Unterhaltung

Fotos und Mitschnitte im Gericht Depp-Heard-Prozess wird richtig schmutzig

Der Verleumdungsprozess von Johnny Depp gegen seine Ex-Frau Amber Heard artet immer mehr zur Schlammschlacht aus. Vor Gericht werden angebliche Szenen und Gespräche während der Ehe bis ins Kleinste seziert. Auch Bilder und Tonmitschnitte, die in der Beziehung gemacht wurden, werden publik.

Mit einer Klage gegen die britische Zeitung "The Sun" kämpft Johnny Depp in London um seinen Ruf. Schließlich hatte das Blatt ihn unter Berufung auf die Aussagen seiner Ex-Frau Amber Heard in einem Artikel als "Frauenschläger" dargestellt. Doch schon jetzt ist klar: Ganz egal, wie der Prozess ausgeht, der Schaden, den der Schauspieler, aber auch seine Ex aus dem Verfahren mitnehmen werden, ist immens.

974f7c1364450f71183cfd6ea127cc18.jpg

Depp will in London beweisen, dass er kein "Frauenschläger" ist - seine Alkohol- und Drogen-Exzesse gibt er zu.

(Foto: REUTERS)

Schließlich scheint in der Auseinandersetzung vor Gericht kein Stein auf dem anderen zu bleiben. Bis ins Kleinste werden angebliche Situationen, Wortgefechte und gewalttätige Auseinandersetzungen in der Ehe auseinandergenommen. Wer hat was gesagt und getan - oder eben auch nicht: Bereits am zweiten Tag des Verfahrens lieferte sich Depp darüber einen Schlagabtausch mit der "The Sun"-Anwältin Sasha Wass. Daraus am Ende schlau zu werden, dürfte eine Mammutaufgabe für den zuständigen Richter werden, auch weil Erinnerungen stets subjektiv geprägt sind und die Wahrheit womöglich irgendwo in der Mitte liegt.

Nicht ohne Grund nehmen Heards Verteidiger immer wieder Depps Hang zu Alkohol und Drogen ins Visier. Das Ziel ist klar: Es geht darum, die Glaubwürdigkeit, die Wahrnehmung und das tatsächliche Erinnerungsvermögen des Hollywood-Stars in Zweifel zu ziehen.

"Vulgäre Kommentare" oder "Hirngespinste"

be2b6f39871cfe8d9b33d17760f88b33.jpg

Werden Amber Heards Behauptungen in dem Prozess widerlegt oder bestätigt?

(Foto: imago images/i Images)

Nur ein Beispiel dafür ist Depps Disput mit Wess über einen angeblichen Vorfall im Flugzeug während eines Privatflugs von Boston nach Los Angeles. Der Anwältin zufolge soll der Schauspieler nach dem Konsum von Kokain, Whisky, Pillen und Alkohol komplett ausfällig gegenüber Heard geworden sein. Demnach machte er "vulgäre Kommentare" zu ihren Genitalien und bezeichnete sie unter anderem als "Schlampe" und "Hure".

"Ich habe Frau Heard vor meiner Security, zwei Piloten und einer Stewardess Obszönitäten an den Kopf geworfen? Ich stimme mit dem, was Sie sagen, nicht überein", konterte Depp die Vorwürfe. Es handele sich vielmehr um eines der "Hirngespinste" seiner Ex.

depp.jpg

Das kam schon mal vor - Depp schlafend auf dem Fußboden.

(Foto: via REUTERS)

Auch Gewaltvorwürfe wurden in diesem Zusammenhang erneut gegen Depp laut. "Ich glaube, Frau Heard hat mehr als einmal den Platz gewechselt, um Ihnen zu entkommen. Sie begannen damit, sie mit Eiswürfeln zu bewerfen, und haben so stark gegen einen Stuhl getreten, dass er herumgeschwenkt ist und sie getroffen hat", präsentierte die Anwältin ihre Version der Geschichte. "Schließlich sind Sie auf die Toilette, in das Badezimmer des Flugzeugs gegangen und dort bewusstlos geworden", ergänzte sie.

Depp stritt die Darstellung dagegen ab. "Ich bin nie auf der Toilette bewusstlos geworden, jedenfalls nicht, um mich auf diese Art und Weise zu erholen. Aber ich bin schon mal an der Toilette gelehnt oder habe auf dem Fußboden geschlafen, das stimmt", erwiderte er.

