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Kylo Ren ist sowas wie der neue Darth Vader. In "Star Wars: Die letzten Jedi" nimmt man ihm das auch ab.
Kylo Ren ist sowas wie der neue Darth Vader. In "Star Wars: Die letzten Jedi" nimmt man ihm das auch ab.(Foto: Lucasfilm)
Mittwoch, 13. Dezember 2017

"Star Wars: Die letzten Jedi": Das Böse als Entscheidung

Von Anna Meinecke

Nachdem der letzte "Star Wars"-Film wie ein Abklatsch der alten Streifen daherkam, waren die Erwartungen an "Die letzten Jedi" gedrosselt. Doch endlich gewinnt die Saga neue Perspektiven. Alte Helden glänzen, neue Schurken machen Lust auf mehr.

Niemand wird böse geboren. Niemand wird böse gemacht. Beim Tauziehen zwischen Held und Schurke hat mindestens einer die Seiten gewählt. Für das Böse muss man sich entscheiden. Daran lässt "Star Wars: Die letzten Jedi" keinen Zweifel. Es ist die vielleicht einprägsamste inhaltliche Positionierung des Franchises, seit Yoda im Morast von Dagobah dem jungen Luke Skywalker die Welt entwarf. Der neueste "Star Wars"-Streifen braucht sich nicht länger an die Vergangenheit anzulehnen. Er muss seine Figuren auch nicht mehr mühsam vorstellen. Er muss zeigen, wie sie zusammengehören. Und so wird Episode VIII denn zum Ringen um Vertrauen und Loyalität.

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Dass hiermit ein Oberthema für "Die letzten Jedi" gefunden zu sein scheint, soll keineswegs bedeuten, Rian Johnsons Film würde unter allzu viel Handlung ächzen. Im Gegenteil. Zwar passiert in dem mit 152 Minuten Spielzeit längsten "Star Wars"-Film überhaupt eine ganze Menge - würde man Teil VIII ganz auslassen, liefe man dennoch keine Gefahr, bei Episode IX den Anschluss verloren zu haben.

Spektakel auf allen Ebenen

"Die letzten Jedi" ist ein Spaßspektakel. Es gibt eine spektakuläre Schlacht im All, eine spektakuläre Schlacht im Eis, herrliches Gekloppe mit Laserschwertern und auch welches ohne. Es gibt eine neue Stadt und neue Spezies - ja, Porgs zum Beispiel. Und es gibt Witze, die tatsächlich zünden. "Die letzten Jedi" endet vielleicht ein bisschen, wie es angefangen hat. Doch dazwischen ist es ein wilder Ritt und das muss reichen.

Rey ist die Hoffnungsträgerin in "Die letzten Jedi"
Rey ist die Hoffnungsträgerin in "Die letzten Jedi"(Foto: Lucasfilm)

Während J.J. Abrams "Das Erwachen der Macht" im besten Fall als Hommage an George Lucas' allerersten "Star Wars"-Film "Eine neue Hoffnung" durchgewunken wurde, dürfen in "Die letzten Jedi" neue Helden zu Fan-Lieblingen werden. Rey (Daisy Ridley), Finn (John Boyega) und Poe (Oscar Isaac) sind zwar weite Teile des Films getrennt voneinander an der Rettung des Universums zugange, können aber alle in ihren jeweiligen Ecken des Alls glänzen.

Narben auf der Seele

Ihre Vorgänger überraschen beide, wenngleich auf unterschiedliche Weise. Carrie Fischers Szenen als General Leia gewinnen in Anbetracht des Todes der Darstellerin eine rührende Dimension. Mark Hamills großväterlicher Luke Skywalker wird überraschend zum emotionalen Kern der Geschichte. Wenn er aus dem selbst gewählten Exil wie einst Alec Guinness' Obi-Wan Kenobi zurückkehrt, um herzuhalten als Lehrer, aber vor allem als Identifikationspunkt kollektiver Hoffnung, da muss Fans einfach das Herz aufgehen.

Es ist Skywalkers Ruhe, gegen die Kylo Ren so richtig hochkochen kann. Adam Driver gibt alles in der Rolle. Und es gelingt ihm endlich, zwischen Ambition und Rage eine Figur zu entwerfen, die das Bedürfnis nach dem Bösen befriedigt, das Darth Vader einst geweckt hat. Rens Narben im Gesicht lassen eine ebensolche vernarbte Seele erahnen. Und genau dieses gestörte Innenleben nährt sein erratisches Handeln, seinen isolierenden Wahnsinn, sein Bedürfnis nach Nähe. Alles, was man sich von "Star Wars: Die letzten Jedi" wünschen konnte, war ein kleines bisschen mehr als Nostalgie. Niemand wollte sich verabschieden vom größten Weltraumepos und niemand muss es nach diesem Film tun. Das bisschen Perspektive, nach der in Episode VIII alle ringen, gibt es nun nicht nur für die gesamte Saga. Auf einen großartigen Abschluss!

"Star Wars: Die letzten Jedi" startet am 14. Dezember in den deutschen Kinos.

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Quelle: n-tv.de