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Corona, Krise, Kunst Fünf Fragen an Modedesigner Kilian Kerner

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Auf der letzten Mercedes Benz Fashion Show im Januar 2020: Kilian Kerner mit seinen Models.

(Foto: dpa)

Musiker, Schauspieler, Designer, Freischaffende, Künstler, Journalisten, Minijobber - so viele sind davon betroffen, momentan nicht arbeiten und somit auch kein Geld verdienen zu können. ntv.de befragt einige von ihnen nach ihrer Situation, wie sie über die Runden kommen und wie sie sich die Zukunft vorstellen. Wir beginnen mit Kilian Kerner: Der Designer hat noch auf der letzten Fashion Week in Berlin eine fulminante und hoch gelobte Kollektion auf den Laufsteg gezaubert, da bricht ihm ein paar Wochen später nun sein System zusammen: Sponsoren springen ab, Stoff kann nicht geliefert werden, eine Laufsteg-Show im Sommer steht in den Sternen. Mit ntv.de unterhält er sich über die Krise, aber auch über die Chancen. Und Angela Merkel.

ntv.de: Wie ist deine Situation momentan?

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Kerner versteht nicht, dass bereits jetzt gefordert wird, die Ausgangssituation zu lockern: "Meiner Meinung nach wäre das ein Fehler und zu früh."

(Foto: imago/Future Image)

Kilian Kerner: Schwierig, wie natürlich bei den meisten Menschen auch. Gesundheitlich geht es mir gut, ich bin allerdings auch schon vier Wochen zu Hause, da ich Ende Februar angefangen habe, an meiner neuen Kollektion zu arbeiten. Da schließe ich mich sowieso immer zwei Wochen ein. Als die Situation sich dann zugespitzt hat, bin ich auch direkt weiter zu Hause geblieben. Wirtschaftlich ist die Situation allerdings extrem angespannt. Das Jahr hatte für mich wahnsinnig erfolgreich angefangen und es standen einige Designdeals und Kooperationen an. Es ist innerhalb der letzten zehn Tage alles abgesagt worden. Einige Partner haben sich auch einfach gar nicht mehr gemeldet. Das bringt mich in eine schwierige Situation, da ich ja auch trotzdem meine Arbeit an der neuen Kollektion fortsetzen muss. Natürlich auch in der Hoffnung, dass sich schnellstmöglich die Dinge wieder verändern.

Findest du, dass Deutschland sich gerade richtig verhält in Bezug auf "Social Distancing" und alle Einschränkungen, die damit verbunden sind?

Ich bin da hin- und hergerissen. In der Vielzahl der Menschen natürlich ja. Allerdings sehe ich beim Einkaufen immer wieder Leute, die sich nicht bemühen, den Abstand zu halten. Mir fällt es gerade bei älteren Leuten, die zur höchsten Risikogruppe gehören, auf. Vorhin saß eine Gruppe von vier Leuten zusammen auf einer Bank und unterhielt sich. Keiner war sicher jünger als 70. Das irritiert mich. Oder dass eine WG Fotos postet, zu fünft am Tisch beim Frühstücken, "weil man ja seine Partner treffen muss". Nein, sicher nicht so. Ich glaube, da hat man wirklich etwas nicht verstanden. Nervig finde auch Aussagen wie: "Ich vermisse meine Freunde!" Ja du meine Güte, es ist nicht leicht, kaum soziale Kontakte zu haben, und es ist für alle nicht leicht, seine Liebsten nicht zu sehen.

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Mit Emma Dragunova, Jella Haase und Jannik Schümann.

(Foto: imago images / Future Image)

Es geht aber gerade um mehr als darum, mit 'ner Freundin in der Bar zu sitzen. Es geht um Menschenleben und Existenzen. Da sollte uns dieser Verzicht doch bitte möglich sein. Wir tun das ja schließlich für uns selbst und für die Welt, dafür, dass wir schnellstmöglich wieder in ein "normales Leben" zurückkehren können. Ich verstehe auch nicht, dass bereits jetzt gefordert wird, die Situation zu lockern. Meiner Meinung nach wäre das ein Fehler und zu früh. Ich hoffe natürlich auch, dass wir Ende April wieder "raus" können und sich alles beruhigt hat. Wir müssen positiv bleiben. Jetzt mehr denn je. Und vor allem müssen wir zusammenhalten!

Findest du, dass das Maßnahmenpaket, das die Bundesregierung für Künstler und Freie, Firmen und den Mittelstand entworfen hat, ausreicht?

Na ja, erst mal danke und toll, dass es überhaupt eine Unterstützung gibt. Ob jetzt 5000 Euro lange dazu beitragen, dass sich viele Selbstständige über Wasser halten, weiß ich nicht. Schwierig. Ich finde die Kommunikation gerade auch noch etwas undurchschaubar, man liest doch viele unterschiedliche Informationen. Mal heißt es für drei Monate, dann für sechs!

Wie wirst du über die Runden kommen?

Wir müssen da jetzt alle erst mal abwarten und hoffen und beten, dass wir das alles schnell in den Griff kriegen. Sonst kann und wird es sicher für viele noch düsterer aussehen als jetzt. Mich inbegriffen. Deshalb plädiere ich dafür, dass wir uns jetzt alle an jede Vorgabe halten, und zwar so streng wie möglich.

Was sind deine Hoffnungen für die Zukunft - glaubst du, die Welt wird "nach Corona" anders aussehen - werden wir bessere Menschen sein?

Ja, na klar hoffe ich das. Aber der Mensch vergisst auch schnell wieder. Ich wünsche mir als erstes, dass wir das alle einigermaßen heil überstehen und gestärkt wieder zurückkommen. Wir Menschen sind aufeinander angewiesen. Das zeigt uns diese Krise jetzt ganz deutlich. Wir brauchen uns, und das sollten wir alle nicht vergessen. Ich möchte mich auf diesem Weg übrigens bedanken, bei allen die da draußen gerade helfen, und Höchstleistungen vollbringen. Auch Angela Merkel - ich bin sehr froh und dankbar, dass es diese Frau gibt. Ich finde, dass sie gerade jetzt wieder eines bewiesen hat: Dass sie es kann!

Mit Kilian Kerner sprach Sabine Oelmann.

Quelle: ntv.de