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"Das ist #MeToo ohne #MeToo" Depps und Heards Anwälte halten emotionale Schlussplädoyers

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Depp und Heard heirateten 2015, die Ehe hielt 15 Monate.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

In den vergangenen sieben Wochen haben sich Johnny Depp und Amber Heard in ihrem Verleumdungsprozess wilde Anschuldigungen geliefert. Auch Dutzende Zeugen sagten sowohl für als auch gegen die beiden Schauspieler aus. Nun neigt sich das Verfahren dem Ende zu.

Nach sieben Wochen neigt sich der Verleumdungsprozess, den Johnny Depp und seine Ex-Frau Amber Heard gegeneinander in Fairfax County im US-Bundesstaat Virginia führen, dem Ende zu. In langen und emotionalen Schlussplädoyers nahmen die Anwälte der beiden US-Schauspieler die Anschuldigungen der Gegenseite auseinander und wiederholten ihre Vorwürfe der häuslichen Gewalt, die sich das Ex-Ehepaar gegenseitig macht.

Depps Verteidigerin Camille Vásquez begann ihr Abschlussplädoyer damit, dass nicht die Karriere ihres Mandanten und sein Ruf auf dem Spiel stünden, sondern auch sein Leben. "Heute vor genau sechs Jahren, am 27. Mai 2016, ging Frau Heard vor Gericht und erstattete eine falsche Anzeige wegen häuslicher Gewalt gegen ihren Ehemann." Die Szene sei "eine Inszenierung" gewesen. "Sie gab den Paparazzi einen Tipp, damit sie warten würden. Sie wussten genau, wo sie warten und welche Seite ihres Gesichts sie fotografieren sollten." Die Fotos hätten gezeigt, was Heard habe ausdrücken wollen - "das Bild einer misshandelten Frau". Der "dunkle Fleck" in Heards Gesicht sei jedoch "sechs Tage nach dem letzten Treffen mit Herrn Depp auf mysteriöse Weise erschienen. Es war eine Lüge."

Heard habe "die größte Rolle in ihrer Karriere" gespielt, auch als sie im Jahr 2018 den Kommentar für die "Washington Post" schrieb, in dem sie sich als Opfer häuslicher Gewalt bezeichnete. Die 36-Jährige habe Depps Namen nicht explizit erwähnen müssen, weil sie den Zeitrahmen von "zwei Jahren" eingebaut habe. "Es gibt einen Täter in diesem Gerichtssaal - aber es ist nicht Herr Depp", sagte Vásquez. "Und es gibt ein Opfer häuslicher Gewalt in diesem Gerichtssaal - aber es ist nicht Frau Heard." Es gebe auch zahlreiche Beweise, dass es die "Aquaman"-Darstellerin gewesen sei, die ihren Ex misshandelt habe. Sie sei nur nicht davon ausgegangen, dass Depp damit an die Öffentlichkeit gehen und sie für ihre Taten belangt würde.

"Emotionale Achterbahn"

Heard sei ein "zutiefst schwieriger Mensch", der "große Angst vor dem Verlassenwerden" habe und "verzweifelt nach Aufmerksamkeit und Anerkennung" suche, sagte Depps Anwältin weiter. Ihre Borderline-Diagnose passe zu diesen Eigenschaften, denn die 36-Jährige sei wie eine "emotionale Achterbahn" - sie werde schnell aggressiv und handgreiflich. Die Aussagen von Zeugen, die berichtet hatten, wie Heard ausgerastet sei und Depp angegriffen habe, wenn er sich von ihr entfernte, um den Streit zu deeskalieren, würden dies belegen. Die Geschworenen hörten erneut Ausschnitte aus Gesprächen, in denen die Schauspielerin sich beschwert, dass ihr Ex-Mann bei jeder Auseinandersetzung das Weite sucht.

Als ihr nach der Trennung von Depps Scheidungsanwälten finanzielle Unterstützung verweigert worden sei, habe Heard Depp "einen Schlag versetzt, der schädlicher war als jeder physische Schlag zuvor", sagte Vásquez. Sie habe nicht nur eine Scheidung gewollt, sondern "seinen Ruin". Anschließend habe sie die sieben Millionen Dollar, die sie laut der Scheidungsvereinbarung erhalten habe, nicht wie versprochen gespendet, sondern behalten und dann auch noch darüber gelogen.

