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"Solo: A Star Wars Story" ist nicht so schlecht, wie viele es erwartet haben. Aber auch nicht so gut, wie man sich das gewünscht hätte.
"Solo: A Star Wars Story" ist nicht so schlecht, wie viele es erwartet haben. Aber auch nicht so gut, wie man sich das gewünscht hätte.(Foto: Lucasfilm)
Donnerstag, 17. Mai 2018

"Solo: A Star Wars Story": Das ist nicht unser Han Solo

Von Anna Meinecke

Er ist der coolste Typ der "Star Wars"-Saga. Am Steuer des Millennium Falcon wurde Han Solo zum absoluten Fan-Liebling. "Solo" erzählt seine Vorgeschichte. Schlecht ist das nicht, doch der Held bleibt ein Fremder.

Luke Skywalker hat das Laserschwert, Han Solo die Herzen der Zuschauer. In einem Universum voll Pathos wurde ausgerechnet ein Zyniker zum absoluten Fan-Liebling. Han Solo ist laut, mürrisch, brutal, aber am Ende eben ein Guter. In "Star Wars: Episode IV - Eine neue Hoffnung" tritt er noch als undogmatischer Zweckoptimierer auf den Plan. Später wird er zum loyalen Soldaten der Rebellion und zum hochdekorierten Kriegshelden.

In all den Jahren gab es keinen facettenreicheren "Star Wars"-Charakter als ihn. Han Solo ist die wahre Identifikationsfigur der Saga. Als vor zweieinhalb Jahren "Episode VII - Das Erwachen der Macht" die letzte Trilogie eröffnete, war es seine Rückkehr, auf die wirklich alle warteten. Kein Wunder also, dass Disney der Figur einen Spin-off-Film gewidmet hat. Unter einem schlechteren Stern hätte der allerdings kaum stehen können.

Unüberraschend unnötig

So viel vorab: "Solo: A Star Wars Story" ist bei Weitem nicht die Blamage, die Berichte vom Set des Films in den Monaten vor der Premiere hatten befürchten lassen. Der Film ist unnötig. Aber eben nur in dem Sinne, dass die liebgewonnen alten Streifen auch gut ohne ihn hätten stehen können - was nach Mehrheitsmeinung für alle Geschichten nach 1983 gilt, als "Episode VI - Die Rückkehr der Jediritter" in die Kinos kam. Alden Eldenreich ist als junger Han jedenfalls nicht fehlbesetzt und dass Phil Lord und Christopher Miller die Regie auf halber Strecke an Ron Howard übergaben, hat nichts mit dem Kernproblem des Films zu tun.

Zwischen Han Solo und Qi'ra knistert es.
Zwischen Han Solo und Qi'ra knistert es.(Foto: Lucasfilm)

"Solo" beginnt mit einem jungen Han auf der Flucht. Bei dem Versuch, den tyrannischen Strukturen auf seinem Heimatplaneten zu entkommen, wird er von seiner großen Liebe Qi'ra getrennt. Er verpflichtet sich beim Militär, um Pilot zu werden und etwas Geld zusammenzusparen. Doch alles kommt natürlich anders und so landet Han bei einer hoch spezialisierten Diebesbande und schließlich in der Schuld einer kriminellen Vereinigung, die vom Imperium geduldet über den Schwarzmarkt Macht ausübt.

Es knistert

Dass Harrison Fords Han einmal als der begonnen hat, den Alden Ehrenreich da mimt, kann man sich durchaus vorstellen. Er hat so ein schiefes Grinsen, das ihn als Kumpel sympathisch und als Mann unwiderstehlich macht. Dass Ehrenreich während der Dreharbeiten die Hilfe eines Schauspielcoachs benötigt haben soll, erscheint, wenn überhaupt, in Hans traurigen Momenten plausibel. Da hat er vielleicht etwas tote Augen.

Chewbacca und Han Solo lernen sich anders kennen, als Fans das vielleicht erwartet hätten.
Chewbacca und Han Solo lernen sich anders kennen, als Fans das vielleicht erwartet hätten.(Foto: Lucasfilm)

Was "Solo" besser handhabt als alle anderen "Star Wars"-Filme bis dato, ist die Liebe. Zwischen Han und Qi'ra, gespielt von Emilia Clarke, gibt es das erste Mal in der Geschichte der Sage einen echt scharfen Filmkuss. Darauf mag es Fans nicht unbedingt ankommen, aber es muss an dieser Stelle erwähnt werden. Qi'ra ist als Figur streckenweise irritierend, immer wieder bestechend und schließlich ein ziemlich expliziter Hinweis darauf, dass dies wohl nicht der letzte "Solo"-Streifen gewesen ist.

Chewbaccas großer Auftritt

Eine neue Welt breitet "Solo" leider nicht aus. Der Film liefert, was er muss. Er erklärt die Umwege, über die Han der unvergleichliche Pilot wurde, als den man ihn kennt. Und wieso ihn die "Star Wars"-Fans der ersten Stunde auf der schiefen Bahn kennenlernten. "Solo" schenkt Han und seinem Freund Chewbacca ein herzzerreißendes Kennenlernen und gibt dem Millennium Falcon noch so viel mehr Bedeutung, als er ohnehin schon hatte. "Solo" gibt seinem Helden einen Namen. All das durfte man auch erwarten.

Donald Clover gibt den jungen Lando Calrissian.
Donald Clover gibt den jungen Lando Calrissian.(Foto: Jonathan Olley /Lucasfilm Ltd.)

Besondere Freude macht Donald Glovers Lando Calrissian, der sich schon in jungen Jahren als Schummler durch und durch zu erkennen gibt, eine Vorliebe für exzentrische Capes kultiviert und tagebuchartig seinem eigenen Hologramm sein Leben diktiert. Auch mit einen neuen Droiden kann "Solo" dienen: L3-37 ist eine brillante, aber aufmüpfige Roboterfrau - dramatisch, schwer verliebt und mit eigenem Willen. Als neue Kreaturen bleibt eine pompöse Wasserwurmin in Erinnerung, die sich gefühlt auch ganz gut mit Jabba dem Hutten verstehen würde. Außerdem ein geschnäbelter Kartenspieler, der ein mieses Kartendeck nach einer Niederlage mal eben in den körpereigenen Schredder befördert.

Gar nicht so solo, der Han

Was "Solo" in vollem Eifer entglitten ist, ist die Kontrolle über die Hauptfigur. Das war schon alles gut gedacht. Der junge Typ da provoziert wie Han Solo. Er klugscheißt und prescht unüberlegt vor wie Han Solo. Er umgarnt wie Han Solo und hat die Hand genauso schnell am Revolver, wie man das von ihm erwartet. Doch um die Handlung voranzutreiben, versammelt "Solo" so schnell ein Team um seinen Helden, dass dem Zuschauer keine Gelegenheit bleibt, ihn in einer ganz wesentlichen Eigenschaft zu erleben.

George Lucas' Han Solo ist ein Einzelgänger. Einer, der sich nicht binden will. Der sich niemandem verpflichtet fühlen will und nur durch die besonderen Umstände von Episode IV bis VI zum Teamplayer und damit zum Idol werden kann. Der junge Han, den "Solo" zeigt, geht aber unfreiwillig allein in die Welt und verschenkt sein Herz, sobald sich sein Gegenüber als etwas Besseres als ein Feind zu erkennen gibt. Das ergibt keinen Sinn. Und so fügt sich "Solo" schon irgendwie in das, was "Star Wars" geworden ist, doch Han bleibt ein Fremder.

"Solo: A Star Wars Story" startet am 24. Mai in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de