VIP VIP, Hurra!George trägt Frack, Harry trägt es mit Fassung
Die Promikolumne von Verena Maria Dittrich
Prinz George lernt in Eton, was ein künftiger König wissen muss. Harry und Meghan lernen, was "Privatpersonen" bedeutet, und die Carpendales sind getrennt - allerdings nur "gerade". Die Promikolumne diese Woche - auch über einen Beziehungsstatus mit reichlich Auslegungsspielraum.
Ich grüße Sie, lieber Leser! Auch wenn es die letzten Tage hier und dort noch mal warm war, kann man nicht leugnen, dass sich in unserem Land langsam der Herbst ankündigt. Im Supermarkt stehen bereits die ersten Spekulatius und gefüllten Schokoladenherzen im Regal. Ich weiß nicht, wie Sie es sehen, aber ich fand diesen Sommer nervig. Ja, es wurden Temperaturrekorde gebrochen, aber wenn es montags 36 Grad sind und dienstags 18, kann das einem schon gehörig auf den Senkel gehen. Aber wir meckern hier nicht, wir stellen lediglich fest: Auf das Wetter ist kein Verlass mehr. Auf die Promikolumne schon.
Passend zum kühleren Wetter springen wir direkt nach England, dem Land, in dem es, zumindest wenn man dem Kino und dem TV glaubt, permanent regnet. Wir sind wieder bei den Royals, die sich die Bildung ihres Nachwuchses selbstredend was kosten lassen. Für schlappe 73.000 Euro im Jahr darf man vermutlich erwarten, dass ein Kind nach der Schule nicht mit der Mitteilung nach Hause kommt, morgen falle die sechste Stunde wegen Lehrermangels aus. Wobei Prinz George, der seit dieser Woche das Eton College besucht und dort unter anderem lernen wird, was ein zukünftiger König wissen muss, möglicherweise ohnehin selten nach Hause kommt, jedenfalls nicht unmittelbar nach Schulschluss! Denn Eton ist, wie wir alle wissen, ein Elite-Internat, und zwar eines jener Internate, bei denen schon die Schuluniform aussieht, als sei ihr Träger auf dem Weg, einen wichtigen Staatsvertrag zu unterzeichnen.
William und Kate begleiteten ihren ältesten Sohn persönlich nach Eton. Dabei nieselte es, was auf den Bildern so vollkommen britisch aussieht und Schulleiter Simon Henderson begrüßte den künftigen König mit den Worten: "Willkommen, viel Glück und viel Freude." Man könnte sich für einen ersten Schultag kaum mehr wünschen, außer vielleicht, dass einem die Eltern beim Abschied nicht noch vor der gesamten Weltpresse den Kragen richten.
Eton hat einiges zu bieten, darunter hervorragende Sportanlagen und eine Absolventenliste, bei deren Lektüre man irgendwann den Verdacht bekommt, die britische Geschichte sei über weite Strecken von einer einzigen Schule organisiert worden. Viele Premierminister waren dort, darunter Boris Johnson und David Cameron, außerdem George Orwell, Ian Fleming, Prinz William und Prinz Harry. Und allein die Tatsache, dass Orwell und Johnson dieselbe Schule besucht haben, spricht möglicherweise stärker für die Bandbreite dieses Bildungssystems als jede Hochglanzbroschüre.
Dass Prinz George nun ausgerechnet dort gelandet ist, wo auch sein Vater William und sein Onkel Harry zur Schule gingen, besitzt allerdings eine gewisse unfreiwillige Komik. Denn während der eine seinen Sohn gerade in jene Institution bringt, die seit Jahrhunderten den britischen Nachwuchs der oberen Etagen darauf vorbereitet, eines Tages Verantwortung für das Land oder wenigstens eine sehr große Firma zu übernehmen, beschäftigt sich der andere noch immer mit der Frage, was genau von seiner früheren Rolle übrig geblieben ist, nachdem er sie vor sechs Jahren freiwillig abgegeben hat.
Und damit wären wir, ohne dass wir uns besonders anstrengen mussten, schon bei Harry und Meghan, den in Ungnade gefallenen (zumindest was die Arbeit im Hause Windsor betrifft) Ex-Royals.
Privat, aber bitte mit Polizei!
König Charles III. hat nämlich in dieser Woche schriftlich festhalten lassen, dass sein jüngerer Sohn und dessen Ehefrau keine arbeitenden Mitglieder der königlichen Familie mehr sind, sondern Privatpersonen, was insofern überhaupt keine Knaller-Nachricht ist, als Harry und Meghan bereits 2020 aufgehört haben, arbeitende Royals zu sein. Ihre Arbeit bestand seither eher daraus, über die Folgen dieses Rückzugs zu sprechen. Man könnte also sagen, die Sache war bekannt.
