TV

Der "Tatort" im Schnellcheck Eltern aus der Hölle

7_Tatort_Berlin_Die_Kalten_und_die_Toten.jpg

Ermitteln unter anderem am zugefrorenen Engelbecken: Karow (Mark Waschke) und Rubin (Meret Becker).

(Foto: rbb/ARD Degeto/Aki Pfeiffer)

Der neue Berliner "Tatort" zeichnet das Psychogramm zweier Familien - mit der Betonung auf Psycho. Ob sich das Einschalten lohnt, lesen Sie hier.

Was passiert?

Dass der Berliner "Tatort" mit einer Klubszene beginnt, hat ja mittlerweile schon mehr oder weniger Tradition. Diesmal allerdings ist es nicht Kommissarin Rubin (Meret Becker), die sich in der Nacht verlieren und mal wieder so richtig spüren möchte, sondern eine junge, blonde Frau. Sie tanzt, sie hat wilden Sex, und am nächsten Morgen liegt ihr nackter und bis zur Unkenntlichkeit entstellter Körper am Rande des zugefrorenen Engelbeckens. Erst nach einer Vermisstenmeldung und einem DNA-Abgleich lässt sich die Identität des Opfers ermitteln: Die Tote war Medizinstudentin mit einem Faible für Dating-Apps und schnellen Sex mit Männern und Frauen.

2_Tatort_Berlin_Die_Kalten_und_die_Toten.jpg

Blinde Liebe zu ihrem Sohn macht Doris (Jule Böwe) zur Mordgehilfin.

(Foto: rbb/ARD Degeto/Aki Pfeiffer)

Auch am Mordabend war die junge Frau auf der Suche nach einem Abenteuer und fand dafür offenbar Dennis Ziegler (Vito Sack) und Julia Hoff (Milena Kaltenbach). Die beiden wohnen keine 200 Meter vom Fundort der Leiche entfernt und avancieren nicht nur deswegen schnell zu den Hauptverdächtigen des Falles: Dennis' Vorstrafenregister ist bibeldick, außerdem wissen die Zuschauer zu diesem Zeitpunkt bereits, dass Mutter Doris (Jule Böwe) und Vater Claus (Andreas Döhler) die Wohnung des Filius so dolle geschrubbt haben, dass keine DNA-Spuren mehr zu erkennen sind. Und das obendrein mit so viel Routine, dass klar ist, dass sie nicht zum ersten Mal hinter ihm aufräumen.

Obwohl der Fall also klar zu sein scheint und die Aufklärung nur eine Frage der Zeit, beißen sich Rubin und ihr Kollege Karow (Mark Waschke) die Zähne an der Mauer des Schweigens und der versammelten kriminellen Energie dieser Familie aus der Hölle aus. Weil obendrein die Eltern des Opfers den Tod ihrer Tochter verleugnen und sie nicht einmal identifizieren wollen, droht der Fall gegen die Wand zu fahren: Rubin und Karow ziehen extreme Konsequenzen, um Dennis doch noch dranzukriegen.

Worum geht es wirklich?

Um Gefühllosigkeit, Egozentrik und das, was daraus folgt. Oder, um es mit Drehbuchautor Markus Buschs Worten positiv zu formulieren: "Dass man es am Ende unter der Haut spürt: wie wichtig Empathie ist, und dass es wert ist, um sie zu kämpfen - auch gegen die eigene Angst und Bequemlichkeit".

Wegzapp-Moment?

Dass Berlin ein hartes Pflaster sein kann, dürfte mittlerweile allgemein bekannt sein. Und auch "Die Kalten und die Toten" bemüht sich darum, möglichst viele der Abseitigkeiten und Exzesse zu präsentieren, die in einem Berliner "Tatort" mittlerweile offenbar Präsenzpflicht haben. Das funktioniert die meiste Zeit ganz gut, manchmal wirkt es dann aber doch eine Nummer zu plump: "Ich ficke Männer", konkretisiert der schwule Freund der Ermordeten. Wer sagt denn so was?

Wow-Faktor?

Mehr zum Thema

Die verstörenden Eltern-Kind-Beziehungen in diesem "Tatort". Zum Beispiel die Szene, in der die Kommissare den Eltern des Opfers vom Tod ihres Kindes berichten - und die Mutter das gekonnt ignoriert und stattdessen einen Telefonanruf in ihrer Gärtnerei annimmt: Vier Orangenbäume? Kein Problem, haben wir da …

Wie ist es?

8,5 von 10 Punkten. "Die Kalten und die Toten" ist ein eindrucksvolles Psychogramm zweier Familien, das nur an wenigen Stellen über die Stränge schlägt.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.