TV

Der Schnellcheck zum "Tatort" Hollywood liegt nicht am Rhein

2_Tatort_Hetzjagd.jpg

Kommissarin Stern (Lisa Bitter, M.) versucht, die Freundin des Ermordeten zu trösten.

(Foto: SWR/Jacqueline Krause-Burberg)

Mörderische Rechtsradikale, eine überforderte und unterbesetzte Polizei und ein zwielichtig agierender Verfassungsschutz: "Hetzjagd" nimmt sich gleich einige der großen Themen der vergangenen Jahre vor. Das ist wichtig und gut. Aber ist es das auch in Ludwigshafen?

Was passiert?

"Rock gegen Rechts"-Konzertveranstalter Tillmann Meinecke (Tom Sommerlatte) wird beim Joggen am Rheinufer mit drei Schüssen niedergestreckt, es ist eine regelrechte Hinrichtung. Die Tat kommt allerdings nicht aus heiterem Himmel: Schon seit Monaten erhielt Meinecke Todesdrohungen aus der rechten Szene und wandte sich mit der Bitte um Polizeischutz sogar an Kommissarin Odenthal (Ulrike Folkerts). Die hat allerdings nur wenig Zeit, um sich wegen der abgewiesenen Bitte Vorwürfe zu machen, weil die mutmaßlichen Täter auf ihrer Flucht auch noch eine Polizistin erschießen. Während der Schütze verhaftet werden kann, gelingt seiner Freundin Hedwig Joerges (Anne-Marie Lux) die Flucht.

3_Tatort_Hetzjagd.jpg

Eine der besseren Szenen: Die flüchtige Nazibraut (Anne-Marie Lux, r.) und die Freundin des Ermordeten (Anna Herrmann) kommen sich näher.

(Foto: SWR/Patricia Neligan)

Bei ihrer verzweifelten Suche nach der Flüchtigen stoßen Kommissarin Odenthal und ihre Kollegin Stern (Lisa Bitter) schnell auf Ungereimtheiten: Im privaten Umfeld des Ermordeten brodelte es ganz gewaltig, vor allem die Mutter der Freundin schien einen merkwürdigen Groll auf Meinecke zu haben. Und was hat eigentlich der Verfassungsschutz mit der ganzen Sache zu tun?

Worum geht es wirklich?

"Hetzjagd" greift einen bunten Blumenstrauß an Themen auf: Es geht einerseits mal wieder um den Personalnotstand innerhalb der Polizei und dessen potenziell tödliche Folgen, andererseits um die zunehmende Spaltung der Gesellschaft und die Radikalisierung am (rechten) Rand.

Wegzapp-Moment?

Derer gibt es, wie aus Ludwigshafen gewohnt, gleich mehrere. Ein gutes Beispiel ist aber mit Sicherheit die Szene, in der die ermordete Polizistin im Traum der flüchtigen Rechtsradikalen erscheint: Wie sie da aus dem Wasser auftaucht und plötzlich eine Schusswunde auf ihrer Stirn erscheint, das erinnert an Hollywood-Produktionen - nur eben in schlecht.

Wow-Faktor?

Mehr zum Thema

Die zufällige Begegnung zwischen der flüchtigen Nazibraut und der verzweifelten Freundin des Ermordeten ist das, was einem Wow-Moment wohl am nächsten kommt. Vielleicht auch, weil die Macher an dieser Stelle ein bisschen am Pathos sparen, das den Rest des Films ansonsten wie eine klebrige Glasur überzieht.

Wie ist es?

5,5 von 10 Punkten. Wie gewohnt versucht der Ludwigshafener Quasi-Stamm-Regisseur Thomas Bohn, seine Botschaften mit dem Holzhammer an die Zuschauer zu bringen. Das fühlt sich auch diesmal eine Nummer zu groß an, ist im direkten Vergleich mit dem erst kürzlich ausgestrahlten "Unter Wölfen" aber trotzdem noch einer der besseren Fälle vom Rhein.

Quelle: ntv.de