Unterhaltung

Stadt und Land protestieren Streit um Anna Netrebkos Auftritt in Wiesbaden

Die Sopranistin Anna Netrebko soll laut Plan bei den Festspielen in Giuseppe Verdis Oper

Die Sopranistin Anna Netrebko soll laut Plan bei den Festspielen in Giuseppe Verdis Oper "Nabucco" auftreten.

(Foto: picture alliance / GEORG HOCHMUTH / APA / picturedesk.com)

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Der künstlerische Leiter widmet die diesjährigen Internationalen Maifestspiele allen politischen Gefangenen und engagiert gleichzeitig die russische Opernsängerin Anna Netrebko, die sich bis heute nicht von Putin distanziert. Das halten die Stadt Wiesbaden und das Land Hessen für höchst unsensibel.

Um den geplanten Auftritt der russischen Opernsängerin Anna Netrebko bei den Internationalen Maifestspielen ist ein Streit entbrannt. Die Stadt Wiesbaden und das Land Hessen wollen nun den Intendanten Uwe Eric Laufenberg von dieser Idee abbringen und den Auftritt Netrebkos verhindern.

Die 51-Jährige habe sich bis heute nicht vom russischen Präsidenten Wladimir Putin distanziert, teilten Stadt und Land gemeinsam mit. Der künstlerische Leiter der Maifestspiele habe die Veranstaltung jenen gewidmet, die aufgrund ihrer Meinung im Gefängnis säßen. Auf der Website heißt es da: "Freiheit für die Ukraine! Freiheit für alle politischen Gefangenen in Belarus und Russland!" Dabei habe er auch den russischen Kremlkritiker Alexej Nawalny genannt. "Das Land, in dem er im Gefängnis sitzt, führt derzeit einen Angriffskrieg gegen die Ukraine", erklärten Stadt und Land. Den ukrainischen Freundinnen und Freunden sei nicht zu vermitteln, dass Netrebko bei den Maifestspielen auftreten solle. "Dieses Verhalten ist höchst unsensibel", kritisierten Wiesbaden und Hessen.

Eigenen Angaben zufolge baten beide den Intendanten, auf Netrebko zu verzichten - ohne Erfolg. Das Land Hessen ziehe deswegen Konsequenzen, erklärte CDU-Staatskanzleichef Axel Wintermeyer. Ministerpräsident Boris Rhein, ebenfalls CDU, werde seine Schirmherrschaft bei den Maifestspielen ruhen lassen. "Wir stehen solidarisch an der Seite der Ukraine", fügte Wintermeyer hinzu. "Wir respektieren die künstlerische Freiheit, wollen aber in dieser Zeit keine Zweifel an unserer Solidarität mit der Ukraine aufkommen lassen", erklärten Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und Kulturdezernent Axel Imholz (beide SPD). Am Dienstag will die Stadtspitze darüber entscheiden, ob die Stadt auf repräsentative Veranstaltungen bei den Maifestspielen verzichten wird.

Neben Netrebko 118 Personen auf ukrainischer Sanktionsliste

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Zuvor hatte der Manager des Opernstars verkündet, dass die ukrainischen Sanktionen keine konkreten Auswirkungen auf sie haben. "Sie hat kein Vermögen in der Ukraine, sie ist nie in der Ukraine aufgetreten und sie plant nicht, das zu tun", schrieb Manager Miguel Esteban.

Das ukrainische Präsidialamt veröffentlichte Anfang Januar ein Dekret, mit dem Dutzende russische Künstler und andere Personen des öffentlichen Lebens auf eine Sanktionsliste gesetzt wurden. Der in Wien lebenden Netrebko und 118 weiteren Personen wird etwa, sofern vorhanden, Vermögen in der Ukraine gesperrt. Netrebko, die auch österreichische Staatsbürgerin ist, wurde in der Vergangenheit eine Nähe zum Kreml vorgeworfen. Es sei unrichtig, die Sopranistin mit einer Regierung oder mit dem Krieg in der Ukraine in Verbindung zu bringen, meinte hingegen Esteban.

(Dieser Artikel wurde am Montag, 23. Januar 2023 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, ysc/AFP/dpa

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