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Traumatherapie mit Julia Roberts "Das berührt mich zutiefst!"

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Julia Roberts hilft in "Homecoming" heimkehrenden US-Soldaten dabei, ihre Kriegstraumata aufzuarbeiten.

(Foto: Prime Video / Jessica Brooks)

Heidi Bergman will ihren Patienten helfen. Mit heimgekehrten US-Soldaten arbeitet sie Kriegstraumata auf. Aber irgendetwas stimmt nicht. Bis sie das herausfindet, wird es dauern. Der Zuschauer aber begegnet in der Serie "Homecoming" schon früh ihrem zukünftigen Ich. Es ist der Beginn eines Rätsels, das man so schnell nicht mehr vergisst, hat es einen einmal in seinen Bann gezogen.

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Im Grunde konnte bei "Homecoming" nichts schiefgehen. Die Geschichte basiert auf einem erfolgreichen Podcast, die Hauptrolle übernimmt mit Julia Roberts ein echter Hollywoodstar und der Regisseur Sam Esmail hat mit "Mr. Robot" bereits einen veritablen Serienhit gelandet. Gerade weil die Voraussetzungen stimmen, darf "Homecoming" keine Fehler machen. Passiert auch nicht. Die Serie ist ungewöhnlich, packend und smart. Mit n-tv.de sprechen Roberts und Esmail über Lego-Steine, Versandkosten und die Magie ihrer gemeinsamen Arbeit.

n-tv.de: Es ist schon überraschend, Sie in einer Serie zu sehen. Stimmt es tatsächlich, dass die besten Jobs für Schauspieler gar nicht beim Film vergeben werden?

Julia Roberts: Das kann man so nicht sagen. Wo sich Möglichkeiten eröffnen, ist ja von vielen Faktoren abhängig. Wenn ich mich jetzt auf eine Antwort festlege, ist die zu dem Zeitpunkt, wenn das Interview erscheint, längst überholt. Außerdem würde ich nie auch nur ein böses Wort über Filme verlieren. Ich liebe sie. Durch sie kann ich meinen Traum leben.

Den Podcast, auf dem die Serie basiert, sollen Sie beide in einem Stück gehört haben. Was war das für ein Moment?

Roberts: Ich habe mir den gesamten Podcast angehört, während ich Millionen Lego-Steine auf dem Fußboden im Zimmer meines Sohnes sortiert habe. Daran habe ich lebhafte Erinnerungen! Meine Agenten hatten mir diesen Link gemailt, ich hatte den Laptop auf einen Tisch gestellt und saß inmitten von Lego-Steinen. (gestikuliert) Die roten kommen hierhin, die grünen kommen dahin … Es sind Stunden vergangen, ich war wie hypnotisiert. Es war fantastisch!

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Sie scheinen ein echtes Dream-Team zu sein: Schauspielerin Julia Roberts und Regisseur Sam Esmail.

(Foto: Prime Video / Ellen Hughes)

Sam Esmail: Meine Geschichte ist simpler: Ich habe den Podcast auf dem Weg zur Arbeit gehört. Als ich am Büro angekommen bin, musste ich aber einfach noch eine Weile im Auto sitzen bleiben, um weiter zuzuhören. Beim zweiten Mal habe ich den Podcast dann gemeinsam mit meiner Frau gehört. Wir waren mit dem Auto unterwegs und haben alles in einem Rutsch abgearbeitet.

Roberts: Das ist doch eine gute Geschichte, Sam!

Esmail: Nicht so gut wie die mit dem Lego.

Roberts: Emmy (die Schauspielerin Emmy Rossum, Esmails Frau; Anm. d. Red.) schlägt Lego. (lacht)

Wäre es Ihnen lieber, wenn die Leute erst den Podcast hören, oder sollen sie gleich Ihre Serie gucken?

Esmail: Das macht kein Unterschied. Wir sind mit unserer Geschichte stark vom Podcast abgewichen. Der Podcast ist großartig, aber wir haben bewusst unsere eigene Show daraus gemacht.

