Unterhaltung

Zum Tod von Götz George Er war so viel mehr als Schimanski

59c2be8dac328f8abfb51ff906d0af09.jpg

Mach's gut!

(Foto: imago stock&people)

Götz George ist tot. Wer ist schuld? Gibt es nicht irgendwo einen, den wir für die vielen von uns Gegangenen in diesem Jahr verantwortlich machen können? 2016 schlägt unerbittlich zu und nimmt uns die Besten. Das muss aufhören!

Was ist los, 2016? Mit dem falschen Fuß aufgestanden? Zu viel Alkohol? Kein Sex? Wieder keine Gehaltserhöhung in Sicht? Drehen die Kinder am Rad? Vor lauter Verzweiflung googele ich "Sternenkonstellation 2016" und erfahre, dass dieses Jahr unter der Regentschaft des Mars steht. Der rote Planet steht für Lebensfreude, Mut, Willenskraft und Licht. Kein Hinweis darauf, dass es so viele Menschen, die meisten wirklich zu früh, dahinraffen wird. Fast hat man Angst, morgens aufzustehen und die Nachrichten zu hören, lesen, sehen. Und vor dem Schlafengehen sollte man eh nicht mehr auf sein Handy gucken. Ständig passiert was. Meist nichts Gutes.

imago67361326h.jpg

Als die beige-graue Allwetterjacke zur Schimmi-Kutte wurde ...

(Foto: imago/United Archives)

Jetzt also die Nachricht, dass Götz George gestorben ist, ein Mann, der meines Erachtens mitten im Leben stand, der so aussah, als strotzte er vor Energie, als sei er durch nichts zu erschüttern. Wenn man ihn sah - schon eine Weile nicht mehr im Fernsehen leider - zum Beispiel auf einem Flughafen oder auf seiner geliebten Insel Sardinien, dann stand da ein Mann, der den Schalk in den Augen hatte, der sein Haare garantiert nicht färbte und der vor allem so viel mehr war als der "Tatort"-Kommissar, von dem einige sagen, er sei der Beste gewesen: Schimanski. Götz George als "Schimmi" war allerdings einer der wenigen, der beigefarbene Allwetterjacken mit 1000 Taschen tragen konnte - plus Schnauzbart - und der trotzdem einen gewissen Sexappeal verströmte. Viele Frauen hätten sich gern mal von ihm verhaften lassen.

Seine ganze Bandbreite aber zeigte der in einer Schauspielerfamilie Geborene (seine Eltern: Berta Drews und Heinrich George) außerhalb von "Tatort" und "Schimanski". Begann er noch mit kleinen Rollen in "Wenn der weiße Flieder wieder blüht" (1953) an der Seite von Romy Schneider, so brillierte er in Hauptrollen von "Schtonk" über "Der Totmacher" hin zu "Rossini" und "Solo für Klarinette". George konnte in seinen Rollen witzig sein, ernst, brutal, er war gut an der Waffe und im Bett, er war irrwitzig, wahnsinnig, zärtlich, laut und sanft.

21eee22aa0a36415ffa8cae38bbc8fd3.jpg

Mit Marika Ullrich beim Deutschen Fernsehpreis (2007)

(Foto: dpa)

Aber: Nach einer nicht näher benannten "kurzen Krankheit" ist der Charakterdarsteller bereits am 19. Juni verstorben. Seine zweite Ehefrau, die Hamburger Journalistin Marika Ullrich, und seine Tochter Tanja aus erster Ehe, sollen bei ihm gewesen sein. Wie die "Bild"-Zeitung meldet, soll der Schauspieler außerdem schon am vergangenen Mittwoch im engsten Familienkreis in seiner Wahlheimat Hamburg beigesetzt worden sein.

Carpe Diem!!

Ein paar Leute habe ich in meinem Leben bereits interviewt. Da freue ich mich meist drauf, bin oft froh hinterher und manchmal auch ein bisschen stolz. Meine liebsten Gesprächspartner waren so bekannte Menschen wie Anthony Kiedis, Joe Cocker, Zucchero, Smudo oder Udo Lindenberg, die aufregendsten solche wie Daniel Craig oder Sylvester Stallone, die enttäuschendsten Harrison Ford und Tommy Lee Jones, und die überraschendsten meist die, die man nicht so auf dem Schirm hat, junge Regisseurinnen wie Marion Ade ("Toni Erdmann") oder Anne Zohra Berrached ("24 Stunden"), Sängerinnen wie Andra Day, Modemacher wie Marcel Ostertag.

imago62640966h (1).jpg

Götz George wurde 2014 ausgezeichnet mit dem Großen Verdienstkreuz, hier im Gespräch mit First Lady Daniela Schadt.

(Foto: imago/Sven Simon)

Ein paar hatte ich noch "auf dem Zettel" und ich dachte mir: "Beim nächsten Album, da werde ich Prince oder David Bowie schon sprechen können, bei der nächsten Gelegenheit Roger Willemsen fragen können, wie seine Traumfrau und seine Traumsendung denn nun auszusehen haben, und auch Roger Cicero wird mir bestimmt wieder Rede und Antwort stehen. Und wenn Götz George dann mal altersmilder wird, dann krieg' ich den bestimmt auch noch."

George selbst hatte vor wenigen Jahren schließlich noch gesagt, dass er als  Schauspieler verpflichtet sei, immer weiterzumachen: "Es wäre völlig falsch, zu sagen 'Ich bin in Rente'. Dann wird's fadenscheinig. Nein, das ist ein ideeller Beruf. Das macht Spaß und das hält einen am Leben. Das ist wunderbar und großartig." Vor zwei Jahren erklärte Götz George dann aber doch, sich zurückziehen zu wollen: "Ich möchte gerne nach 65 arbeitsreichen Jahren Feierabend machen. Auf der Bühne, wie es bei Schauspielern immer heißt, will ich sicher nicht sterben", so der Schauspieler im Jahr 2014 im Interview mit der "WAZ". 2015 stand er zum letzten Mal vor der Kamera - wann der Krimi "Böse Wetter" zu sehen sein wird, ist noch nicht bekannt.

Ich hätte gern von ihm gewusst, wie er es tatsächlich durchhält, ohne Handy und Telefon zu überleben (zumindest, wenn er auf Sardinien war, so hieß es), ob er nicht eventuell doch Memoiren schreiben wollte und ob er so manchen Männern von heute nicht ein paar Tipps geben könnte, wie man es schafft, so ein richtiger Mann-Mann zu sein. Das geht nun nicht mehr, das ist doch mies! Götz George, der wie kaum ein anderer deutscher Schauspieler bedacht auf sein Privatleben war, war sicher kein leichter Gesprächspartner für Journalisten, aber versucht hätte ich es gerne. Wirklich zu gerne!

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema