Unterhaltung

"Jeder Fehler kann tödlich sein" Karoline Herfurth als Action-Heldin

yaw-16900.jpg

Wollte schon immer mal mit Matthias Schweighöfer zusammenarbeiten: Karoline Herfurth.

(Foto: Amazon Video)

Wer zur Jahrtausendwende Teenie war, kennt sie aus "Mädchen, Mädchen", wer heute einer ist, aus den "Fack ju Göthe"-Filmen. Dazwischen und drumherum hat Karoline Herfurth aber schon in fast jedem Genre Zielgruppen aller Art für sich begeistern können. In der Serie "You Are Wanted" ist die 32-jährige Berlinerin nun in einer völlig neuen Rolle zu sehen: als Action-Heldin. n-tv.de erzählt sie, wie es sich anfühlt, mit Schusswaffe zu drehen, wieso sie gerade systematisch alte Kundenkonten löscht und inwiefern ihr Regie-Debüt ihren Blick auf die Schauspielerei verändert hat.

n-tv.de: Motorrad, Lederjacke, Sonnenbrille - ganz schön lässige Rolle, die du in "You Are Wanted" spielst!

Karoline Herfurth: Danke. Hat auch echt Spaß gemacht! Und das erste Mal, dass ich mit einer Waffe gespielt habe!

Konntest du damit schon vor den Dreharbeiten umgehen?

Nö, ich kann gar nicht schießen. Ich habe extra Schießunterricht genommen, weil ich nicht wollte, dass es bescheuert aussieht. Der Körper verändert sich, wenn man jemandem mit durchgeladener Waffe in der Hand gegenübersteht. Jeder Fehler könnte tödlich enden. Das ist ein krasses Gefühl.

Wird einem da nicht auch ein bisschen mulmig zumute?

yaw_herfurth_gs_52822.jpg

Mit Waffe - ein krasses Gefühl.

(Foto: Amazon Video)

In dem professionellen und spielerischen Rahmen hat es mir Spaß gemacht. Grundsätzlich finde ich es eher unheimlich. Ich habe zum Beispiel gelernt, dass alle Sicherheitsbeamten eine durchgeladene Waffe dabeihaben. Das heißt, die können alle einfach schießen. Das war mir so gar nicht bewusst.

Und wie sieht's aus mit dem Motorradfahren? Hast du das auch gelernt?

Ich habe auf Facebook gerade ein ganz lustiges Video gepostet (sucht ihr Handy). Eigentlich wird die Szene von einer Stuntfrau gespielt. Halb in Fahrt springt Matthias' Double hinten auf ihr Motorrad auf und die beiden düsen los. Sieht megamäßig aus! In diesem Video hier sieht man, wie es aussieht, wenn die Schauspieler das machen (lacht). Besser als mit dem Video könnte man die Frage nicht beantworten.

Als du für die Rolle in "You Are Wanted" angefragt wurdest, warst du da sofort an Bord?

Ich fand es total spannend, mit Matthias zusammenzuarbeiten. Mit ihm habe ich vorher noch nie gedreht, wir kennen uns aber seit Jahren. Ich fand außerdem das Format Serie spannend. Das habe ich auch noch nicht gemacht. Das Genre, die Rolle - für mich war ziemlich schnell klar, dass ich dabei sein will.

Ein bisschen haben die Streaming-Dienste Serien vielleicht salonfähig gemacht. Vor ein paar Jahren wollten die meisten Schauspieler noch lieber beim Film als beim Fernsehen arbeiten. Mittlerweile sieht das anders aus.

*Datenschutz

Echt? Es gab doch schon immer ganz tolle Serien. Ich finde, "Friends" ist bis heute unerreicht! Über zehn Staffeln nie langweilig zu werden und gleichzeitig nie zu übertreiben - das habe ich anderswo noch nicht gesehen. "Modern Family" ist ein ziemlich würdiger Nachfolger.

Du bist also ein echter Serien-Fan?

Schon immer, ich liebe Serien! Es kommt natürlich aufs Format an und darauf, wer daran beteiligt ist. Aber es gibt total tolle Serien - und das schon sehr lange.

In "You Are Wanted" spielen Cyberkriminalität und Hackerangriffe eine wichtige Rolle. Die Themen treffen auch einen gewissen Zeitgeist. Beschäftigen sie dich privat?

