Panorama

Kampf gegen Corona Afrika nutzt die Ebola-Erfahrung

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Auch im Senegal sind am Airport erste Sicherheitsmaßnahmen ergriffen worden.

(Foto: imago images/Le Pictorium)

26 afrikanische Staaten melden Fälle von Corona-Infektionen. Die Gesundheitssysteme vieler Länder könnten mit Tausenden Patienten überfordert sein. Doch die Behörden können auf die Erfahrungen vergangener Krisen zurückgreifen.

Äthiopiens Premierminister Abiy Ahmed twitterte am Wochenende seinen Dank an den reichsten Chinesen der Welt. Online-Unternehmer und Multimilliardär Jack Ma hatte dem Politiker kurz zuvor ein Corona-Hilfspaket für den gesamten afrikanischen Kontinent zugesagt: 100.000 Schutzmasken und bis zu 20.000 Diagnosetests für jedes Land. Dazu Handbücher zur Behandlung von Infizierten, basierend auf den Erfahrungen chinesischer Mediziner der vergangenen drei Monate. Ma und Ahmed pflegen seit einer Weile gute Beziehungen. Im November hatten sie vereinbart, dass Mas Internetkonzern Alibaba den Ostafrikanern die digitale Infrastruktur für deren noch nicht existierenden Onlinehandel aufbaut.

Die Hilfe aus dem Ursprungsland des Coronavirus könnte Afrika in Kürze noch sehr gut gebrauchen. Bislang hielt sich die Zahl der diagnostizierten Infektionen im Vergleich zu Europa zwar stark in Grenzen. Äthiopien beispielsweise meldete erst am vergangenen Freitag seinen ersten Fall. Es war ein Japaner, der mehr als eine Woche zuvor aus Burkina Faso eingereist war. Doch von 54 afrikanischen Ländern sind inzwischen schon 26 in allen Himmelsrichtungen betroffen. Am Wochenende kamen fünf Staaten dazu. Schwerpunkte der Ausbreitungen sind bislang Ägypten mit 67 Fällen und Südafrika, wo es 61 sind. Die meisten Länder verzeichneten bis Montagmorgen jedoch noch weniger als zehn Fälle.

Wie überall sonst auf der Welt sind die aktuellen Zahlen allerdings nur ein Blick in die Vergangenheit. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass in den kommenden Tagen und Wochen ein deutlicher Anstieg der Infektionenszahlen registriert wird. Afrikaexperten warnen, dass besonders solchen Ländern mit unterentwickelten Gesundheitssystemen eine hohe Sterblichkeitsrate droht. In vielen Staaten lässt die Qualität der Versorgung abseits der großen Städte drastisch nach. Die Regierungen der Regionen sind alarmiert, und viele handeln schnell und entschlossen. Ihnen kommen wertvolle Erfahrungen zugute, die sie während des Ebola-Ausbruchs 2014 bis 2016 sammelten.

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Ghana ohne Infektion - aber mit Hilfspaket

Eines der damals am stärksten betroffenen Länder war Liberia an der Westküste. Mosoka Fallah berät die Regierung bei Infektionskrankheiten. Im "Time"-Magazin sagte er: "Wir haben damals auf die harte Tour gelernt. Ebola hat uns förmlich umgehauen. Aber jetzt wissen wir, dass wir nichts unterschätzen dürfen. Wir wissen, wie wichtig es ist, vorbereitet zu sein."

In Gabun in Zentralafrika machten die Behörden nur einen Tag nach der ersten positiven Diagnose alle Schulen des Landes dicht und verboten Versammlungen mit mehr als 50 Menschen. Clubs und Bars bleiben bis auf Weiteres geschlossen. Auch in Algerien bleiben die Schulen in den kommenden Wochen zu. Marokko hat strikte Grenzkontrollen eingeführt und zudem Flüge aus zahlreichen europäischen Staaten, darunter Deutschland, ausgesetzt. Südafrika verweigert Reisenden aus Risikoländern die Einreise. Gefängnisinsassen dürfen in den kommenden 30 Tagen nicht von Angehörigen besucht werden.

In Kenia, Ruanda und Senegal wurden umgehend alle öffentlichen Veranstaltungen untersagt. In Ghana stellte die Regierung 100 Millionen US-Dollar zur Seuchenbekämpfung zur Verfügung, schon ehe die erste Infektion bekannt wurde. Uganda nimmt an seinen internationalen Flughäfen Ankömmlinge aus 16 Risikostaaten mit einer Desinfektions-Dusche in Empfang. Verdächtige Personen müssen wie auch in der Demokratischen Republik Kongo zunächst in Quarantäne. Tansania hat Isolationszentren eingerichtet und bereitet 2000 Pflegekräfte auf ihren Einsatz vor. Viele afrikanische Luftlinien haben auch den Flugverkehr nach China eingestellt.

Erster Toter in Ägypten - ein Deutscher

Eine Studie des renommierten medizinischen Fachmagazins "The Lancet" kam Ende Februar allerdings zu dem Schluss: "Ausgesetzte Flugverbindungen nach China mögen das zukünftige Risiko neu verteilen. Aber es ist nicht zu erwarten, dass sie die Einfuhr (des Virus) verhindern." Zumal die meisten Infektionen aus Europa nach Afrika eingeschleppt worden sind. Die staatliche äthiopische Fluggesellschaft pendelt aber weiterhin. China ist Afrikas wichtigster Handelspartner. Tausende chinesische Firmen sind auf auf dem Kontinent vertreten.

Dennoch passieren Fehler. Die ägyptischen Behörden zögerten zu lange mit konsequenten Maßnahmen, nachdem sie Anfang März von der Infektion einer Touristin auf einem Nildampfer Kenntnis bekommen hatten. Sie ließen das Schiff erneut mehrfach auf Rundfahrt gehen, Dutzende Crewmitglieder und Passagiere infizierten sich und verbreiteten das Virus.

Farouk Hamed ist Ägypter. Große Teile seiner Familie leben in Kairo, er selbst in Spanien. Er fürchtet, dass sein Heimatland in Kürze von Corona-Infektionen überschwemmt werden könnte. "Die Behörden in Ägypten sind traditionell sehr langsam, und das Gesundheitssystem ist nicht optimal vorbereitet. Aber problematisch ist auch die Mentalität der Leute. Wenn in Deutschland die Behörden raten, das Haus nicht zu verlassen, dann halten sich 70 Prozent der Leute daran. Wenn die Behörden das in Ägypten tun, kümmert es die Mehrheit der Menschen nicht", sagt Hamed.

Ägypten verzeichnete vergangene Woche auch das erste Todesopfer auf dem afrikanischen Kontinent. Es handelte es sich nach Angaben des örtlichen Gesundheitsministeriums um einen 60-jährigen Touristen aus Deutschland. Der Mann habe sich nach seiner Ankunft im Land geweigert, in die Quarantäne zu gehen, heißt es. Eine Woche später verschlechterte sich sein Zustand dramatisch. Nach seiner Aufnahme in ein Krankenhaus wurde er positiv getestet. Nur einen Tag nach der Diagnose verstarb er.

Quelle: ntv.de