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Spareffekt durch KlimazieleVerband sagt Preisverfall bei E-Autos voraus

12.03.2026, 16:26 Uhr Laura-StresingVon Laura Stresing
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Die Preise für batteriebetriebene Fahrzeuge sinken. (Foto: picture alliance / Rene Traut Fotografie)

Steigende Benzinpreise machen einen Umstieg aufs E-Auto attraktiv - hohe Anschaffungskosten stehen ihm entgegen. Eine aktuelle Preisanalyse weist jedoch nach: Dank Klimaschutzmaßnahmen purzeln jetzt die Preise.

Sorgenvoll blicken viele Autofahrerinnen und Autofahrer in diesen Tagen auf die Benzin- und Dieselpreise. Durch den Iran-Krieg wird das Tanken deutlich teurer. Expertinnen und Experten warnen sogar schon vor einer anhaltenden Öl- und Energiekrise. Wer ein E-Auto besitzt, kann sich hingegen freuen, denn durch die vergleichsweise günstigen Betriebskosten lohnt sich die Anschaffung noch früher als gedacht - insbesondere, wenn das Gefährt zu Hause aufgeladen wird.

Tatsächlich sind die hohen Anschaffungskosten oft ein großer Faktor, warum viele Menschen den Umstieg aufs E-Auto bislang noch scheuen. Laut einer neuen Analyse des Mobilitätsverbands Transport and Environment (T&E) soll sich das bald ändern, denn die durchschnittlichen Verkaufspreise für E-Fahrzeuge nähern sich in der EU allmählich denen von vergleichbaren Modellen mit Verbrennermotor an. Ohne erneute Aufweichung der Emissionsziele durch die EU-Kommission könnte die vollständige Preisparität in allen Fahrzeugsegmenten im Jahr 2030 erreicht werden, so die Prognose.

Preisdaten deuten Trendwende an

Die von T&E ausgewerteten Preisdaten zeigen bereits in diese Richtung: So sind die Durchschnittspreise für Batteriefahrzeuge (BEV) in der EU im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit 2020 merklich gesunken. Durchschnittlich kostete ein E-Auto 2025 demnach 42.700 Euro und damit vier Prozent beziehungsweise 1800 Euro weniger als im Vorjahr. Hauptgrund für den Rückgang sei die Markteinführung erschwinglicher und kleinerer Modelle für den Massenmarkt gewesen, so der Bericht.

Die Analysten sprechen von einer entscheidenden, aber auch erwartbaren Trendwende. Schließlich zwingen die EU-Grenzwerte die Autohersteller dazu, den durchschnittlichen CO2-Ausstoß ihrer verkauften Flotten ab 2025 deutlich zu senken - was de facto nur gelingt, indem sie den Absatz ihrer emissionsfreien, also elektrisch betriebenen Modelle ankurbeln.

Dabei war die EU-Kommission den Autoherstellern bereits entgegengekommen und hatte beschlossen, die Einhaltung des CO2-Ziels zunächst über drei Jahre zu mitteln. Hersteller müssen die strengeren Grenzwerte also nicht jedes Jahr erreichen, wie ursprünglich geplant, sondern können das Flottenziel über ein Dreijahresmittel strecken. Das verschafft den Konzernen faktisch einen Aufschub, weil sie höhere Emissionen in den ersten Jahren später ausgleichen können.

Gute Angebote gab es bisher nur im Premiumsegment

Nach Ansicht des Verkehrsverbands T&E war das nicht nur mit Blick auf die Klimaziele kontraproduktiv, sondern hat auch die Preissenkungen im E-Segment verzögert. "Wir dürfen uns nicht der Illusion hingeben, wir könnten unsere heimische Industrie durch eine Absenkung von Standards nachhaltig schützen", sagt Sebastian Bock, Geschäftsführer von T&E Deutschland. "Wenn die CO2-Ziele für 2030 gelockert werden, verzögert das lediglich den kommenden Preisrutsch bei E-Autos und sichert kurzfristige Margen und Dividenden auf Kosten der langfristigen Zukunftsfähigkeit."

Genau das ließ sich schon in der Vergangenheit beobachten: In den Jahren 2020 bis 2024 waren E-Autos sogar um 5000 Euro teurer geworden - und das trotz sinkender Kosten für Batterien und andere Komponenten. Hersteller hatten schließlich wenig Anreiz, Fahrzeuge für die Massen zu produzieren. Stattdessen wurde jahrelang vor allem das Premiumsegment bedient - nach dem Motto: Lieber wenige Fahrzeuge verkaufen, dafür aber mit höheren Gewinnmargen.

Dabei gebe es in der oberen Mittelklasse - etwa bei Modellen von Mercedes, BMW und Audi - kaum Preisunterschiede zwischen den unterschiedlichen Antriebsarten, fand T&E heraus. Die kaufkräftigere Kundschaft muss also nicht mal nachrechnen, ob und wann sich die Anschaffung des E-Modells gegenüber einem Verbrenner oder Hybridfahrzeug rentiert.

Bis 2030 sollte das in allen Segmenten möglich sein, findet der T&E-Verband und warnt davor, dem Druck aus der Autoindustrie erneut nachzugeben. "Die Flottengrenzwerte helfen dem Klima und machen sich im Portemonnaie bemerkbar", sagt Bock. "Wenn wir jetzt Kurs halten und die Ziele für 2030 nicht verwässern, sind neue E-Autos bald billiger als Verbrenner. Das hilft vielen Deutschen aus der fossilen Falle, die sie gerade wieder an der Zapfsäule spüren müssen."

Quelle: ntv.de

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