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(Foto: Twentieth Century Fox)
Mittwoch, 14. Februar 2018

Oscar-Favorit "Shape of Water": Raubtier sind die anderen

Von Anna Meinecke

Es ist ein Märchen in Türkisblau und es handelt von einer stummen Putzfrau, die sich in ein schillerndes Wasserwesen verliebt. Der Film "The Shape of Water" wird als heißer Oscar-Kanditat gehandelt. Er ist ungewöhnlich, zärtlich und absolut brillant.

Im Kino nichts Neues. So ungefähr ließe sich das Filmjahr 2017 zusammenfassen - jedenfalls wenn man sein Urteil auf die Zuschauerzahlen stützt. Bei den zehn erfolgreichsten Filmen handelte es sich um Fortsetzungen oder Remakes. "Fuck Ju Göhte 3", "Star Wars 8" - Sie wissen schon. "The Shape of Water" muss sich diesen Vorwurf nicht gefallen lassen und im Grunde genommen auch keinen anderen. Guillermo del Toro hat mit seinem neuesten Film ein Meisterwerk geschaffen, das Genres kennt, in ihnen aber nicht verhaftet ist, das die Liebe neu erzählt und für dessen Geschichte ganz eigene Regeln gelten.

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"The Shape of Water" ist eine Liebesgeschichte. Im Baltimore der 50er Jahre treffen in einem Forschungszentrum eine Reinigungskraft und ein amphibienartiges Amazonas-Wesen unter denkbar ungünstigen Bedingungen aufeinander. Das Menschtier oder der Tiermensch - das muss der Zuschauer schon mit sich selbst ausmachen - ist gefangen in einem Wassertank. Von einem Forscherteam wird es zum Zwecke nationaler Sicherheit gefoltert. Raubtier sind die anderen.

Vielleicht ist es die fehlende Stimme, die Elisa aus der Masse der Menschen entrückt. Wenn sie dem blaugrün schillernden Wesen Musik vorspielt oder hart gekochte Eier am Beckenrand aufreiht, kann man zwei Außenseiter in gegenseitigem Erkennen beobachten. Elias Bewegungen ließen sich als linkisch bezeichnen, doch in diesem märchenhaften Kosmos wirken sie wie ein Tanz. Sally Hawkins spielt sie leise und nicht von dieser Welt, aber genau richtig und ganz da in ihrer eigenen Geschichte.

Nähe vor Anziehung

Sie möchten jetzt vermutlich wissen, ob es nicht irgendwie komisch ist, das mit der Frau und dem fischigen Flossenmann (Doug Jones). Wie weit geht ihre Liebe? Wie körperlich kann sie sein? Tatsächlich ist die Beziehung der Figuren zu keinem Zeitpunkt abstoßend. Vielleicht weil sie nicht Anziehung, sondern echte Nähe verbindet. "The Shape of Water" kann auch als Ode auf echte Nettigkeit gelesen werden. Nicht belanglos nett, sondern tiefgründig, zärtlich und dem Guten ganz grundsätzlich verschrieben. Elisa und ihr Wasserwesen wirken gemeinsam rein und in ihren abgedrehtesten Momenten noch sind sie Ruhepol in einer lauten und ziemlich grässlichen Welt.

"The Shape of Water" bedient sich nicht einfach altertümlicher Mensch-Tier-Erotik. Wenn sich Zeus in Gestalt eines Stiers auf Frauenjagd begibt oder ein Zentaur irgendwem den Kopf verdreht, hat das nichts von der Sinnlichkeit und vor allem nichts von der Legitimität von der die Art der Partnerschaft in "The Shape of Water" lebt. Elisa und die Kreatur sind nicht von der Kuriosität des anderen angezogen, sie leben, was sie gemeinsam haben. Ein verständnisvoller Blick, ein heimliches Streicheln. Wer hätte gedacht, dass Liebenswürdigkeit so schön sein kann?

"Shape of Water - Das Flüstern des Wassers" startet am 15. Februar in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de