die Entwicklung neuer E-Antriebe, Batterien und einer notwendigen Ladeinfrastruktur voranzutreiben. Und dass man mit den richtig dicken Dingern Geld verdienen kann, beweist Mercedes nicht erst seit gestern. Deswegen haben die Schwaben neben dem stromernden EQC den GLE und GLS im AMG-Ornat auffahren lassen. Beide Modelle mit 4,0-Liter-V8-Biturbomotor, 48-Volt-Bordnetz, 612 PS und einem beachtlichen maximalen Drehmoment von 850 Newtonmetern kosten zwischen 117.000 und 140.000 Euro. Die Kraft wird über eine 9-Gang-Automatik mit Torque-Converter, was für extrem kurze Schaltzeiten sorgen soll, an alle vier Räder gereicht. Während der GLS 63 in 4,2 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt, bringt es der GLE 63 S mit den gleichen Parametern in 3,8 Sekunden auf die Geschwindigkeit. Mit AMG-Schulung werden die Geschosse dann auch entdrosselt und bringen es in der Spitze auf 280 km/h.

Toyota RAV4 Plug-in-Hybrid

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Toyotas RAV4 fährt jetzt auch als Plug-in-Hybrid.

(Foto: Holger Preiss)

Ebenfalls mit einem SUV, allerdings mit Strom und E-Antrieb, wartete Toyota in L.A. auf. Der RAV4 bietet als Plug-in-Hybrid einen 178 PS starken Verbrenner in Kombination mit einem 120 PS leistenden E-Motor. Was den Japaner zu einem Allrad-SUV mit einer Systemleistung von 222 beziehungsweise 218 PS macht. Rein elektrisch soll es der Plug-in mit einer neuen Lithium-Ionen-Batterie auf eine Reichweite von 60 Kilometern bringen. Der RAV4 Plug-in wird natürlich auch nach Deutschland kommen. Was der Wagen hierzulande kosten wird, steht noch nicht fest.

Kia Seltos

Wer bei Kia zwischen Stonic und Sportage ein Modell vermisste, der wird es jetzt finden. Auf der L.A. Auto Show stellten die Koreaner den Seltos vor. Allerdings ist das die US-Version. Ein Modell für den Markt in Asien wurde bereits im Juni 2019 in Neu-Delhi in Indien vorgestellt. Dort ist er auch schon seit dem Sommer bei den Händlern. In den USA sorgte das mittelgroße SUV jedenfalls für einiges Aufsehen. Das kompakte Styling, die schmalen LED-Scheinwerferschlitze und eine insgesamt markante Frontschürze brachten einige US-Journalisten geradezu in Wallungen.

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Der Kia Seltos soll wohl so etwas wie das Welt-SUV der Koreaner werden. Auf jedem Kontinent sieht er ein wenig anders aus.

(Foto: Holger Preiss)

Unter der Haube des Kia Seltos werkeln je nach Markt unterschiedliche Triebwerke. Wenn der Wagen nach Europa kommt, wird der 1,6-Liter-T-GDI-Benziner mit 177 PS auf jeden Fall dabei sein. Auch der 1,6-Liter-Diesel mit 136 PS dürfte gesetzt sein. Ob es der Zweiliter-Sauger mit 149 PS auf den deutschen Markt schafft, darf bezweifelt werden. In den USA sind die Aggregate mit einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe verbandelt. Es steht aber auch noch eine Sechsgang-Automatik und eine CVT-Getriebe zur Wahl. In der Serie gibt es Frontantrieb, auf Wunsch auch Allrad.

Lexus LC 500 Convertible

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Ein Klassiker in Neuauflage: der LC 500 Convertible. Fast schon schön.

(Foto: Holger Preiss)

Hybrid oder gar ein rein elektrischer Antrieb gehen dem Lexus LC Convertible, der erstmals als LC 500 angeboten wird, völlig ab. Angetrieben wird der Sonnenanbeter von einem 5,0-Liter-V8 mit 465 PS. Die braucht es aber auch, denn das Cabrio wiegt mit zwei Tonnen noch 100 Kilogramm mehr als das aktuelle Coupé. Aus dem Stand beschleunigt der offene Bolide in knapp fünf Sekunden auf 100 km/h. Der Vortrieb endet elektronisch abgeregelt bei Tempo 270. Ach so: Natürlich bietet die Luxus-Tochter von Toyota zu einem späteren Zeitpunkt auch einen Plug-in-Hybrid an. Der wird dann als Verbrenner einen V6 unter der Haube tragen.

Porsche Taycan 4s

Ach richtig, in der Petree Hall auf dem Gelände des Convention Centers in Los Angeles hat ein weiterer deutscher Hersteller seinen Auftritt. Die Rede ist von Porsche. Die Schwaben sind nämlich mit der nächsten Ausbaustufe des Taycan nach Kalifornien gereist. In zwei Leistungsstufen soll der Stromer die schnellen Elektro-Fans begeistern. In der kleineren Ausbaustufe leistet er 530 PS, der Akku fasst 79,2 kWh und die stärkere Version bringt es auf 571 PS. Das Performance-Plus liefert der stärkere Akku, der 93,3 kWh fasst. Damit steigt natürlich auch die Reichweite. Mit vollem Akku soll es über 463 Kilometer gehen.

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Der kleine Bruder des Porsche Taycan Turbo, der Taycan 4S feierte in Los Angeles seine Premiere.

(Foto: Holger Preiss)

Beide Varianten haben Allradantrieb und schaffen den Sprint von null auf Tempo 100 in 4,0 Sekunden. Der Vortrieb wird bei 250 km/h gestoppt. Die maximale Ladeleistung beträgt 225 kW mit der Performance- beziehungsweise 270 kW mit der Performance-Plus-Batterie. Wer jetzt die optischen Unterschiede zum Taycan Turbo sucht, der muss etwas suchen. Der erste Blick sollte zu den 19-Zoll-Rädern gehen, da gibt es nämlich rot lackierte Bremssättel. Ein weiterer Unterschied sind die schwarzen Schürzeneinsätze vorn und hinten. Das war es dann aber auch schon. Ach nein, der wesentliche Unterschied ist der Preis: der 4S kostet ab 105.607 Euro. Das sind knapp 47.000 Euro weniger, als Porsche für den Turbo aufruft. Wer mit einem Turbo S liebäugelt, muss sogar 80.000 Euro mehr bezahlen. Nur zum Vergleich: Ein Model S von Tesla mit 100 kWh-Akku und 610 Kilometern Reichweite kostet ab 86.880 Euro.

Karma SC2

Aber weil wir gerade bei elektrischen Power Cars sind: Den Vogel schießt in L.A. Karma ab. Auf dem Weg zwischen Süd- und West-Halle steht nämlich unter anderen der SC2. Ein Sportwagen der feinsten Art, mit zwei riesigen Flügeltüren, die sich mit Fingerabdrucksensor öffnen. Befeuert wird der Bolide von zwei Elektromotoren, die zusammen 1100 PS leisten sollen. Unter solchem Elektrofeuer ballert der Stromer dann auch, nach Aussagen von Karma, in 1,9 Sekunden auf 96 km/h. Dabei soll das Geschoss immer noch eine Reichweite von 563 Kilometern haben, die von einer 120-kWh-Batterie zur Verfügung gestellt wird.

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Mit 1000 PS ein Elektro-Monster: der Karma SC2.

(Foto: Holger Preiss)

Um das Monster wieder zum Stehen zu bringen, wurden Keramik-Bremsen aus dem Motorsport verbaut. Das 3D-Soundsystem im Karma soll es den Insassen ermöglichen, unterschiedliche Musik zu hören und wenn die Sonne blendet, sollen sich die Fahrzeugscheiben automatisch tönen. Während andere Fahrzeuge die Fahrdaten lediglich in die Frontscheibe projizieren, kann der SC2 sie auch noch für spätere Auswertungen aufzeichnen. Geschwindigkeit, Beschleunigungs-, Abbiege- und Bremsdaten werden hier festgeschrieben. Auch die Geräusche und externe Lufttemperatur und die Musikwiedergabeliste können im Nachhinein abgefragt werden. Wofür das im privaten Bereich gut ist? Keine Ahnung, aber für das zu vermutende Preisniveau von etwa einer Million Dollar nimmt man halt, was man bekommt.

Quelle: n-tv.de