Panorama

Prozess gegen Gefängnismediziner 500 Babys während Militärdiktatur entführt

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(Symbolbild)

(Foto: REUTERS)

Mehrere Ärzte stehen in Argentinien wegen Kindesraub vor Gericht. Sie sollen während der Militärdiktatur bis zu 500 Kinder in Gefängnissen von ihren Müttern entführt und an Paare weitergegeben haben. Von den inhaftierten Frauen fehlt bis heute jede Spur.

In Argentinien wird erstmals Ärzten der Prozess gemacht, die am Raub von Babys während der Militärdiktatur beteiligt gewesen sein sollen. Angeklagt in dem Verfahren, das am Mittwoch in Buenos Aires begann, sind zwei frühere Ärzte und eine ehemalige Hebamme. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, "wesentliche Beihilfe" zum Raub von Kindern geleistet zu haben, die von oppositionellen Frauen in der Haft geboren wurden.

Laut Anklage halfen die Angeklagten dabei, die wahre Identität der Babys zu verbergen und diese an Familien zu übergeben, die vom Militärregime die Genehmigung bekommen hatten, sie als ihre eigenen Kinder aufzuziehen. Nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen wurden auf diese Weise während der Militärdiktatur zwischen 1976 und 1983 etwa 500 Säuglinge gestohlen. Bei bislang 115 dieser geraubten Kinder kam später die wahre Identität ans Licht.

Der Prozess dreht sich unter anderem um das Schicksal des heute 36-jährigen Francisco Madariaga und seiner Mutter. Madariaga entdeckte seine echte Identität erst vor fünf Jahren. Seine damals 24-jährige Mutter war verschleppt worden, als sie im siebten Monat schwanger war. Auf der Militärbasis Campo de Mayo nahe Buenos Aires wurde sie gefoltert und brachte in einer geheimen Geburtsstation ihren Sohn zur Welt.

Leibliche Mütter bis heute "verschwunden"

Bei der Geburt assistierte laut Anklage die in dem Prozess angeklagte, heute 86-jährige Hebamme Luisa Yolanda Arroche, die am ersten Prozesstag keine Aussage machte. Direkt nach seiner Geburt wurde Francisco Madariaga einem Paar übergeben, das ihn als sein eigenes Kind ins Geburtenregister eintragen ließ. Seine Mutter gilt bis heute als "verschwunden".

Insgesamt dreht sich der Prozess um die Schicksale von neun in Campo de Mayo ihren Müttern geraubten Kindern. Der Prozess sei "ein weiterer Schritt, um etwas Frieden zu erlangen", sagte zum Prozessauftakt mit gebrochener Stimme Laura Catalina de Santis Ovando, die ebenfalls in dem Foltergefängnis von Campo de Mayo zur Welt kam und ihrer Mutter weggenommen wurde. Ihre Mutter war im Alter von 17 Jahren inhaftiert worden, als sie im sechsten Monat schwanger war, und ist ebenfalls bis heute "verschwunden".

In dem Prozess angeklagt sind auch der Ex-Kommandeur der Militärbasis, Santiago Omar Riveros, und der frühere Militärdiktator Reynaldo Bignone. Beide büßen bereits Gefängnisstrafen ab. Bignone, der vom Juli 1982 bis Dezember 1983 die Militärjunta angeführt hatte, war bereits 2012 in einem vorherigen Prozess um den systematischen Kinderraub zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Zuvor war er bereits wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Quelle: ntv.de, lsc/AFP

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