Auto

Türkisches SUV fährt vorTogg T10X klopft an Europas Türen

14.01.2026, 17:34 Uhr
00:00 / 06:26
Toggs-Erstling-ist-ein-Mitteklasse-SUV
Toggs Erstling ist ein Mittelklasse-SUV. (Foto: Togg)

Eine neue Marke: Mit Togg klopft der erste türkische Autohersteller in Deutschland und Europa an. Sein SUV T10X punktet mit günstigem Preis, hohem Ausstattungsniveau und viel Platz und Komfort für Passagiere. Aber Gepäck passt nicht viel rein und der Verbrauch ist hoch, die Reichweite somit eingeschränkt.

In der Türkei werden schon seit vielen Jahren Autos produziert; ausländische Hersteller wie Renault, Hyundai, Fiat oder Toyota haben dort Werke errichtet. Seit 2024 ist mit Togg nun auch eine erste "echte" türkische Marke am Start und seit diesem Jahr gibt es die ersten Modelle in Deutschland zu kaufen: die Fließhecklimousine T10F und das SUV T10X, beide mit rein elektrischen Antrieben.

Togg ist allerdings mehr als ein Automobilhersteller, es ist in gewisser Weise auch ein nationales Projekt, das von Staatschef Erdogan nicht nur gefordert, sondern auch gefördert wurde. So haben einige türkische Großunternehmen ihren Beitrag zum Fahrzeug leisten dürfen - vom Maschinenbau über die Telekommunikation bis zum Handel. Dies spiegelt sich auch im Namen wider: "Türkiye'nin Otomobili Girişim Grubu", also Togg, kann man in etwa mit "Türkische Automobile Joint Venture Group" übersetzen.

Entwickelt-wurde-der-E-Crossover-in-der-Tuerkei-wo-er-auch-gebaut-wird
Entwickelt wurde der E-Crossover in der Türkei, wo er auch gebaut wird. (Foto: Togg)

Gemeinsam mit Pininfarina in Form gegossen

Das Projekt wurde teils von auslandserfahrenen Managern umgesetzt, federführend etwa vom ehemaligen Bosch-Manager Gürcan Karakas, fürs Design zeichnet der ehemalige VW-Designchef Murat Günak verantwortlich, der das Auto gemeinsam mit Pininfarina in Form gegossen hat.

Das-Design-ist-modern-aber-unaufdringlich
Das Design ist modern, aber unaufdringlich. (Foto: Togg)

Entsprechend sieht das von uns getestete und mit dem etwas umständlichen Namen T10X gesegnete SUV modern und gefällig aus, setzt allerdings im Außendesign auch keine Maßstäbe, sondern ordnet sich in die Vielzahl von Angeboten in diesem Segment ein. Was für einen Newcomer eher als Kompliment denn als Kritik verstanden werden soll.

Offensichtlich wollte man auf Nummer sicher gehen, nicht zuletzt mit Blick auf die statusbewusste, türkische oder türkischstämmige Klientel im Ausland. Und so prangt an der Front des Togg auch ein recht mächtiger, wenn auch für ein Elektroauto nutzloser Kühlergrill.

Als-Fahrzeug-ist-der-T10X-klar-der-kommoden-Seite-zuzurechnen-mit-gelungener-fuer-sportlichere-Autofahrer-vielleicht-ein-wenig-zu-weich-geratener-Abstimmung
Der Togg T10X hat ein Fließheck. (Foto: Togg)

Innen viel Platz für die Insassen

Innen erwarten Fahrer und Passagiere die bei einem Elektroauto erwartbar großzügigen Platzverhältnisse, die allerdings ein wenig zu Lasten des Kofferraums gehen, der mit 440 Litern doch recht überschaubau ausgefallen, immerhin durch Umlegen der Rücksitze auf 1.515 Liter erweiterbar ist. Auffällig ist im Innenraum das üppig ausgestattete Armaturenbrett mit einem 29 Zoll messenden Infotainment-Mittendisplay und einem 12,3 Zoll großen Kombiinstrument im Blickfeld des Fahrers.

An dieser Stelle kommt Trumore ins Spiel, sozusagen die digitale Plattform zum Auto. Hier gibt es neben diversen Apps auch die Möglichkeit, mit Hilfe künstlicher Intelligenz aus 2.000 vorprogrammierten Instrumentaltiteln individuelle Sounds komponieren zu lassen.

Der-Innenraum-ist-hochgradig-vernetzt
Der Innenraum ist hochgradig vernetzt. (Foto: Togg)

Dies steht beispielhaft für den von Karakas definierten Anspruch, nicht nur ein Auto, sondern ein "Smart Device" anzubieten. Das ist sicher kein ganz neuer oder gar origineller Ansatz, wird aber ziemlich konsequent umgesetzt. Leider ist die Bedienung darüber recht komplex geraten und erfordert einige Eingewöhnung. Dass die Sprachbedienung nicht überzeugte, wollen wir dem Newcomer durchgehen lassen, die Kunden können auf Besserung via Over-the-Air-Update hoffen.

Kommod und gut abgestimmt

Als Fahrzeug ist der T10X klar der kommoden Seite zuzurechnen, mit gelungener, für sportlichere Autofahrer vielleicht ein wenig zu weich geratener Abstimmung. Schneller gefahrene Kurven sind daher nicht so sein Ding, das SUV neigt ein wenig zu deutlich zum Untersteuern. Absolut überzeugend ist dagegen der Innenraumkomfort, selbst für ein Elektroauto geht es im Togg ausgesprochen leise zu.

Wir fuhren die Version mit größerer, 88,5 kW/h großen Batterie - eine Variante mit 52,4 kW/h folgt im Frühjahr - und mit Hinterradantrieb. Mit 350 Newtonmetern Drehmoment ist der T10X, wenig überraschend, kraftvoll, aber nicht überbordend unterwegs. Die reinen Fahrwerte überzeugen: 7,8 Sekunden vergehen bis 100 km/h erreicht sind und 185 km/h Spitze bietet nicht jedes SUV in dieser Klasse.

Verbrauch zu hoch

Der Verbrauch war trotz überwiegend moderater Fortbewegung zu hoch: Statt der versprochenen rund 19 kamen wir auf über 25 kWh. Entsprechend weit entfernt lagen wir von der mit 523 Kilometern angegebenen Normreichweite, mehr als 350 Kilometer waren real nicht möglich. Auch andere Elektroautos halten ihre Versprechen in Sachen Verbrauch selten ein, hier allerdings fiel der Unterschied besonders hoch aus. Geladen mit übrigens mit bis zu 22 kW an einer normalen Wallbox und bis zu 180 kW an Schnellladern, letzteres ist guter Durchschnitt diesseits der 800-Volt-Welt.

Überraschend geizig für ein neues Unternehmen zeigt sich Togg bei den Garantien. Neben den üblichen acht Jahren oder 160.000 Kilometer auf den Akku, offeriert der Hersteller eine Garantie von drei Jahren oder 100.000 Kilometer. Da hätten wir mehr erwartet und da bieten andere inzwischen deutlich mehr.

Durchaus gelungen

Unter dem Strich ist das erste SUV eines türkischen Herstellers aber durchaus gelungen, zumal wenn man den bei guter Ausstattung attraktiven Grundpreis von 41.200 Euro einbezieht. Die 2026 kommende Version mit kleinem Akku soll ab knapp 34.300 Euro angeboten werden, das Spitzenmodell mit großem Akku und Allradantrieb (320 kW/435 PS) ist ab 49.200 Euro zu haben.

Das-Topmodell-faehrt-mit-Allradantrieb
Das Topmodell fährt mit Allradantrieb. (Foto: Togg)

Bestellungen können nur über die eigene Plattform Trumore vorgenommen werden, dabei wird eine Anzahlung von 1.000 Euro fällig. Man darf gespannt sein, ob Togg auch außerhalb der Türkei reüssieren wird, wobei vor allem Deutschland mit seinen vielen türkischen oder türkischstämmigen Mitbürgern eine besondere Bedeutung zukommen könnte.

T10X - technische Daten

  • Fünftüriges, fünfsitziges SUV der Mittelklasse

  • änge: 4,60 Meter, Breite: 1,89 Meter (mit Außenspiegeln: 2,10 Meter), Höhe: 1,68 Meter, Radstand: 2,89 Meter, Kofferraumvolumen: 441 - 1.515 Liter

  • Elektroantrieb auf die Hinterräder, 160 kW/218 PS, Drehmoment: 350 Nm, 0-100 km/h: 7,8 s, Vmax: 185 km/h, Normverbrauch: 19,1 kW/h je 100 km, Normreichweite: 523 km, Akkugröße: 88,5 kWh, Ladegeschwindigkeit: 22 kW/180 kW, 20-80 Prozent: 28 Minuten, Testverbrauch: 25,2 kWh

  • Preis: ab 41.200 Euro

Quelle: ntv.de, Peter Eck, sp-x

ElektroautosSUVTürkeiElektromobilität