Unterhaltung

Dortmunder Knast-"Tatort" Fabers Freund, der Kindermörder

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Faber (Jörg Hartmann, r.) und sein Team ermitteln im Knast.

(Foto: WDR/Thomas Kost)

In einem Dortmunder Gefängnis stirbt ein Häftling an Tollwut. Fast zeitgleich schickt ein alter Bekannter Fabers dem Amok-Ermittler verstörende Post aus ebenjenem Knast. Wie gut ist der Dortmunder "Tatort" nach fast einem Jahr Pause?

Fast ein Jahr ist vergangen, seitdem der letzte Dortmund-"Tatort" mit einer gewaltigen Explosion endete: Islamisten waren mit einem Transporter in eine Menge gefahren, Dutzende starben. Es war, wenn man so möchte, das große Finale der ersten Dortmund-Staffel, deren zehn Folgen zwar über mehrere Jahre verteilt liefen, aber so horizontal erzählt waren wie sonst kein Krimi im deutschen Fernsehen. Am Erzählprinzip will man in Dortmund auch in "Staffel 2" nichts ändern - aber wie macht man nach der alles verschlingenden Explosion jetzt am besten weiter?

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Markus Graf (Florian Bartholomäi) ist immer noch kein besonders angenehmer Zeitgenosse.

(Foto: WDR/Thomas Kost)

Mit einem alten Bekannten: Markus Graf (Florian Bartholomäi), verurteilter Kinderschänder und der mutmaßliche Mörder der Angehörigen von Amok-Ermittler Faber (Jörg Hartmann) wird in eine neue Haftanstalt verlegt. Von dort aus schickt er Faber verstörende Post, während zeitgleich ein Mithäftling an Tollwut stirbt und ein guter alter Bekannter Fabers mit der tödlichen Krankheit infiziert wird. Während Fabers Kolleginnen Dalay (Aylin Tezel) und Bönisch (Anna Schudt) in alle möglichen Richtungen ermitteln, glaubt Faber nicht an einen Zufall - und versucht fast schon krankhaft, Graf mit den neuen Morden in Verbindung zu bringen. Neue Reibungen im eh schon angeschlagenen Team sind vorprogrammiert.

Eine unheilige Verbindung

Faber-Erschaffer Jürgen Werner hat auch das Drehbuch zum neuesten Fall geschrieben, das merkt man sofort: "Tollwut" knüpft perfekt an die vergangenen Fälle an und erzeugt von der ersten Minute an die für Dortmund so typische Sogwirkung. Die diversen Plotwendungen sind wie immer enorm gewagt, funktionieren aber wegen der geschliffenen Dialoge und des eingespielten Teams ganz hervorragend. "Sind Sie mies drauf oder sind das schon Symptome?", will Faber einen zum langsamen Tod durch Tollwut verurteilten Mediziner aus der Reserve locken, den er ziemlich anmaßend als Freund bezeichnet. Bei jedem anderen Ermittler würde so ein Satz gewollt klingen, Faber nimmt man sein Verhalten dagegen locker ab.

Das stärkste Pfund des Dortmunder "Tatorts" ist seit jeher die sonst mittlerweile zu recht geächtete Verstrickung von Ermittlungsarbeit und Privatleben der Ermittler. Bei Faber und seinen Kollegen wirkte das nie aufgesetzt, und das ändert sich auch in "Tollwut" nicht: Nach Kossiks Weggang ist das Team zwar nur noch zu dritt, dafür hasst Dalay Faber jetzt doppelt, während Bönisch versucht, irgendwie zwischen beiden zu vermitteln. Noch intensiver als die Ermittler untereinander sind allerdings Faber und Graf miteinander verbandelt: Den Ermittler und den Kindermörder verbindet eine unheilige Beziehung irgendwo zwischen Nemesis und dunkler Partnerschaft - die beiden kennen und verstehen sich besser als so manches Ehepaar und scheinen bisweilen gar nicht ohne einander zu können. Oder wie Dalay zu Faber sagt: "Sie haben keine Freunde, Sie haben nur Graf."

Und der, soviel dürfen wir an dieser Stelle verraten, wird dem Ermittler wohl noch eine Weile erhalten bleiben - dank einem Twist zum Ende von "Tollwut", der sich gewaschen hat. Wir freuen uns jedenfalls jetzt schon auf die nächsten zehn Folgen aus Dortmund.

Quelle: ntv.de