"Ed Sheeran hat kein Rückgrat"Zoff um Vorprogramm-Auftritte von Macklemore eskaliert

Rapper Macklemore behauptet, es gehe ihm um "Frieden". Andere werfen ihm knallharten Antisemitismus vor. Dass er nun im Vorprogramm von Ed Sheeran seine politischen Botschaften unters Volk bringt, sorgt für Zoff. Auch die Kollegen Pink und Boy George mischen dabei mit.
Die Haltung von US-Rapper Macklemore ist bekannt. Und auch die Kontroverse um seine Positionen ist nicht neu. So sorgte etwa ein Auftritt des US-Amerikaners beim norddeutschen Deichbrand-Festival im vergangenen Jahr bundesweit für Kritik und Empörung.
"Ich bin sicher, dass es Menschen gibt - vielleicht sogar hier im Publikum -, denen gesagt wurde, dass es antisemitisch sei, sich gegen den Völkermord Israels am palästinensischen Volk auszusprechen. Lasst euch nicht von der kolonialen Sprache täuschen", sagte der Musiker damals etwa auf der Bühne. Während er von den einen für seine pro-palästinensischen Aussagen gefeiert wird, werfen ihm andere unverhohlenen Antisemitismus vor.
Die Macher der aktuellen Ed-Sheeran-Tour wussten also, worauf sie sich einließen, als sie Macklemore für das Vorprogramm bei mehreren Shows des Briten in den USA buchten. Und der Rapper lieferte prompt ab, als er am Freitag und Samstag in New Jersey erstmals die Konzerte für den Superstar eröffnete. Macklemore trug während seiner Auftritte zeitweise ein Palästinensertuch und ließ auf der Videoleinwand hinter sich Bilder aus dem Gazastreifen laufen.
Macklemore skandiert "Free Palestine"
Zudem adressierte er das Publikum. Bei einem der beiden Auftritte klang das zum Beispiel so: "Einer der Gründe, warum ich diese Tour machen wollte, war, dass ich hier auf den Stadionbühnen in ganz Amerika stehen und zwei Worte sagen wollte, die mir sehr am Herzen liegen: 'Free Palestine!' Ich sage: 'Free Palestine!'" Macklemore versuchte, die Zuschauerinnen und Zuschauer noch weiter anzuheizen: "Ich möchte, dass diese Worte laut und deutlich zu hören sind, damit die Menschen - von Gaza bis hinauf ins besetzte Westjordanland - wissen, dass wir sie nicht vergessen haben." Und der Musiker beteuerte: "Meine Botschaft lautet Frieden."
Videos von Macklemores Auftritten in New Jersey zeigen, dass die Statements des Rappers beim Publikum auf ein geteiltes Echo stießen - der Jubel darüber hielt sich in Grenzen. Und auch die Reaktionen, die der 43-Jährige jetzt aus dem Kreis von Kolleginnen und Kollegen erfährt, fallen durchwachsen aus.
So repostete Sängerin Pink kurz darauf einen Instagram-Beitrag der Organisation "StopAntisemitism", in dem es hieß: "Schrecklich - Jüdische Fans haben Tickets gekauft, um gestern Abend in New Jersey Ed Sheeran singen zu sehen, und nicht, um von Macklemores Anti-Israel-Propaganda überrumpelt zu werden."
Und weiter: "Stattdessen betrat Macklemore mit einem Palästinensertuch die Bühne, rief 'Free Palestine', beschuldigte Israel eines erfundenen 'Völkermords' und verwandelte eine Mainstream-Veranstaltung in einen politischen Albtraum gegen den jüdischen Staat. Die Konzertbesucher haben Anspruch auf eine Entschuldigung und eine Rückerstattung."
Boy George gibt Contra
Ganz anders sieht es dagegen die Schauspielerin und Sängerin Paloma Faith. Sie postete in ihren Instagram-Storys einen Ausschnitt von Macklemores Konzert-Ansage in New Jersey und versah diesen mit dem Kommentar "My hero" ("Mein Held").
Dies wiederum rief Boy George auf den Plan, der dafür bekannt ist, im Nahost-Konflikt für Israel Position zu beziehen. Erst vor wenigen Wochen veröffentlichte er mit "We Will Dance Again" einen Song, der auf das Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 mit rund 1200 ermordeten Menschen anspielte und Israel mit einer Textzeile wie "Wenn man angegriffen wird, dafür ist die Armee da" das Recht zur Selbstverteidigung in den Palästinensergebieten zusprach.
Jetzt meldete sich der frühere Culture-Club-Frontmann auf X zu Wort: "Was Macklemore betrifft, muss man festhalten, dass Parolen wie 'Free Palestine' den Anschein von Zivilcourage erwecken, ohne dass dafür viel politisches Wissen erforderlich wäre. Ed Sheeran hat eindeutig kein Rückgrat. Und was Paloma Faith und ihr dummes, moralisch aufgeladenes Quietschen vor Begeisterung über 'Mackle-bore' angeht - sie ist politisch so relevant wie ein matschiges Thunfisch-Sandwich. Das Ganze bereitet mir Unbehagen."
Petition gestartet
Boy George und Paloma Faith hatten vor zehn Jahren als Juroren in der TV-Show "The Voice" schon einmal zusammengearbeitet, sich aber bereits damals nicht gut verstanden. Der Sänger beendete seinen deutlichen X-Post mit den Worten: "Gut, dass Pink sich dazu geäußert hat. Hoffentlich wird auch Ed Sheeran dieses Thema irgendwann aufgreifen."
Sheeran hält sich tatsächlich bislang mit einem Kommentar zu der eskalierenden Auseinandersetzung bedeckt. Dafür rechtfertigte sich Macklemore in einem Instagram-Beitrag am Montag: "Dass alle Menschen gleichbehandelt werden sollten, darf niemals kontrovers sein."
Die Organisation "Israeli-American Council" (IAC) kann mit derartigen Erklärungen jedoch wenig anfangen. Sie startete inzwischen eine Petition, in der Ed Sheeran dazu aufgerufen wird, Macklemore auf seiner Tour nicht weiter auftreten zu lassen. "Dies war ein Ed-Sheeran-Konzert - keine politische Kundgebung, keine Protestveranstaltung und keine Aktivisten-Show", heißt es darin. Und weiter: "Meinungsfreiheit bedeutet nicht Freiheit von Verantwortung. Deine Show. Deine Bühne. Deine Verantwortung."