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20 Jahre Münster-"Tatort" Ein Lieblingskrimi wird erwachsen

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Ermitteln seit 20 Jahren zusammen: Thiel (Axel Prahl, l.) und Boerne (Jan Josef Liefers).

(Foto: WDR/Molina Film/Thomas Kost)

Zum sage und schreibe 40. Mal ermitteln Professor Boerne und Kommissar Thiel in "Des Teufels langer Atem" gemeinsam in Münster - und locken auch bei ihrem Doppeljubiläum wieder Millionen vor die Bildschirme. Was ist nur das Erfolgsrezept des ungleichen Teams?

2002 war ein ereignisreiches Jahr: Während die Deutschen noch der D-Mark hinterhertrauerten und über den neueingeführten "Teuro" klagten, wütete an der Elbe das erste Jahrhunderthochwasser des Jahrhunderts (es sollte nicht das Einzige bleiben) - und Michael Schumacher fuhr in der Formel 1 zu Weltmeistertitel Nummer fünf. Dass in Münster ein neues "Tatort"-Ermittlerteam an den Start ging, war da eher eine Randnotiz: "Nur" 8,8 Millionen Menschen wollten am 20. Oktober sehen, wie ein kauziger Kommissar und ein blasierter Pathologe in "Der dunkle Fleck" zusammen auf Verbrecherjagd gingen.

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Im direkten Vergleich (hier ein Foto vom Debüt 2002) gut zu erkennen: Nicht jeder altert gleich gut.

(Foto: picture alliance / dpa)

Heute sieht die Sache ganz anders aus: Kommissar Thiel (Axel Prahl) und Professor Boerne (Jan Josef Liefers) locken regelmäßig fast 15 Millionen Menschen vor die Bildschirme und sind im 20. Jahr ihrer professionellen Beziehung so etwas wie der letzte große Leuchtturm im linearen Fernsehen. Einschaltquoten um die 40 Prozent sind in Zeiten von Youtube, Netflix und all den anderen Streamingangeboten im Netz noch bemerkenswerter als ohnehin schon, und ein Ende der Erfolgsstory ist nicht in Sicht, ganz im Gegenteil: Die beiden erfolgreichsten Fälle "Fangschuss" (2017, 14,6 Millionen Zuschauer) und "Rhythm and Love" (2021, 14,2 Millionen) stammen aus der jüngsten Vergangenheit.

Die große Frage nach dem Rezept für den überwältigenden und immer noch anhaltenden Erfolg des Ermittlerteams haben wir uns auch in der Redaktion immer wieder gestellt. Noch 2018 lautete unsere nicht besonders freundliche Theorie: "Kennste einen, kennste alle." Gefolgt von einem eher kruden Vergleich: "Was haben der Münsteraner 'Tatort' und Fußball gemeinsam? Beide dauern 90 Minuten, jedes Mal passiert im Grunde genommen dasselbe und trotzdem schauen Millionen von Menschen zu. Warum ist das so? Am Humor kann es schlecht liegen, der bewegt sich schließlich auf Augenhöhe mit dem Einstieg in diesen Text. Vielleicht ist es die Formelhaftigkeit beider Formate, die in unseren stürmischen Zeiten anziehend und beruhigend wirkt."

Boerne und Thiel haben sich mächtig weiterentwickelt

Dass das nicht die ganze Antwort sein kann, wissen wir mittlerweile. Denn obwohl die Zeiten dank Corona nun wirklich nicht weniger stürmisch geworden sind, haben Boerne und Thiel sich in der Zwischenzeit mächtig weiterentwickelt - und dürften mit "Des Teufels langer Atem" trotzdem wieder für einen Lagerfeuer-Moment sorgen, was die Zuschauerzahlen angeht. Wie ihre direkten Vorgänger ist auch die Doppeljubiläumsfolge - es ist gleichzeitig der 40. Fall des Ermittlerduos - lange nicht so klamaukig wie frühere Episoden. Die Lieblingsermittler der Deutschen werden also langsam erwachsen, und die allermeisten Zuschauer scheinen das ganz gut zu finden.

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Eine viel bessere Erklärung als der Autor dieses Texts hat deshalb Drehbuchautor Thorsten Wettcke, der dem Münsteraner Team bereits seinen fünften Fall seit 2011 auf den Leib geschrieben hat: "Das Besondere am Münster-'Tatort' ist ja die absolute Klarheit der beiden Hauptfiguren - und dass wir bei jedem Film wieder bei null anfangen. Will sagen: Auch wenn Thiel und Boerne sich mal verbrüdern oder sich das 'Du' anbieten, beim nächsten Film starten sie frotzelnd wie eh und je und per 'Sie'. (…) Wenn man Thiel und Boerne anschaltet, bekommt man Thiel und Boerne." Was sich aber verändert habe, sei die Bandbreite des Erzählbaren: In "Limbus" muss sich Boerne als Geist durch die Vorhölle schlagen, "Lakritz" erzählt die bonbonfarbene Jugend des Professors in den 70ern, "und bei 'Des Teufels langer Atem' durchlebt Thiel eine Tour de Force, die ihn in den meisten anderen Formaten nachhaltig verändert hätte. Nicht so in Münster. Da wird er zu Beginn des nächsten Falls wieder ganz der Alte sein. Und das ist auch gut so."

Ob das Rezept auch über die nächsten zwei Jahrzehnte trägt, steht noch in den Sternen. Aber zumindest die Hauptdarsteller wagen schon mal einen sehr weiten Blick in die Zukunft: "Wir drehen zwei 'Tatorte' im Jahr, das heißt unser 80. 'Tatort' würde in 20 Jahren, also im Jahr 2042 gedreht werden", rechnet Axel Prahl vor. "Da bin ich dann 82. Vermutlich werde ich dann die Verbrecher mit meinem Krückstock jagen. Wenn ich nicht gerade Prof. Boerne mit seinem Rollstuhl durch die Gegend fahren muss." Aber eins nach dem anderen: 2022 gibt es sogar drei neue Fälle aus Münster, "Des Teufels langer Atem" war also nur der Anfang eines langen Jubiläumsjahres.

Quelle: ntv.de

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