Erst Sex, dann KennenlernenIn "Maison Tabou" ist der One-Night-Stand Programm

Kuppel-Shows gibt es im Fernsehen schon genug? Aber keine wie diese. "Maison Tabou" stellt das Prinzip des Dating-Formats auf den Kopf. Wer an der Sendung teilnimmt, geht mit einem unbekannten Gegenüber direkt zur Sache. Wird dieses TV-Experiment bei RTLZWEI funktionieren?
Erotik im Fernsehen ist ein schwieriges Geschäft. RTL+ und RTLZWEI versuchen nun etwas Neues in diesem Bereich, indem sie den Fokus auf Sexualität setzen statt aufs Kennenlernen per Gespräch. Dabei wird aber nicht zu viel gezeigt, denn das wäre im Fernsehen aus Jugendschutzgründen tabu.
"Maison Tabou" heißt das Format, das wohl eines der gewagtesten TV-Experimente seit Langem ist. Bei RTLZWEI feiert die Sendung am Mittwochabend um 23.35 Uhr ihre Free-TV-Premiere. Auf RTL+ sind die Folgen stets sieben Tage vorab zu sehen - dort stehen also bereits die ersten beiden Episoden zum Abruf bereit. "Maison Tabou" entsteht auch in Zusammenarbeit mit einer Erotikmarke, die Merchandise und Sextoys dazu anbietet.
Im Mittelpunkt steht die Frage, die sich wohl auch viele Zuschauerinnen und Zuschauer im echten Leben nach einem One-Night-Stand stellen oder stellen würden: Kann aus einer zunächst nur rein sexuellen Erfahrung, einer gemeinsamen Nacht, auch mehr werden? Oder wie die Macher es formulieren: "Kann zwischen zwei Menschen eine echte Verbindung entstehen, wenn Erwartungen und klassische Dating-Konventionen in den Hintergrund treten?"
Der Ablauf sieht so aus:
Anonymes Einchecken: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen in eine Art Hotel und legen beim Check-in Name und Alltagsidentität ab. Sie geben sich einen Fantasienamen und bekommen ein Zimmer.
Zur Tat schreiten: Nachdem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein wenig von sich erzählt und sich zurechtgemacht haben - mit Kostüm oder Fetischklamotten - geht es im weiteren Ablauf darum, mit jemand anderem zusammengeführt zu werden und körperliche Nähe zu suchen.
Die Enthüllung: Erst beim gemeinsamen Frühstück am folgenden Morgen fallen die Masken (manchmal sogar im Wortsinn) und die wahren Identitäten werden preisgegeben. Danach entscheiden die Paare, ob sie weiterhin miteinander zu tun haben möchten.
Über das Geschehen wacht die Off-Stimme von "Madame". Zu Gesicht bekommen die Singles und das TV-Publikum die geheimnisvolle Hausherrin aber nicht.
"Ich steh' auf Menschen"
In Folge eins ist etwa der muskulöse Brasilianer Ray dabei, der von sich sagt, er sei pansexuell, fühle sich weder heterosexuell noch schwul: "Ich steh' auf Menschen." Aurora erzählt hingegen, sie möge Sinnliches, "nicht dieses sinnlose Rumpoppen": "Ich brauche Sicherheit." Sie lässt sich mit Augenbinde von Noel, der auf eine gewisse Reife steht, wie er sagt ("Mit'm zwanzigjährigen Küken könnt' ich nix anfangen") unter anderem peitschen.
"Maison Tabou" nimmt den oft noch randständigen Sexpositiv-Trend im Mainstream-Medium Fernsehen auf. Es geht also darum, Scham zu überwinden, Einvernehmlichkeit herzustellen und unterschiedliche sexuelle Orientierungen zu respektieren. Sexualität wird als etwas Natürliches und Schönes verstanden, das frei von Schuldgefühlen oder Tabus ausgelebt werden darf.
Alle sexuellen Handlungen basieren auf dem jederzeit widerrufbaren Einverständnis aller Beteiligten. Viele Identitäten, Vorlieben (Kinks/Fetische) und Beziehungsformen werden gleichberechtigt akzeptiert.
Wie sexy das alles ist, muss jede Zuseherin und jeder Zuseher für sich selbst entscheiden. Auch ob ihr oder ihm das Gezeigte Lust auf mehr macht.
Mysteriös gibt sich RTLZWEI, was die Dauer des Formats angeht: "Die genaue Folgenanzahl geben wir derzeit noch nicht bekannt", sagt ein Sendersprecher. "Die Matches bei 'Maison Tabou' finden zunächst zwischen Mann und Frau statt. Im weiteren Verlauf können sich aus der Dynamik zwischen den Teilnehmenden jedoch auch unterschiedliche Konstellationen und Begegnungen ergeben, die über das klassische Match hinausgehen."