Sound-Check vor dem FinaleSo klingt der Eurovision Song Contest 2026 in Wien

Insgesamt 25 Musik-Acts reichen sich beim Finale des Eurovision Song Contests das Mikro in die Hand. Bei manchen kommt Party-Stimmung auf, andere setzen auf große Emotionen. Die ntv-Übersicht unterzieht die Startaufstellung einem letzten Sound-Check.
Ein bisschen Quatsch, ein bisschen Folklore, große Emotionen, schrille Kostüme und endlos poppige Beats: Das ist die typische Mischung des Eurovision Song Contests. Mit ihren Wettbewerbsbeiträgen präsentieren die Mitgliedsländer der Europäischen Rundfunkunion (EBU) einen Teil ihrer heimischen Kunst und Kultur in einem zeitgemäßen Gewand.
Tatsächlich ist der ESC bekannt für seine bunte Genre-Mischung: Zwischen Balladen, rockigen Klängen, Hip-Hop- und Elektronik-Beats mischen sich Folk- und Klassik-Anleihen, wie man es sonst auf internationaler Bühne selten hört. Doch nicht alle Beiträge schaffen es automatisch ins Finale. In zwei Vorentscheidungen wurde bereits ausgesiebt: Von insgesamt 30 Künstlerinnen und Künstlern stehen 20 am heutigen Samstag erneut auf der Bühne. Hinzu kommen das Gastgeberland Österreich und die sogenannten "Big Four" Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien, die als Finalteilnehmer feststehen.
Und wie klingt der ESC in diesem Jahr? Die nachfolgende Tabelle zeigt die Startaufstellung im Finale in der Übersicht. Die Reihenfolge wird größtenteils von der Show-Produktion festgelegt und nur teilweise dem Zufallslos überlassen. Mit einem Klick auf den Titel können Sie direkt reinhören.
Sarah Engels schon an zweiter Stelle
Den Anfang macht der Däne Søren Torpegaard Lund, der mit "Før Vi Går Hjem" (zu Deutsch: "Bevor wir nach Hause gehen") eine ekstatische Liebesnacht besingt. Schon an zweiter Stelle betritt die deutsche Kandidatin Sarah Engels die Bühne mit "Fire", einem energiegeladenen Song über Lügen und Betrug in einer Beziehung. Der dritte Auftritt ist für Israel reserviert. Noam Bettan singt zum Teil auf Französisch - und schon wieder geht es um eine toxische Liebesbeziehung, dieses Mal zu einem Mädchen namens "Michelle".
Nach all dem Herzschmerz setzt Essyla aus Belgien einen ersten frechen Beat-Akzent mit "Dancing on the Ice", eine Hymne auf selbstbewusste Weiblichkeit, die das Zeug zum Sommerhit hat. Auch der nächste Act sorgt für Kontraste, denn Alis aus Albanien wird von opulenten Chorgesängen begleitet. Die Ballade "Nân" handelt von Mutterliebe und Sehnsucht nach der Heimat.
Der Grieche Akylas wiederum singt nicht, sondern rappt in seiner Muttersprache über einen unersättlichen Hunger nach Erfolg und Statussymbolen. Der Beitrag fällt eher in die Kategorie Partyhit mit Unterhaltungspotenzial. Und das ist auch ganz gut so, denn im nächsten Beitrag wird es wieder ernst. Die Sängerin Leléka aus der Ukraine verarbeitet mit "Ridnym" das Trauma durch die russische Vollinvasion zu einer hoffnungsvollen Hymne für die Liebsten.
Es folgt die Songwriterin Delta Goodream, die am Klavier ein Hohelied auf die Liebe zum Besten gibt. Gesanglich ist "Eclipse" top; man darf gespannt sein, ob Australien dafür auch die Herzen des ESC-Publikums zufliegen.
Osteuropäisches Land als Anwärter auf den Sieg
Bei "Kraj Mene" ("Neben mir") von Lavina wird es gleich darauf düster, denn die besungene Liebe wird dem Text zufolge leider nicht erwidert. Serbien füllt mit diesem Auftritt die Heavy-Metal-Lücke aus - inklusive Kreisch- und Grunz-Anteilen im Gesang, Kajal um die Augen und Nieten am Gürtel. Auch das darf beim ESC nicht fehlen!
Aidan aus Malta trägt zwar auch Leder, geht stilistisch mit "Bella" aber eher in eine Chanson-Richtung. Das Lied handelt von einer flüchtigen, aber schönen Begegnung - und genauso fühlt es sich auch an. Ob der Auftritt trotzdem einen bleibenden Eindruck hinterlässt?
Weiter geht es mit Daniel Žižka aus Tschechien. "Crossroads" klingt dramatisch und tiefgründig. Die spannende Frage wird sein, wie der junge Künstler die Komplexität seines Songs auf die Bühne bringt. "Bangaranga" von Dara schafft es danach mit Sicherheit, die Stimmung wieder aufzulockern. Der Partyhit mit dem lautmalerischem Chorus lädt zum Tanzen ein und bringt Bulgarien als Anwärter auf den ESC-Titel ins Spiel - es wäre der erste Sieg für das osteuropäische Land.
Im kroatischen Beitrag gewinnen wieder mystische Klänge die Oberhand. "Andromeda" von Lelek handelt von Krieg, Gewalt und der Verfolgung christlicher Minderheiten im Osmanischen Reich. Gleich darauf geht es zurück in die Moderne und Look Mom No Computer aus Großbritannien singt "Eins, Zwei, Drei" zu selbstironischen 80er-Jahre-Synth-Pop-Klängen.
Feuriger Violinen-Techno aus Finnland
Monroe aus Frankreich knüpft als nächstes an den Erfolg des letztjährigen ESC-Gewinners an und vereint in "Regarde!" einen Pop-Song mit anspruchsvollem Operngesang. Man darf bestimmt auf eine theatralische Darbietung gespannt sein.
Der nächste Künstler Satoshi stellt dem Publikum in "Viva, Moldova!" seine Heimat Moldau mit krawalligen und augenzwinkernden Sprechgesängen vor. Vom musikalischen Wert mal abgesehen, ist das unbedingt sympathisch, unterhaltsam und bleibt garantiert im Gedächtnis. Auf diese Stimmungskanone folgt feuriger Violinen-Techno aus Finnland. "Liekinheitin" bedeutet nämlich wörtlich "Flammenwerfer" und das Duett von Linda Lampenius und Pete Parkkonen zählt mit zu den diesjährigen Favoriten.
Der nachfolgende gospelhafte Song "Pray" ist ein Beitrag aus Polen und wird der stimmgewaltigen Sängerin Alicja sehr gut gerecht. Danach unterstreicht Lion Ceccah aus Litauen mit seinem vielsprachigen Titel "Sólo Quiero Más" den internationalen Anspruch des ESC.
Schweden hat den Songcontest schon sieben Mal gewonnen. Schafft Felicia den achten Titel? "My System" hat jedenfalls alles, was es für einen ESC-Titel braucht: treibende Techno-Beats wie aus den Neunzigern und eine eingängige Melodie zum Mitsingen. In Zyperns Beitrag brechen wieder die traditionellen Elemente durch. In "Jalla" von Antigoni wird "Tsiftetéli" getanzt, ein sinnlicher Bauchtanz aus dem griechisch-türkischen Raum. Den englischen Text können aber alle mitsingen.
Sal Da Vinci aus Italien musste nicht um seine Teilnahme im Finale kämpfen. "Per Sempre Sí" hat den Platz trotzdem verdient, denn das ist Italo-Pop in Reinform und passt einfach ins Programm.
Zu "Ya Ya Ya" von Jonas Lovv aus Norwegen kommt Festival-Stimmung auf. Der Rock-Song erinnert mit seiner Basslinie an Klassiker von Gossip oder den Arctic Monkeys und geht richtig gut ab. Rockig geht’s gleich weiter. "Choke Me" heißt der Titel von Alexandra Căpitănescu aus Rumänien und ist ein bisschen düster, sexy und verrucht. So bringt man sich ins Gespräch. Aber gut singen kann sie auch!
Fachjury und Publikum bewerten
Gastgeber Österreich darf den Abschluss krönen und schreibt die Band Cosmó auf unseren "Tanzschein". Wie könnte man da nein sagen? Der Titel ist schräg, kreativ und passt gut zu Wien.
Die aufwendig inszenierten Auftritte werden von einer Fachjury und vom Publikum bewertet. Dabei gehen die Meinungen oft auseinander, zeigt die Erfahrung. Manche Titel haben durchaus Hit-Potenzial und werden im Radio gefeiert. Für die Jury zählen aber vor allem die Gesangsleistung der Künstlerinnen und Künstler sowie die musikalische Qualität des Beitrags.
Auch eine gelungene Performance auf der Bühne, Originalität und Einfallsreichtum werden meist belohnt. Doch übertreiben sollte man es damit nicht. Zwar haben provokante und clownhafte Auftritte in der Vergangenheit oft die Schlagzeilen zum ESC bestimmt und für Party-Stimmung beim Public Viewing gesorgt. Der musikalische Erfolg dieser Titel hielt sich aber stets in Grenzen.