Üble SMS-Nachrichten

Die unterschiedlichen Aussagen über die tatsächlichen Vorgänge in diesem Flugzeug sind bei Weitem nicht das einzige bizarre Hickhack, das sich in dem Verfahren bereits abgespielt hat. Unter anderem ging es auch um eine angebliche Affäre von Amber Heard mit Depps Schauspielkollegen James Franco. Ein Tonband, auf dem angeblich Depp dabei zu hören ist, wie er scheinbar durchgeknallt heult wie ein Hund, wurde ebenso ausgegraben wie noch eine andere Hunde-Geschichte. So hielt Depp laut Wess einst Heards Yorkshire Terrier aus dem Fenster eines fahrenden Autos. Der Schauspieler indes bezeichnete dies vor Gericht als "komplett falsch" und "böswillige Unterstellung".

imago0094424216h.jpg

Paul Bettany ist ein Freund und Vertrauter Depps.

(Foto: imago images/Mary Evans)

Nicht abstreiten konnte er dagegen den Inhalt einiger SMS-Nachrichten, die er mit seinem britischen Schauspielkollegen und Freund Paul Bettany 2013 ausgetauscht hatte. Darin "scherzte" er auf ausgesprochen derbe Art über seine damalige Freundin. In einer vermutlich ironisch gemeinten Konversation darüber, Heard zu verbrennen, äußerte sich Depp etwa mit den Worten: "Lass sie uns ertränken, bevor wir sie verbrennen! Nachher werde ich ihren verbrannten Körper ficken, um sicherzustellen, dass sie tot ist."

Nein, dies sei keine respektvolle Art und Weise über seine Freundin zu sprechen, musste Depp vor Gericht einräumen. Bettany sei für ihn jedoch ein Vertrauter in seinen andauernden Grabenkämpfen mit Heard gewesen. Ihm habe es gestunken, dass sie sich seinem Alkohol- und Drogenkonsum "sehr aggressiv" und "ziemlich verletzend" entgegengestellt habe, so Depp. "Sie mochte Herrn Bettany nicht und ich befürchte, sie mochte auch mich nicht besonders und ritt dauernd auf Dingen herum, die gar nicht existierten."

"Schluchzend wie ein Kind"

85b228b032f65cc54907be6acc5dcdbd.jpg

Szene aus Depps Zuhause - Alkohol und Drogen.

(Foto: via REUTERS)

Auch die Veröffentlichung diverser Fotos aus der Zeit ihrer Beziehung durfte in dem Prozess um Depp und Heard nicht fehlen. So bekam das Gericht etwa einen Schnappschuss zu Gesicht, auf dem vier Lines Kokain auf einem Glastisch liegen - neben unter anderem einem Joint, Tabak, mehreren Whisky-Gläsern, einer mit Depps Initialen versehenen Pillenbox und - natürlich - einer Keith-Richards-CD. Ein weiteres Foto zeigt den mutmaßlich nicht mehr so ganz nüchternen "Der Fluch der Karibik"-Star schlafend auf dem Boden, seinen Kopf in ein Regal gelegt.

Doch auch eine Aufnahme, die Depp in einem Krankenbett zeigt, machte die Runde. Sie soll entstanden sein, nachdem Heard eine Flasche nach ihm geworfen und dabei eine seiner Fingerkuppen abgetrennt hatte. Ein Brandmal auf Depps Wange soll zudem von einer Zigarette herrühren, die sie auf ihm ausgedrückt hatte.

Mehr zum Thema

Depp legte seinerseits mit weiteren Vorwürfen gegen die 34-Jährige nach. So habe ihm Heard während eines Entzugs von dem Schmerzmittel Oxycodon Medikamente vorenthalten, die zur Substitution gedacht waren. Dies sei "eines der grausamsten Dinge, die sie je getan hat", gewesen. Sie habe ihn dabei einfach "schluchzend wie ein Kind" liegen lassen.

Der Prozess in London ist auf drei Wochen angesetzt. Auch in den USA läuft eine Verleumdungsklage Depps gegen seine Ex. Hier jedoch ist der Prozessgegner Heard selbst wegen Aussagen, die sie in einem Gespräch mit der "Washington Post" getätigt hatte. Depp und Heard hatten sich 2011 bei den Dreharbeiten zum Film "The Rum Diary" kennengelernt. 2015 heirateten sie. Schon im Jahr darauf folgte die Trennung. Seither tobt der Rosenkrieg zwischen den beiden.

Quelle: ntv.de, vpr