Wie würden Sie jemandem "Homecoming" schmackhaft machen, der noch nie davon gehört hat?

Roberts: Das ist tatsächlich gar nicht so leicht. Zu Beginn zeigt die Serie mehr einen groben Abriss dessen, was mal vielschichtige Charaktere und Handlungsstränge werden, und es macht uns große Freude, die verschiedenen Ebenen erst nach und nach zu eröffnen.

Esmail: Im Kern funktioniert "Homecoming" wie ein Hitchcock-Film. Man begegnet der Hauptfigur an einem bestimmten Punkt in ihrem Leben und gerät in eine skurrile Abwärtsspirale. Es geht auf eine Reise, deren Wendungen man so niemals erwartet hatte.

Roberts: Genau. Schreiben Sie bitte, ich hätte das gesagt. (lacht)

Die Geschichte hat zwei Zeitebenen. Frau Roberts, Sie haben gesagt, es sei gewesen, als hätten Sie zwei Heidis, also zwei Hauptrollen, gespielt: Eine ist für die psychologische Betreuung von Soldaten zuständig, eine arbeitet als Kellnerin. Welche war Ihnen zugänglicher?

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Julia Roberts ist zum ersten Mal in einer Serie zu sehen: "Homecoming".

(Foto: Amazon)

Roberts: Vermutlich die Therapeutin. Ihre Absichten sind sehr klar.

Esmail: Und du bist so eine fröhliche Person! Kellner-Heidi ist nicht fröhlich.

Roberts: Stimmt. Und ich bin nicht innerlich zerrissen und gequält wie sie.

Die Episoden von "Homecoming" sind nur eine knappe halbe Stunde lang - wie die Podcast-Folgen. Für eine Drama-Serie ist das dennoch eine ungewöhnliche Entscheidung …

Roberts: (unterbricht euphorisch) Ist es nicht genial? Ich finde es so clever. Am Ende jeder Folge denkt man sich: "Oh mein Gott, es ist schon vorbei?!" So ging es mir jedenfalls.

Esmail: In den ersten Gesprächen über die Serien-Adaption hat man mir recht deutlich gesagt: "Es ist ein Drama, die Folgen müssen eine Stunde lang sein." Aber mir war schon damals nicht klar, wieso. Gerade im Moment kann man sich in dem Bereich doch ausprobieren wie nie zuvor. Wieso soll ich eine Geschichte willkürlich verlängern? Das ist doch albern! Vor etwa zehn Jahren gab es die HBO-Serie "In Treatment - Der Therapeut". Die bestand auch aus 30-minütigen Drama-Episoden. Die Show war ihrer Zeit voraus!

Amazon hat gleich zwei Staffeln "Homecoming" bestellt. Ist danach Schluss oder könnten Sie sich vorstellen, noch länger an dem Projekt zu arbeiten?

Roberts: Ich hänge mich da einfach an Sam dran. Was auch immer er macht: Ich komme mit! Wirklich, die Arbeit an "Homecoming" ist schlicht die reinste Freude. Angefangen damit, dass wir in Los Angeles drehen. Sie wissen ja gar nicht, wie glücklich man so eine Filmcrew machen kann, wenn jeder nach Drehschluss nach Hause zur Familie gehen kann - mich eingeschlossen! Vor allem aber gibt es zwischen Sam und mir diese seltsame Magie. Die kann man nicht erklären. Ich mache immer Witze darüber, aber in Wahrheit berührt mich diese Verbindung zutiefst. Diese ganze Erfahrung ist wie ein Sechser im Lotto.

Und wenn "Homecoming" dann auch noch beim Publikum ankommt …

Roberts: Ich glaube, erst einmal dürfen wir ab dann versandkostenfrei bei Amazon bestellen. Drücken Sie mir die Daumen!

Mit Julia Roberts und Sam Esmail sprach Anna Meinecke.

"Homecoming" ist ab dem 2. November abrufbar über Amazon Prime Video.

Quelle: n-tv.de

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