Keine Mitschuld an seinem TodStaatsanwaltschaft lässt Anklage gegen Liam Paynes Freund fallen

Mehr als 18 Monate nach dem Tod von One-Direction-Star Liam Payne muss sein Freund Rogelio Nores keine juristischen Konsequenzen mehr fürchten. Gegen zwei mutmaßliche Drogenverkäufer wird allerdings aktuell weiter ermittelt.
Rogelio Luis "Roger" Nores muss sich im Fall Liam Payne nicht mehr vor Gericht verantworten. Die Richter in Buenos Aires haben die letzte Anklage gegen den argentinischen Geschäftsmann fallen gelassen, wie die "New York Post" unter Berufung auf Gerichtsakten berichtet. Damit trägt der 38-Jährige juristisch keine Verantwortung mehr für den Tod des One-Direction-Sängers im Oktober 2024.
Payne war im Luxushotel CasaSur Palermo in der argentinischen Hauptstadt von einem Balkon in den Tod gestürzt, nachdem er harte Drogen konsumiert hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte Nores vorgeworfen, in Buenos Aires als Gastgeber fungiert und damit auch die Ausgaben des Popsängers kontrolliert zu haben. Diese Sicht hielt vor Gericht nicht stand. Drei Richter des Berufungsgerichts bestätigten in einer am 9. Juni unterzeichneten Entscheidung das vorherige Urteil: Payne sei mit 31 Jahren ein Erwachsener gewesen, der frei entscheiden konnte, Drogen zu kaufen und zu konsumieren. Eine Verantwortung von Nores sahen sie nicht. Die Staatsanwaltschaft legte gegen diese Entscheidung keine Berufung ein.
Nores' Verteidiger Rafael Cúneo Libarona sieht den Fall für seinen Mandanten damit erledigt. "Es besteht keinerlei Chance, dass Nores wieder in den Fall einbezogen wird. Das Gericht hat in seinem Urteil, das ihn von jeglichem strafrechtlichen Fehlverhalten freisprach, klare Worte gefunden", erklärte Libarona gegenüber der "Washington Post. "Roger hatte niemals die Pflicht, sich um Payne zu kümmern, geschweige denn um dessen Suchtprobleme. Er war nicht Liams Bürge. Er war sein Freund, nicht sein Arzt, seine Krankenschwester oder sein Therapeut."
Der Weg bis zu dieser Entscheidung des Gerichts war lang. Nores war im November 2024, kurz nach Paynes tödlichem Sturz, wegen fahrlässiger Tötung angeklagt worden. Paynes Vater Geoff Payne trat dabei als wichtiger Zeuge gegen ihn auf. Die Anklage wurde im Februar 2025 fallen gelassen.
Kurz darauf wurde Nores wegen Drogenhandels angeklagt. Auslöser dafür war laut Gerichtsakten eine Nachricht auf Paynes Handy, in der dieser seinen Freund um "sechs Gramm" bat. Nores hatte auf diese Nachricht allerdings nie geantwortet. Die Richter des Kassationsgerichts lehnten den Antrag schließlich im vergangenen April ab, weil es keine Beweise dafür gab, dass Nores Payne zugesagt hat, die gewünschten Drogen zu besorgen.
Ein Antrag der Anklage, Paynes damalige Freundin Katy Cassidy, die ihn nach Argentinien begleitet, das Land allerdings vor seinem Tod verlassen hatte, als Zeugin zu seinem damaligen Zustand vorzuladen, wurde ebenfalls abgelehnt. Es fehle ein ausreichender Grund für eine Vorladung, erklärten die Richter im vergangenen Juni.
Zwei Angeklagte warten weiter
Offen bleibt das Verfahren gegen zwei Männer, denen vorgeworfen wird, Payne kurz vor seinem Tod Kokain verkauft zu haben. Der Kellner Braian Nahuel Paiz und der Hotelangestellte Ezequiel David Pereyra saßen mehr als ein Jahr in einem Bundesgefängnis, kamen im März allerdings frei.
Zu einem Prozess gegen die beiden Männer könnte es nie kommen. Laut der "New York Post" soll über einen Deal verhandelt werden. Sollte der Vergleich zustande kommen, könnte die Anklage auf die kostenlose Abgabe von Drogen herabgestuft werden, worauf eine Höchststrafe von sechs Monaten steht. Da Paiz und Pereyra bisher nicht vorbestraft sind, wäre die Strafe bereits durch die bereits verbüßte Haftzeit abgedeckt.
Eine Schlüsselrolle bei einem möglichen Deal kommt dabei Cheryl Cole zu. Paynes frühere Partnerin tritt in dem Verfahren als Nebenklägerin auf, im Namen des gemeinsamen Sohnes Bear, der neun Jahre alt ist. Nach Informationen der "New York Post" könnte sie bei einer solchen Absprache das letzte Wort haben.
Bislang haben ihre Anwälte weder gegen die Entscheidungen zugunsten von Nores noch gegen die zugunsten anderer Beschuldigter Einspruch erhoben. Laut Gerichtsunterlagen gehe es Cole allein darum, die Privatsphäre, die Ehre und das Andenken des Sängers zu schützen. Um Stellungnahme gebeten, äußerten sich ihre Anwälte gegenüber der Zeitung nicht.
Die Beweisauswertung läuft allerdings aktuell weiter. Die zuständige Richterin Karina Andrade erlaubte den Ermittlern am 3. Juli, zehn bei Razzien beschlagnahmte Mobiltelefone sowie einen USB-Stick von Paiz und Pereyra genauer zu untersuchen. Geprüft werden Textnachrichten, Chats in sozialen Netzwerken und Browserverläufe, auf der Suche nach Spuren der mutmaßlichen Drogenverkäufe.