"Ralf & Étienne: Wir sagen Ja!""Es gibt immer wieder Idioten da draußen"

Ein Besuch im Tierheim, die alte Kartbahn in Kerpen und der Ehevertragstermin in Saint-Tropez lösen viele Emotionen aus. Die Spannung steigt. So langsam nähern sich Ralf Schumacher und Étienne Bousquet-Cassagne der Ziellinie.
Auf ihrem Doku-Weg in Richtung Traualtar kommt für Ralf und Étienne auch das "Outing"-Thema noch einmal auf den Tisch. Ralf erinnert sich an einen englischen Touristen, der ihn einst im Beisein von Étienne auf sein "Single-Dasein" ansprach und damit einen Stein ins Rollen brachte.
Ralf hatte keine Lust mehr, sich permanent zu erklären. Also fasste er den Entschluss, sich vor aller Welt zu öffnen. Via Social Media schaffte er Klarheit. "Wir haben abends Wein getrunken und dann hat mir Ralf den Instagram-Post gezeigt", erinnert sich Étienne mit einem Grinsen im Gesicht. "Für die Außenwelt war das eine Sensation, die ich nicht nachvollziehen konnte", gesteht Ralf.
Für die immer näher rückende Welcome-Party stehen wichtige Vorbereitungen an. Im Anschluss besuchen Ralf und Étienne eine befreundete Tierheimleiterin, der sie eine freudige Nachricht überbringen wollen. Die Hochzeitsgäste sollen doch bitte auf gängige Geschenke für das Brautpaar verzichten und stattdessen das Tierheim mit Geldspenden unterstützen. Als die Tierheimbesitzerin die Nachricht erhält, fällt sie Ralf und Étienne freudig in die Arme: "Das ist ja wunderbar, jetzt kriege ich gleich Gänsehaut!", freut sich die sichtlich aufgewühlte Hundeliebhaberin.
"Für meinen Sohn wollte ich ein anderes Leben"
Weiter geht's in Monaco. Für die beiden Verlobten steht ein schnieker Gala-Abend an. Unweit der legendären Rennstreckenkurve zieht Ralf eine emotionale Ortsbilanz. Knapp acht Jahre lebte er in Monaco. Er genoss "den Lifestyle und die Freiheit", erkannte aber auch die Schattenseiten der Glitzerstadt. "Für meinen Sohn David wollte ich einfach ein anderes Leben", so der ehemalige Rennfahrer. In Monaco lernte er später Étienne kennen. "Dass die Stadt mein Leben noch einmal so verändern würde, hätte ich nicht gedacht", gesteht Ralf, während sein Blick über die Dächer der Stadt wandert.
Von Monaco aus geht's nach Kerpen. Auf der alten Kartbahn seiner Eltern sorgt das Erscheinen von Ralf mit Étienne erwartungsgemäß für viel Trubel. Jeder will ein Foto mit dem ehemaligen Formel-eins-Profi machen, eine Situation, die Étienne so nicht kennt - zumindest nicht in dem Ausmaß.
Erinnerungen werden wach, an schöne, aber auch sehr herausfordernde Zeiten. Die Eltern betrieben nicht nur die Kartbahn, sondern auch die interne Gaststätte. Ralfs Mutter war gelernte Fleischerei-Fachverkäuferin, Papa Rolf war Maurer und baute Öfen zusammen. Das Geld war oft knapp. "Meine Eltern standen finanziell oft unter immensem Druck", verrät Ralf. Der Motorsport war teuer. Daran hat sich bei heute nichts geändert.
In der Formel-4-Werkstätte macht nicht nur Étienne große Augen. Wer ganz nach oben will, der fängt nach dem Kartsport in der Formel 4 an. "Da liegt das Budget für ein Jahr bei ungefähr einer Million Euro", so Ralf.
Es geht weiter nach Manheim-Alt. Hier sind Ralf und sein Bruder aufgewachsen. Der alte Kerpener Stadtteil musste einst dem Tagebau Hambach weichen. Heute erinnern nur noch einige verlassene, abbruchreife Häuser an ein Dorf, das laut Ralf "alles hatte, was man brauchte". Irgendwann musste sogar das Grab von Ralfs verstorbener Mutter umgebettet werden. Die vergessene und öde Friedhofsfläche: kein schöner Anblick.
"Was ist Luxus?"
Der in der Öffentlichkeit oftmals unnahbar und aufgeräumt wirkende Ralf, entpuppt sich als sensibler Mensch mit bodenständiger Attitüde. Der große Rummel und das glamouröse Tamtam sind ihm schon lange nicht mehr wichtig. "Was ist Luxus?", fragt Ralf. "Gesundheit ist wichtig", sagt er.
Zurück in Saint-Tropez steht beim Notar der Ehevertragstermin an. Die Güterteilung ist dem Paar sehr wichtig, denn niemand soll glauben, dass sich Étienne nur in eine reiche Familie reinheiraten möchte. "Es gibt immer wieder Idioten da draußen, die das denken", erzürnt sich Ralf.
Nun sind es nur wenige Tage bis zum dreitägigen Hochzeitsfest. Noch einmal geht man die Tischordnung durch: "Alkohol und Musik sollten schon für eine gute Atmosphäre sorgen", grinst Étienne. Ralf bekommt noch einen kurzen Französisch-Crashkurs. Und die Bürgermeisterin von Saint-Tropez lädt zur Standesamt-Besichtigung ein. Der Countdown läuft.