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"Mit großer Traurigkeit" John Galliano bläst Met-Ausstellung nach Kontroverse ab 

31.08.2026, 16:47 Uhr
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2023 gewährte John Galliano einem Kamerateam für die Doku "High & Low" Einblicke in seine Arbeitswelt - und sein Seelenleben. (Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Trotz Antisemitismus-Skandal soll John Galliano eine Ausstellung im Metropolitan Museum of Art gewidmet werden. Das löst heftige Diskussionen aus. Nun zieht der Designer selbst die Reißleine. 

2027 hätte John Gallianos Jahr werden können. Nicht nur, dass die alljährlich am ersten Montag im Mai stattfindende Met Gala in New York dem Designer gewidmet werden sollte, der 65-jährige Brite hätte zudem im Metropolitan Museum of Arts eine eigene Ausstellung über sein Lebenswerk bekommen sollen. Doch so genial John Galliano als Designer auch ist, so umstritten ist er als Mensch. 2010 beleidigte er in einem Pariser Café andere Gäste antisemitisch und rassistisch. Zwei Vorfälle sind dokumentiert, bei denen Galliano Anwesende als "dreckiges Judengesicht" beziehungsweise "beschissener asiatischer Mistkerl" beschimpfte. In einem Augenzeugen-Video ist zudem zu hören, wie er seine Liebe zu Adolf Hitler erklärte.

Ein Pariser Strafgericht verurteilte ihn 2011 zu einer Geldstrafe von 6000 Euro auf Bewährung. Galliano verlor seinen Job als Chefdesigner bei Christian Dior - und seinen guten Ruf. Er entschuldigte sich öffentlich und gab an, zum Zeitpunkt der Vorfälle alkohol- und drogenabhängig gewesen zu sein.

Als die ehemalige "Vogue"-Chefin Anna Wintour kürzlich verkündete, dass das Motto der Met Gala 2027 "John Galliano: Horizons" lauten und der Designer zudem mit einer dazugehörigen Ausstellung geehrt werden solle, war die Empörung vielerorts dennoch riesig. So schrieb etwa Julie Menin, Sprecherin des New Yorker Stadtrats, in einem offenen Brief an Wintour und das Museum gerichtet: "John Gallianos lange Geschichte von Antisemitismus, Rassismus und antiasiatischer Hetze ist zutiefst beunruhigend." In einer Zeit, in der die Stadt einen starken Anstieg von Hass erlebe, halte sie eine so prominente Ehrung für "völlig unangemessen". Museumsdirektor Max Hollein geriet unter Erklärungsdruck.

Nun nimmt ihm John Galliano selbst die Entscheidung ab, ob er eine solche Ausstellung verdient. In einem Beitrag auf seiner Instagram-Seite schreibt der Brite am Montag: "Nach reiflicher Überlegung und Gesprächen mit dem Metropolitan Museum und allen Beteiligten habe ich mit großer Traurigkeit beschlossen, dass es für die Ausstellung das Beste ist, sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht stattfinden zu lassen." Er übernehme weiterhin "die volle Verantwortung für den Schmerz, den meine Worte in der Vergangenheit verursacht haben, insbesondere für das Leid, das ich den jüdischen und asiatischen Gemeinschaften zugefügt habe". Es täte ihm "nach wie vor zutiefst leid".

Er habe verstanden, dass echte Wiedergutmachung nicht durch eine Ausstellung oder eine einzelne öffentliche Geste erreicht werde, sondern "eine fortwährende Verantwortung" sei, "die sich durch Zuhören, Lernen und das eigene Verhalten im Laufe der Zeit zeigt".

Galliano erklärt weiter, dass er dem Metropolitan Museum of Art und "insbesondere Max Hollein, Andrew Bolton und Anna Wintour" zutiefst dankbar für die "außerordentliche Ehre" sei: "Dass meine kreative Laufbahn von einer Institution gewürdigt wird, die ich mein ganzes Leben lang bewundert habe, hat mich tiefer bewegt, als ich es in Worte fassen kann." Er wolle auf keinen Fall, dass die Debatte um seine Person das Museum und alle Beteiligten in eine schwierige Position bringe. Er sei sich bewusst und respektiere, dass "eine Ausstellung zu Ehren meiner Arbeit für manche schmerzhaft wäre".

Sein tiefer Dank gelte all den Menschen, die "mich in diesen 15 Jahren der Abstinenz und Genesung von Alkoholismus und Sucht angeleitet, unterstützt und begleitet haben". Sie hätten ihm mit Weisheit, Geduld und Menschlichkeit ein Leben geschenkt, "das besser ist, als ich es mir jemals hätte erträumen können".

Anna Wintour lobt Gallianos Entscheidung

Max Hollein, Direktor und CEO des Metropolitan Museum of Art, erklärte gegenüber "Vogue": "Nach eingehenden Gesprächen mit zahlreichen Beteiligten und mit John Galliano haben wir gemeinsam beschlossen, die Ausstellung nicht durchzuführen."

Anna Wintour, ihres Zeichens Förderin und Fan von John Galliano, ergänzte: "Johns Entscheidung, das Museum zu bitten, die seinem Werk gewidmete Ausstellung zu verschieben, ist sehr mutig und zeugt von seinem Charakter. Ich halte dies für die richtige Entscheidung, und sowohl er als auch das Museum haben meine volle Unterstützung."

Informationen darüber, welche Frühjahrsausstellung die Galliano-Ausstellung ersetzt und welches Motto die Met Gala 2027 nun haben wird, werde es zu einem späteren Zeitpunkt geben, versprach "Vogue".

Quelle: ntv.de, csp

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