Ich war da lange sehr naiv. Ich bin im Osten groß geworden. Bei uns waren immer alle Türen offen. Ich habe noch nie Angst gehabt, dass mir jemand etwas aus meiner Tasche klaut. Ich bin da echt ein bisschen blauäugig. Im Internet war das bis vor kurzem genauso. Ich habe überall meine Daten gelassen, wenn ich danach gefragt wurde. TANs habe ich natürlich nicht eingegeben, so doof bin ich auch nicht. Aber ich habe mir zum Beispiel wenig Gedanken darüber gemacht, wo ich überall ein Kundenkonto einrichte. Die Arbeit an der Serie hat mich umdenken lassen.

yaw-14584.jpg

Sie hat keine Cloud!

(Foto: Amazon Video)

Und was machst du jetzt anders?

Ich habe noch nie eine Cloud benutzt. Mittlerweile lasse ich Fotos aber auch weder auf meinem Handy noch auf meinem Computer. Ich speichere alles auf Festplatten. Das ist der einzige Ort, wo Daten sicher sind.

Es gab in jüngster Zeit immer mal wieder Ereignisse, die einen daran erinnert haben, dass man nicht vorsichtig genug sein kann - besonders wenn man einen gewissen Bekanntheitsgrad hat. Es müssen ja nicht mal Nacktfotos sein, es reicht schon ein Urlaubsschnappschuss.

Ja, genau. Ich war schon immer jemand, der sein Privatleben konsequent geschützt hat. Das muss man dann im Internet genauso machen. Ich bemühe mich gerade, meinen digitalen Fußabdruck etwas zu verkleinern, Kundenkonten zu löschen, die ich nicht mehr benutze, oder ab und zu mal Passwörter zu wechseln. Ich finde, das ist eine enorme Arbeit, wirklich Wahnsinn!

Und ganz sicher fühlt man sich am Ende trotzdem nicht.

Wenn einen jemand hacken will, kann der einen hacken. Was für mich übrigens auch nicht infrage käme, wären diese Smart Homes.

Gruselig! Dann macht einem jemand einfach die Jalousien dicht …

Genau! Im privaten Bereich finde ich es wichtig, technisch möglichst unabhängig und unangebunden zu leben. Früher hatte man eine Festnetznummer. Da wurde man angerufen, war zu erreichen oder eben nicht, vielleicht gab es einen Anrufbeantworter. Jetzt ist man permanent verbunden mit der gesamten Welt. Diese Verbindung muss man auch mal kappen.

Hast du dafür Strategien parat?

Ich versuche, mir gezielt Räume zu schaffen: Beim Abendbrotessen gibt es keine Handys. Handys kommen auch nicht mit ins Schlafzimmer - und wenn, dann im Flugmodus. Am Wochenende lasse ich mein Handy einfach liegen.

Empfiehlt sich vermutlich besonders, wenn man viel auf dem Zettel hat. Vor einer Weile hast du das erste Mal Regie geführt. Hat sich deine Arbeit als Schauspielerin nach deinem Film "SMS für dich" verändert?

Total! Als Schauspieler denkt man ja: Man spielt und dann ist das ein Film. Durch die Regiearbeit habe ich einen ganz anderen Blick für all die Facetten des Filmemachens bekommen: Kamera, Texte, Schauspieler, Kostüme, Motive, Schnitt, Musik - das ist plötzlich alles anders im Bewusstsein. Ich habe jetzt mehr Respekt vor der Arbeit. Als Schauspielerin ist es mir noch wichtiger, vorbereitet ans Set zu kommen und dort professionell zu funktionieren. So ein Filmapparat ist wie ein kleines Monster. Alles muss in einer bestimmten Zeit geschafft werden. Das kann ganz schön überwältigend sein. Deswegen ist es gut, wenn die einzelnen Zahnräder ineinandergreifen.

Wie macht man sich denn zum griffigsten Zahnrad des Regisseurs?

Ich finde es wichtig, dass man sich als Schauspieler dem Regisseur oder der Regisseurin in die Hände gibt. Er oder sie ist als Entscheidungsträger immer die letzte Instanz. Natürlich kämpfe ich für meine Figuren genauso, wie ich das immer gemacht habe. Aber ich möchte mich in die Vision begeben. Am besten überlegt man sich vorher genau, mit wem man zusammenarbeitet.

Mit Karoline Herfurth sprach Anna Meinecke.

"You Are Wanted" ist ab dem 17. März abrufbar über Amazon Video.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema