Panorama

250 Vermisste nach Lawine in Nepal Acht Millionen von Erdbeben betroffen

Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass in Nepal rund acht Millionen Menschen von dem Erdbeben betroffen sind. Hilfe ist unterwegs und während zwischen den Organisationen Revierkämpfe. drohen gibt es eine neue Hiobsbotschaft.

Nach dem Abgang einer neuen Lawine im nepalesischen Erdbebengebiet werden bis zu 250 Menschen vermisst. Möglicherweise seien darunter ausländische Touristen, sagte Gouverneur des Bezirks Rasuwa, Uddhav Bhattarai, der Nachrichtenagentur Reuters. Die Lawine habe zur Mittagszeit das Dorf Ghodatabela getroffen, das in einem Naturpark liege. Die Region nördlich der Hauptstadt Kathmandu ist bei Wanderern beliebt. "Wir versuchen sie zu retten, aber schlechtes Wetter und Regen behindern die Arbeit", sagte Bhattarai.

Es ist eine neue Hiobsbotschaft aus der Katastrophenregion, in der laut Einschätzung der Vereinten Nationen mittlerweile etwa acht Millionen Menschen von dem schweren Erdbeben betroffen sind. Mehr als 1,4 Millionen davon bräuchten Nahrungsmittel, berichtete das Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA). Wasser und Unterkünfte würden benötigt. Für die Gesundheitsversorgung müssten Zelte, Medikamente und chirurgische Geräte ins Land gebracht werden. Auch Leichensäcke würden gebraucht.

Die UN-Organisation erklärte, sie habe die Zahl ohne Vor-Ort-Begehung ermittelt. Sie sei errechnet anhand von Zensusdaten und der Annahme, dass 50 Prozent der Bevölkerung in den Distrikten betroffen sind. Dazu gehörten vor allem diejenigen Menschen, die in schlechten Häusern mit schwachen Mauern leben.

Revierkämpfe befürchtet

Experten fürchten unterdessen regelrechte Revierkämpfe zwischen den unterschiedlichen Hilfsorganisationen. "Nach einem solchen Erdbeben ist die Situation vollkommen chaotisch. In der Frage der Priorisierung von Hilfsmaßnahmen spielt auch eine Rolle, wer - im übertragenen Sinne - noch am lautesten schreien kann. Das sind aber nicht die wirklich Hilfsbedürftigen", sagte der Greifswalder Bevölkerungsschutz-Forscher Malte Schönefeld.

"Machtfragen und politische Interessen sind nicht zu unterschätzen", erläuterte Schönefeld. "Für eine erfolgreiche Hilfe ist aber Koordination notwendig. Sonst gibt es auf der einen Seite Lücken in der Hilfeleistung und auf der anderen Überlappungen." Die UN seien als internationale Instanz koordinierend tätig, da sich die vielen Hilfsorganisationen "sonst ständig in die Quere" kämen. "Sie agieren ja quasi auf Augenhöhe."

Das Erdbeben am Samstag hatte eine Stärke von 7,8. Damit war es das stärkste Beben in Nepal seit mehr als 80 Jahren. Über 5000 Menschen so heißt es aus dem nepalesischen Innenministerium, starben in Folge der Naturkatastrophe, über 10.000 wurden verletzt. Und auch in den Nachbarländern Indien und China gab es Todesopfer, ihre Zahl wird auf etwa 100 geschätzt.

Quelle: n-tv.de, tno/bdk/dpa/rts/AFP

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