Ist der Verbrenner besser?Kia Sportage immer noch viel günstiger als vergleichbares E-Auto
Von Patrick Broich
Kia lässt trotz Elektro-Offensive in Deutschland immer noch deutlich mehr Verbrenner zu. ntv.de hat sich die Frage gestellt, ob das besser ist, und in diesem Sinne das praktische Kompakt-SUV Sportage unter die Lupe genommen.
Das Argument, Verbrenner seien günstiger als batterieelektrische Fahrzeuge, wird immer noch fleißig benutzt, um gegen E-Autos zu schießen. Doch stimmt das wirklich? Ist natürlich immer fallabhängig - bei Kia scheint es aber zuzutreffen, zumindest oberflächlich betrachtet. Lass in die Preisliste schauen: Wer den praktischen Sportage favorisiert, wird ab 33.990 Euro fündig - und bekommt gar nicht mal wenig Auto für diesen Kurs. Einen konzeptionell ähnlich gelagerten EV5, ganz frisch in der Modellpalette, erhält man hingegen nicht unter 45.990 Euro.
Aber! In puncto Antrieb fällt der Basis-Sportage mau aus mit 150 PS aus 1,6 Litern Hubraum sowie Schaltgetriebe. Hier punktet der EV5 mit souveränen 218 PS. Und weil Kia Journalisten manuelles Schalten nicht zumuten möchte, verfügt das Fotofahrzeug über ein siebenstufiges Doppelkupplungsgetriebe. Und schon springt der Preis auf 37.640 Euro.
Bleibt aber der eher schwache 150-PS-Vierzylinder in Kombination mit Vorderradantrieb. Fluch oder Segen? Nun, es kommt darauf an. Wer bisher noch nicht in den Elektro-Kosmos eingetaucht ist, wird sicherlich keinen Mangel empfinden, zumal der Turbo den 1,7-Tonner auf einem sachlichen Level zufriedenstellend bewegt. Allerdings - fordert man Last an, wird der Direkteinspritzer mit zunehmender Drehzahl auch mal quäkig. Und der Doppelkuppler kann bei plötzlichem Gaspedaleinsatz ruckeln, sodass eine gewisse Disharmonie entsteht.
Dafür hat der Verbrenner ein Ass im Ärmel, dem ein batterieelektrischer Antrieb nichts entgegensetzen kann: Sein Tank wird binnen weniger Minuten wieder voll. Und hier schwächelt der EV5, insbesondere, da die Techniker in diesem Fall bei 400 Volt geblieben sind. Das Werk macht keinen Hehl aus der Langsamkeit seines Ladens, nennt im Datenblatt 30 Minuten für den Hub von 10 auf 80 Prozent. Und das ist eben immer noch ein großer, wenn nicht gar der größte Knackpunkt bei der Elektromobilität. Hinzu kommen schwankende Realreichweiten, abhängig von der Außentemperatur.
Sportage bietet seit Facelift schickes Panoramadisplay
Und der Basis-Sportage? Lässt sich witterungsunabhängig mit rund sieben Litern Super je 100 Kilometer bewegen; bei moderater Autobahnfahrt bekommt man sogar die Sechs vor dem Komma hin, damit fährt er stabil deutlich über 700 Kilometer weit, wenn der Fahrer sich nicht am rechten Pedal verausgabt. Das sitzt.
Und was bietet der Sportage sonst noch? Seit dem kleinen Facelift endlich auch ein großes gebogenes Display, um Infotainmentfans glücklich zu machen. Gegen das Display ist auch wenig einzuwenden, bei der Bedienung hingegen gibt es Verbesserungspotenzial. So kommt im Sportage die Variante mit der doppelt belegten Touchleiste unterhalb der zentralen Lüftungsdüsen zum Einsatz. Je nach gerade aktivierter Funktionsgruppe lassen sich darüber die Musik oder allgemeine Funktionen steuern. Alternativ ist es eben die Klimaregelung. Das ist aus Designerperspektive verlockend gedacht, zumal Tasten auf diese Art reduziert werden, der Bedienungskomfort verliert allerdings.
Und jetzt kommt das K.-o.-Kriterium: Einerseits gibt es zwei physische Drehregler, das ist top. Aber auch die beiden Regler ändern ihre Funktion mit der Gruppenzuordnung, und so wird das Exemplar auf der linken Seite je nach Einstellung kurzerhand zum Wahlrädchen für die Lüftungsintensität, während es sonst die Lautstärke regelt. Und so passiert es immer wieder, dass man aus Versehen für Sturm innen sorgt, statt die Musik lauter oder leiser zu machen.