Heard könne zwar viele Nachrichten von Depp vorweisen, in denen er sich nach Auseinandersetzungen bei ihr entschuldige - von Gewalt sei jedoch nie die Rede, sondern von "abscheulichen Beleidigungen", die er benutzt habe. Auch ihre Aussagen seien inkonsistent. So habe sie vor Gericht erzählt, dass Depp an fast allen Fingern immer "große, klobige Ringe" getragen habe, auch wenn er sie verprügelt habe. "Aber Sie haben kein einziges Foto gesehen, das die schweren Verletzungen widerspiegelt, die Miss Heard erlitten hätte, wenn dies wahr wäre", sagte Vásquez den Geschworenen. Auf Fotos und Videos, die unmittelbar nach den vermeintlichen Attacken durch den Hollywood-Star aufgenommen wurden, darunter in Talkshows oder auf roten Teppichen, seien keine Verletzungen zu sehen.

"Berg an unbewiesenen Behauptungen"

Die Ereignisse in Australien im März 2015 - sowohl die vermeintliche Vergewaltigung mit einer Flasche als auch der Tathergang von Depps verletztem Finger - entsprächen ebenfalls nicht der Wahrheit, sagte Vásquez weiter, auch hätten viele Augenzeugen das vor Gericht bestätigt. Es gebe keine Beweise für den vermeintlichen Missbrauch, den Heard durch Depp erlitten haben soll, sagte Vásquez. Stattdessen gebe es einen "Berg an unbewiesenen Behauptungen, die wild, übertrieben und unglaubwürdig sind".

Depps Anwalt Ben Chew wiederholte daraufhin Depps Aussage, nach der er und seine Schwester bereits in seiner Kindheit Gewalt durch seine Mutter erfahren haben soll. Demnach habe die 2016 verstorbene Betty Sue auch ihren Ehemann geschlagen. Weder die Kinder noch ihr Ex-Mann hätten sich je gewehrt. Er merkte auch an, dass vor Heard keine einzige Ex-Partnerin den Hollywood-Star der Gewalt oder des Missbrauchs bezichtigt habe. "Das hier ist #MeToo ohne #MeToo", sagte Chew.

Im Anschluss begann Heards Anwalt Ben Rottenborn sein Schlussplädoyer. "Denken Sie an die Botschaft, die Herr Depp und seine Anwälte an Amber und damit an alle Missbrauchsopfer senden: Wenn du keine Fotos gemacht hast, ist es nicht passiert, wenn du Fotos gemacht hast, sind sie gefälscht. Wenn du es deinen Freunden nicht erzählt hast, lügst du, und wenn du es ihnen gesagt hast, sind sie mit in den Schwindel verwickelt", sagte Rottenborn. "Wenn du alles tust, was du kannst, um deinem Ehepartner - der Person, die du liebst - zu helfen, sich von dem erdrückenden Drogen- und Alkoholmissbrauch zu befreien, der ihn in ein missbräuchliches, wütendes Monster verwandelt, bist du verrückt. Und wenn du endlich entscheidest, dass es genug ist, du genug von der Angst hast, genug vom Schmerz, und du gehen musst, um dich selbst zu retten, dann bist du eine Goldgräberin."

"Wenn er sie einmal missbraucht hat, gewinnt Amber"

Wenn man Johnny Depp verlasse, müsse man eine globale Schmutzkampagne erwarten, sagte Rottenborn weiter, denn: "In Herrn Depps Welt verlässt man Herrn Depp nicht." Der Hollywood-Star tue alles, was er könne, "um dein Leben, deine Karriere zu zerstören". Die Schlüsselfrage, die die Geschworenen beantworten müssten, laute: "Gibt der erste Zusatzartikel (zur Verfassung der Vereinigten Staaten, Anm. der Red.) Frau Heard das Recht, die Worte, die sie in diesem Artikel geschrieben hat, zu schreiben?" Er fügte hinzu, dass die Geschworenen besagten Artikel, in dem die Rede- und Pressefreiheit behandelt werden, "nicht gleichzeitig schützen und aufrechterhalten", aber trotzdem "zugunsten von Johnny Depp stimmen" könnten, weil sie sich dann zu "Komplizen" seines Missbrauchs machten.