Im britischen Königshaus gilt eine Sache allerdings offenbar erst dann als wirklich geklärt, wenn jemand mit einem Titel, dessen genaue Funktion außerhalb des Palastes kaum einer kennt, einen Brief darüber geschrieben hat. In diesem Fall war es der Lord Chamberlain, der Harrys Team, Regierungsstellen und Militärvertreter im Namen des Königs darüber informierte, dass die Sussexes künftig wie "Privatpersonen mit geschäftlichen und gemeinnützigen Interessen" zu behandeln seien. Ihre Anreden als Königliche Hoheiten bleiben ausgesetzt.
Harry und Meghan waren nach Angaben ihres Sprechers "ein wenig überrascht", davon nicht vorher gewusst zu haben, während aus Palastkreisen wiederum zu hören war, sie hätten vor der Veröffentlichung sehr wohl eine Kopie erhalten. Wer die vergangenen Jahre aufmerksam verfolgt hat, erkennt das Verfahren: Eine Seite erklärt, wie etwas gewesen sei, die andere erklärt, dass es keinesfalls so gewesen sei, anschließend melden sich Freunde, Sprecher und Palastquellen, bis schließlich niemand mehr weiß, worum es ursprünglich ging, aber alle Beteiligten sehr enttäuscht voneinander sind. Hahaa, etwa so wie aktuell im Deutschen Bundestag.
Interessanter als die Frage, wer welchen Brief wann bekommen hat, ist ohnehin der Zeitpunkt, denn kurz darauf sollte sich ausgerechnet jenes Komitee des Innenministeriums mit Harrys Sicherheitsstatus befassen, das darüber entscheidet, ob und in welchem Umfang ihm staatlich finanzierter Polizeischutz zusteht. Harry und Meghan sollen sich für einen Rund-um-die-Uhr-Schutz einsetzen, womit der Begriff "Privatperson" eine sehr britische Erweiterung erfährt: privat, geschäftlich unabhängig und vom Königshaus getrennt, aber nach Möglichkeit rund um die Uhr von Beamten des Staates bewacht. Es gibt Trennungen, bei denen die Frage, wer künftig die gemeinsame sündhaft teure Espressomaschine bekommt, offenbar leichter zu beantworten ist.
Das wissen spätestens seit dieser Woche möglicherweise auch Annemarie und Wayne Carpendale, wobei man fairerweise sagen muss, dass bei ihnen bislang weder Lord Chamberlain noch ein Innenministerium eingeschaltet werden musste, obwohl auch hier der Beziehungsstatus einer gewissen Auslegung bedarf. Die beiden haben überraschend mitgeteilt, bereits seit Anfang des Jahres kein Paar mehr zu sein; sie leben aber weiterhin gemeinsam in ihrem Münchner Haus, tragen ihre Eheringe und bezeichnen sich als ziemlich gutes Team.
Doch auch über die Trennung selbst wird jetzt schon wieder heiß diskutiert und zwar wegen eines einzigen Wortes. Wayne beendet seine Erklärung mit dem Satz: "Wir sind nicht mehr zusammen." Annemarie sagt dagegen: "Wir sind gerade nicht zusammen."
Ich weiß nicht, lieber Leser, wie Ihre Beziehungsgeschichte aussieht, aber zwischen "nicht mehr" und "gerade nicht" liegen unter Umständen mehrere Paartherapien, zwei Weihnachtsfeste und ein überraschendes Wochenende auf Mallorca. Vielleicht liegt darin aber auch überhaupt nichts, vielleicht hat Annemarie es einfach anders und netter formuliert. Oder aber werden wir allmählich alle ein bisschen verrückt, weil Promis inzwischen jede Veränderung ihres Privatlebens in Statements bekannt geben, die anschließend auseinandergenommen werden wie Dramen von Shakespeare im Eton College?
Die prominenten Freunde jedenfalls reagierten ausgesprochen freundlich. Herzen kamen unter anderem von Sharon Battiste, Marlene Lufen und Bettina Zimmermann. Der Komiker Faisal Kawusi schrieb: "Schade, dass ihr Süßen kein Paar mehr seid, aber wunderschön, wie ihr das nach außen tragt. Find' ich toll." Und dann meldete sich noch Claudia Carpendale, Waynes Mutter, allerdings nicht unter dem Beitrag ihres Sohnes, sondern bei Annemarie, und schrieb: "Toll, wie ihr das macht."
Also, wenn nach dem Ende einer Ehe sogar die Schwiegermutter öffentlich die Schwiegertochter lobt, ist tatsächlich etwas Vernünftiges gelungen.
Bis dahin gilt also: Die Carpendales sind getrennt und wohnen zusammen, Harry und Meghan sind Royals und Privatpersonen, und Prinz George trägt mit 13 Frack und Nadelstreifenhose in der Schule. Wenigstens einer, der morgens genau weiß, was er anziehen soll. Bis nächste Woche!