Um noch ein bisschen bei den technischen Themen zu bleiben - gut in den Alltag integrierbare Assistenten wie eine adaptive Längsführung funktionieren auch beim Verbrenner hervorragend. Hier wäre der adaptive Tempomat zu nennen, der dafür sorgt, die voreingestellte Geschwindigkeit in Abhängigkeit vom Verkehrsfluss zu halten. Das klappt inklusive Halt an der Ampel, sofern Vordermann vorhanden als Orientierungspunkt. Der adaptive Tempomat ist bereits Bestandteil der niedrigsten Ausstattungslinie "Core" unter der Voraussetzung, dass man Automatik bestellt.
An Platz mangelt es dem Sportage nicht
Apropos Ausstattung. Der Testwagen rollt mit profanen Stoffsitzen an den Start, auch mal schön und nicht so überkandidelt, aber dennoch fein genug für die vier Buchstaben. Man darf nicht vergessen - eigentlich ist der Kia Sportage ja ein kompaktes SUV, dafür ist er allerdings mittlerweile ziemlich erwachsen geworden von den Abmessungen. Und das merkt man auch innen. Selbst hinten gibt er mit seiner Beinfreiheit den jovialen Reisewagen, und der Fahrkomfort ist keineswegs von schlechten Eltern. Demnach pariert das Fahrwerk schlechte Straßen recht wirkungsvoll.
Dafür muss der Koreaner bei sportlichen Ansprüchen passen - aber das ist in diesem Kontext völlig okay. Eine Spur von Nutzwert lässt sich ebenfalls feststellen, schließlich sind knapp 1800 Liter Kofferraumvolumen (bei umgeklappten Rücksitzlehnen) ein Wort. Wer möchte, kann aus dem bodenständigen Sportage einen kleinen Luxusliner machen mit noch mehr Assistenten sowie dicken Brocken à la elektronischer Dämpferregelung, Panoramaglasdach, elektrischer Sitzverstellung inklusive Belüftung plus Memory und sogar Standheizung. Und schwups, wird aus dem erschwinglichen Allrounder ein veritables 50.000-Euro-Auto. Dabei ist ja eigentlich schon die Basisausstattung ganz brauchbar.
Fazit: Mit dem Sportage 1.6 T-GDI ist Kia in der Lage, seinen Kunden ein ziemlich praktisches Auto für einen erschwinglichen Kurs anzubieten. Allerdings fällt sein Benzinantrieb eher mau aus und damit wenig emotional. Dabei führen Elektroautogegner gern ins Feld, dass es ja beim Stromer gerade an Emotionalität fehle. Nein, es fehlt in Wirklichkeit an Ladeperformance und Reichweite. Und so hat der Elektroauto-Protagonist Kia in den ersten beiden Monaten dieses Jahres kaum 3000 Stromer, aber dafür deutlich über 5000 Verbrenner zugelassen hierzulande.
Mit dem Sportage macht man jedenfalls nichts falsch, das SUV ist sozusagen der automobile Partner für alle Fälle mit Komfort und Platz. Und auf Wunsch auch noch ganz schön luxuriös und technisch. Dann aber wiederum verlässt man das bürgerliche Preislevel ganz schnell wieder. Neben dem beschaulichen Benzinmotor offeriert Kia für den Sportage weiterhin einen Diesel sowie Hybridantriebe plus Allradoptionen.
Datenblatt Kia Sportage 1.6 T-GDI
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe): 4,54 / 1,87 / 1,65 m
Radstand: 2,68 m
Leergewicht (DIN): 1590 kg
Sitzplätze: 5
Ladevolumen: 562 bis 1751 Liter
Motorart: 1,6-Liter-Vierzylinder mit Direkteinspritzung und Turboaufladung
Getriebe: Siebengang-Automatik (Doppelkupplung)
Leistung, Verbrenner: 150 PS (110 kW) bei 4500 bis 6000 U/Min
max. Drehmoment, Verbrenner: 250 Nm / bei 1500 bis 4000 U/min
Kraftstoffart: Superbenzin
Antrieb: Vorderradantrieb
Beschleunigung: 0-100 km/h 9,4 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 193 km/h
Tankvolumen: 54 Liter
Verbrauch (kombiniert): 7,3 Liter (WLTP)
CO2-Emission kombiniert: 165 g/km (WLTP)
Grundpreis: ab 37.640 Euro