Auch über das "Monster", in das sich Depp verwandelt haben soll, wenn er betrunken oder high war, sprach Rottenborn ausgiebig. Der Hollywood-Star sei unkontrollierbar, eifersüchtig und gewalttätig geworden und habe dies auch vor etlichen Menschen - darunter dem Produzenten Stephen Deuters, dem Sänger Elton John, seinem Arzt Doktor Kipper - in Nachrichten zugegeben, erinnerte Rottenborn die Geschworenen. Als Beweis spielte er das Video ab, in dem Depp im betrunkenen Zustand Küchenschränke kaputtschlägt. Auch dies sei häusliche Gewalt, sagte er. Was Depp nun mit seiner Ex mache, sei "Opferbeschuldigung der widerlichsten Sorte".

Dass der Schauspieler vor Wut die Kleiderständer seiner Ex durch das Penthouse geworfen habe, sei ebenfalls eine Art von Missbrauch, sagte der Anwalt. Zuvor hatte er die Geschworenen erinnert: "Wenn er sie einmal missbraucht hat, gewinnt Amber." Depps Zeugen, die ausgesagt haben, keine Gewalt seitens des Schauspielers beobachtet zu haben, warf der Anwalt vor, "auf seiner Gehaltsliste" zu stehen und Dinge zu erfinden, um auf Depps "guter Seite" zu stehen. Er beschuldigte Depp zudem, seine Ex-Frau zu unrecht der häuslichen Gewalt beschuldigt zu haben. Fotos könnten beweisen, dass die Verletzungen in seinem Gesicht schon vor den vermeintlichen Vorfällen sichtbar gewesen seien.

Keine Grundlage für Verleumdungsklage?

Des Weiteren wiederholte Rottenborn Heards Behauptung, dass der "Washington Post"-Kommentar nicht von Depp gehandelt habe. So habe sie in dem Text unter anderem geschrieben, bereits im Teenageralter missbraucht worden zu sein. Es gebe deshalb keine Grundlage für seine Verleumdungsklage. Zu dem Vorwurf von Depps Verteidigung, Heard habe sich ihre Verletzungen nur aufgemalt, sagte Heard Verteidiger: "Wenn dies ein Schwindel wäre, meine Damen und Herren, hätte sie schlimmere Verletzungen als das. Sie hätte es extremer gemacht." Dass Depp "alles verloren" habe, sei das Ergebnis seiner eigenen Entscheidungen und nicht Heards Schuld. "Stehen Sie für die Meinungsfreiheit ein. Stehen Sie für den ersten Zusatzartikel ein", appellierte er an die Geschworenen. Bei diesem Prozess gehe es um "so viel mehr als Johnny Depp gegen Amber Heard". Heards Verteidigerin Elaine Bredehoft fügte hinzu: "Wir bitten Sie, diesen Mann endlich zur Verantwortung zu ziehen."

Die Geschworenen beginnen ab sofort mit ihren Beratungen. Durch den US-Feiertag Memorial Day am kommenden Montag haben sie ein langes Wochenende frei, bevor sie die Gespräche am 31. Mai wieder aufnehmen. Johnny Depp verklagt Amber Heard wegen ihres Kommentars in der "Washington Post" auf 50 Millionen Dollar. Darin behauptete sie, Opfer von häuslicher Gewalt zu sein. Ihren Ex-Mann hat sie nicht namentlich erwähnt, Depp behauptet aber, der Beitrag habe dennoch seine Karriere ruiniert, seinen Ruf beschädigt und dadurch viel Geld gekostet. Heard reichte eine Gegenklage gegen Depp in Höhe von 100 Millionen Dollar ein. Sie wirft ihm und seinem Scheidungsanwalt Adam Waldman vor, sie als Lügnerin diffamiert und damit ebenfalls ihrer Karriere geschadet zu haben.

Depp und Heard begannen ihre Beziehung Ende 2011. Kennengelernt hatten sie sich zuvor am Set von "The Rum Diary". 2015 heirateten die Hollywoodstars, die Ehe hielt aber nur 15 Monate. Einen Verleumdungsprozess gegen die Zeitung "The Sun" in Großbritannien hat der Schauspieler 2020 verloren. Das Blatt hatte Depp in einem Artikel als "Ehefrauenschläger" bezeichnet. Depp weist alle Anschuldigungen der häuslichen Gewalt zurück.

Quelle: ntv.de

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