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"Tatort: Showtime" aus KölnLicht, Kamera, Anschiss!

12.04.2026, 21:45 Uhr
imageVon Ingo Scheel
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Die Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk sind im "Tatort" hinter den Kulissen einer Kindersendung im Einsatz. (Foto: WDR/BAVARIA FICTION/Martin Valentin Menke)

Ballauf und Schenk ermittelten diesmal in der Fernsehwelt. Ausgerechnet eine Kindersendung entpuppte sich als Tummelplatz für Choleriker und Chauvinisten. Was wohl die Maus dazu sagen würde?

"Nach über 90 Fällen für Ballauf und Schenk war es für uns einfach höchste Zeit, dass sie mal den Bösewichten hinter den Kulissen des Fernsehgeschäfts das Handwerk legen", erklärt Arne Nolting, zusammen mit Jan Martin Scharf, Autor von "Showtime", die Beweggründe für das ungewöhnliche Setting. Kinderfernsehen als Schauplatz von Mord und Intrigen? "Die Idee kam von WDR-Redakteur Götz Bolten. Wir haben dann die Geschichte entwickelt und uns immer weiter von realen WDR-Kinderfernsehproduktionen und darin involvierten Personen entfernt - die nämlich alle sehr nette Menschen und jeder mörderischen Tendenz unverdächtig sind."

So weit, so versöhnlich. Tatsächlich möchte man sich nicht vorstellen, dass Christoph Biemann von der "Sendung mit der Maus" womöglich das Set zusammenbrüllt, wenn der grüne Pullover mal wieder nicht richtig gebügelt ist. Oder Checker Tobi - so wie Frank Anders (Max Giermann) in einer besonders schauerlichen Szene - unschuldige Casting-Kinder dazu zwingt, von hohen Bäumen zu springen und dabei womöglich auch noch freundlich in die Kamera zu gucken. Und was, wenn sich hinter der Brille von Ralph Caspers ein notorischer Nörgler verbirgt, der zwar dufte erklären kann, warum Vögel fliegen können, tatsächlich jedoch ein durchtriebener Manipulator ist?

Ist natürlich nicht so, alles nur zutiefst theoretisch und dennoch - mit "Sachen und Lachen" war man allein vom Sendungstitel her nicht so weit von den "Lach- und Sachgeschichten" entfernt. Ein Tapir statt Maus und Elefant - auch das weckte einiges an Assoziationen. Mit Blick auf Max Giermann, der dem Affen in seiner Rolle als moderierender Kinderschreck ordentlich Zucker gab, ist man auch schnell dort, wo es wehtut: Man denke nur an Klaus Kinski, von Giermann fast originaler als das Original verkörpert, und dessen Habit am Set seiner Filme unter der Regie von Werner Herzog - eine zwischenmenschliche Abnutzungsschlacht, mit allen erdenklichen Waffen geführt. In Großbritannien zog einst Jimmy Savile über Jahrzehnte ungehindert seine Kreise, in der Öffentlichkeit ein Wohltäter und skurriler Kumpeltyp, tatsächlich jedoch ein hundertfacher Sexualstraftäter, der das Wort 'toxisch' ganz neu buchstabierte.

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Schlagabtausch auf offener Bühne. Der Puppenspieler Yassin Meret (Erkan Acar, l) bietet dem Moderator Frank Anders (Max Giermann) die Stirn. (Foto: WDR/BAVARIA FICTION/Martin Valentin Menke)

Eleganter dramaturgischer Kniff

Die Parallelwelt des Fernsehens, ein Kosmos der Menschenfreunde? Zumindest im Kölner "Tatort" das komplette Gegenteil. Spaß hatten die Beteiligten, so hört man, natürlich dennoch. Dietmar Bär etwa, der selbst bereits an Kinder- und Jugendfilm-Projekten beteiligt war, dem kleinen Bär im Janosch-Animationsfilm "Oh, wie schön ist Panama" (2006) seine Stimme lieh, in "Vorstadtkrokodile 2" (2010) mitspielte und Wickies Vater Halvar in "Wickie und die starken Männer" synchronisierte. "Freddy Schenk trifft hier ja den lustigen TV-Helden seiner Enkelin und ist, trotz dienstlicher Mission, ein wenig aufgeregt, hier echten 'Promis' zu begegnen", so Bär. "Die menschliche Ernüchterung folgt schnell. Die Kolleginnen und Kollegen um unsere Szenenbildnerin Michaela Schumann haben bei der Gestaltung des Studios gute Arbeit geleistet und mit liebevollen Details ein entzückendes Kindersendung-Setting gebaut; wir hatten alle viel Spaß!"

Dass bei allem Spaß das kriminelle Entertainment nicht zu kurz kam, dafür sorgte ein dramaturgischer Kniff, den Arne Nolting und Jan Martin Scharf ausgesprochen elegant eingepasst hatten. Dass es sich bei dem in Rückblenden gezeigten Heimkind um die spätere Praktikantin Marie (Bineta Hansen) - und damit um Frank Anders' Mörderin - handelte, erwies sich als schmucke Pointe. Und einen so cholerischen Rant zum Abschluss einer "Tatort"-Folge - zudem von einem der Dahingerafften - bekommt man auch nicht alle Tage zu sehen.

Quelle: ntv.de

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