Infografik

Daten zur deutschen Konjunktur So wirkt die Corona-Krise in Deutschland

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Nah am perfekten Sturm: Alle Exportmärkte brechen nahezu gleichzeitig ein.

(Foto: picture alliance/dpa)

Düstere Aussichten für eine Exportnation wie Deutschland: Die Coronavirus-Pandemie stürzt Handelspartner in aller Welt in Schwierigkeiten. Wie hart wird der Konjunktureinbruch ausfallen? Die wichtigsten Indikatoren im Überblick.

Die akute Gefahr der ersten Welle scheint gebannt: In Deutschland ist es gelungen, die unkontrollierte Ausbreitung des Erregers Sars-CoV-2 einzudämmen und eine Überlastung der Krankenhäuser zu verhindern. Vielerorts läuft der reguläre Betrieb in Büros, Betrieben und Unternehmen wieder an.

Doch mit den sinkenden Fallzahlen werden nach und nach auch die verheerenden Nebenwirkungen der Pandemie sichtbar: Die wichtigsten Konjunkturindikatoren verzeichnen Einbrüche in nie da gewesenen Ausmaßen. Zuletzt etwa stürzte der Produktionsindex des verarbeiteten Gewerbes weiter in die Tiefe.

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Zu sehen ist hier nicht etwa nur ein ungewöhnlich starkes Minus, sondern der "stärkste Rückgang seit Beginn der Zeitreihe im Januar 1991", wie es beim Statistischen Bundesamt dazu heißt. In diesen preis-, saison- und kalenderbereinigten Daten zur Entwicklung des Produktionsindex zeigt sich ein Minus von 17,9 Prozent zum Vormonat. Im Vorjahresvergleich beläuft sich der Einbruch sogar auf 25,3 Prozent.

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Die deutsche Wirtschaft kämpft dabei längst nicht nur mit den Folgen der heimischen Corona-Auflagen. Die seit dem 23. März geltenden Einschränkungen zur Virus-Abwehr konnten in Deutschland bereits wieder gelockert werden. Der Pandemie-Schock jedoch trifft die gesamte Weltwirtschaft gleichermaßen. Auf allen Kontinenten kommt die Konjunktur ins Stolpern.

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Am deutschen Arbeitsmarkt sind die Auswirkungen der Corona-Krise bereits deutlich zu erkennen. Im April und im Mai stieg die Arbeitslosenquote kräftig an. Staatliche Stützungsmaßnahmen wie etwa das Kurzarbeitergeld konnten bislang das Schlimmste verhindern. In der Industrie etwa steht ein großflächiger Stellenabbau bisher nicht zur Debatte.

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In den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hoffen die Entscheider offenbar noch auf einen zeitlich eng begrenzten Absturz mit einer ebenso raschen Erholung. Die Stimmung hellte sich Ende Mai nach dem historischen Tief im April wieder etwas auf.

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Der Ifo-Geschäftsklimaindex für Mai stieg auf 79,5 Zähler, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte. "Die ersten Lockerungen sorgen für einen Hoffnungsschimmer", erklärte Ifo-Chef Clemens Fuest. Die aktuelle Lage schätzten die vom Ifo-Institut befragten Manager allerdings noch schlechter ein als im Vormonat.

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Bei den Finanzmarktprofis zeigt sich ein ähnliches Bild: Wie aus dem ebenfalls monatlich aktualisierten ZEW-Index hervorgeht, rechnen die vom Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) befragten Konjunkturexperten mit einer baldigen Besserung der Lage. Nach dem ersten Schreck im April liegt der Teilindex der Erwartungen sogar wieder über dem Vorkrisenniveau.

Die Einschätzung der aktuellen Lage beurteilten die Befragten allerdings noch einmal deutlich schlechter. Nur die Erwartungen für die kommenden sechs Monate stellen sich also längst nicht mehr so düster dar wie noch kurz nach Beginn des Lockdowns.

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Mit Blick auf das Gesamtjahr rechnen die meisten Ökonomen mit einem dramatischen Konjunktureinbruch. Die Bundesbank zum Beispiel erwartet für 2020 einen kalenderbereinigten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 7,1 Prozent, wie sie in der Anfang Juni veröffentlichten halbjährlichen Prognose mitteilte.

2021 könnte es aber bereits wieder um 3,2 Prozent nach oben gehen. Für 2022 sagen die Bundesbank-Ökonomen sogar bereits ein Wachstum um 3,8 Prozent voraus.

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Die erhofften Effekte des neuen Konjunkturpakets der Bundesregierung sind in der Prognose noch nicht berücksichtigt. Die jüngsten Stützungsmaßnahmen wurden erst kurz nach dem Prognoseabschluss beschlossen.

"Die Staatsfinanzen leisten einen erheblichen Stabilisierungsbeitrag", erklärte Bundesbankpräsident Jens Weidmann. "Ein weiterer Stimulus ist in der aktuellen Lage auch angemessen, und ich bewerte das Konjunkturprogramm positiv."

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Die Große Koalition will Deutschland mit einem 130 Milliarden Euro schweren Konjunkturpaket für die Jahre 2020 und 2021 aus der schwersten Rezession der Nachkriegszeit führen. Die riesige Summe soll Firmen und Kommunen entlasten und die Verbraucher zum Konsum anregen.

Auf diese Weise soll ein noch stärkerer Einbruch der Wirtschaftsleistung verhindert werden und die Zeit bis zum Wiederanlaufen der Weltkonjunktur überbrückt werden. Wie lange diese Phase jedoch andauern wird, ist bislang noch vollkommen offen.

Wichtige Exportpartner wie etwa die USA haben den Höhepunkt der Pandemie-Welle offenbar noch nicht erreicht. Und selbst wenn es zu einer raschen Rückkehr zum wirtschaftlichen Normalbetrieb kommen sollte, warten unter und hinter der Corona-Katastrophe noch eine ganze Reihe alter, ungelöster Krisenherde. Spätestens dann wird sich Deutschland auch wieder stärker mit Problembaustellen wie etwa dem Brexit-Debakel befassen müssen.

Quelle: ntv.de, mit Material von dpa und rts