Panorama

Tödlicher Brand in London Angeblich kein Feueralarm im Hochhaus

Der Brand im Grenfell Tower in London kostet Menschenleben. Nun kommt heraus, dass sich Anwohner schon länger über mangelnden Brandschutz beschweren. Überlebende des Feuers sagen, sie seien nicht durch einen Feueralarm gewarnt worden.

Mehrere Tote und Dutzende Verletzte - der Brand im Londoner Grenfell Tower ist eine Katastrophe. Der Brandschutz soll völlig unzureichend gewesen sein. Anwohner hatten schon vor über einem Jahr vor Brandschutzproblemen gewarnt. Nun könnten ihre Befürchtungen wahr geworden sein. Mehrere Bewohner, die sich vor dem Feuer in dem Hochhaus in Sicherheit gebracht hatten, sagten, es habe überhaupt keinen Feueralarm gegeben.

Zum Beispiel sagte das Paul Munakr gegenüber der BBC. Er wohnte im siebten Stock des Grenfell Towers. "Ich schaffte es aus dem Gebäude, nicht wegen eines Feueralarms oder so etwas, sondern durch Menschen, die unten standen und den Leuten zuschrien, 'springt nicht, springt nicht vom Gebäude'", so Munakr.  Bei dem Brand kamen mindestens sechs Menschen ums Leben, Dutzende wurden verletzt. Die Brandursache ist nach wie vor unklar.

Sky News UK zitiert einen namentlich ungenannten Bewohner des Hochhauses. Auch er sagte, es habe keinen Feueralarm gegeben. Dass er raus müsse habe er dadurch mitbekommen, dass jemand an seine Tür im vierten Stock geklopft habe, sagte er. Erst als er und seine Familie schon draußen waren, habe er einen Alarm gehört.

Ein anderer Bewohner sagte Sky News, es habe einen Alarm gegeben, allerdings sei der "sehr, sehr leise" gewesen. Ein Bewohner aus dem 17. Stock sagte dem "Guardian": "Wir sahen Feuerwehrwagen, also schauten wir raus, um zu sehen, was los ist. Da war kein Feueralarm, weil wir diese Art von integriertem Brandwarnsystem nicht haben", sagte er. Auch von fehlenden Sprinkleranlagen war in sozialen Netzwerken die Rede.

Anwohner warnten vor Katastrophe

Anwohner beschwerten sich schon seit Längerem über unzureichenden Brandschutz im Grenfell Tower. Die Anwohnerinitiative "Grenfell Action Group" schrieb nach dem tödlichen Brand auf ihrer Internetseite "Alle unsere Warnungen sind auf taube Ohren gestoßen und wir haben vorhergesehen, dass eine Katastrophe wie diese unausweichlich ist." Die Initiative versuchte nach eigenen Angaben mehrmals, den Bezirk Royal Borough of Kensington and Chelsea zu warnen. Dieser ist Eigentümer des Gebäudes.

Das Hochhaus befindet sich nordwestlich vom Hyde Park im Viertel North Kensington. Es ist 43 Jahre alt und wurde erst vor Kurzem saniert. Laut BBC News dauerte die Sanierung zwei Jahre und wurde vergangenes Jahr abgeschlossen. Dazu gehörten demnach eine neue Fassade und eine Heizanlage.

Während der Sanierungsarbeiten häuften sich offenbar Abfälle am Gebäude an, was eine potenzielle Gefahr ist, sollte es zu einem Brand kommen. Schon vor über einem Jahr schlugen Anwohner auch deshalb Alarm. "Besonders besorgniserregend" sei, dass es während der Bauarbeiten nur einen Ein- und Ausgang im Grenfell Tower gebe, schrieb die Bürgerinitiative in einem Blog-Eintrag vom 24. Januar 2016. Bei einem Feuer könnten die Bewohner daher "ohne Ausweg" in dem Gebäude in der Falle sitzen.

Grenfell Tower besteht aus 120 Wohnungen. Angeblich gab es für die 24 Stockwerke nur eine Treppe und damit nur eine Fluchtmöglichkeit. Schließlich dürfen Aufzüge bei einem Feuer nicht benutzt werden. Dass es nur eine Treppe gab, soll ein Grundriss zeigen, der in sozialen Netzwerken geteilt wird. Allerdings gibt es keine Bestätigung dafür, dass es wirklich der Grundriss vom Grenfell Tower ist.

Experten befürchten keinen Einsturz

In Medienberichten hieß es zunächst, es gebe Befürchtungen, das Gebäude könnte einstürzen. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie immer wieder Trümmerteile herunterfielen. Später hieß es dann aber von der Feuerwehr, es scheine keine Einsturzgefahr zu bestehen. Ein Ingenieur überwacht die Stabilität des Gebäudes.

Auch Albrecht Broemme, der Präsident der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW), glaubt nicht, dass das Gebäude einstürzen wird. Bei n-tv sagte er: "Hier haben wir einen Brand gehabt, der über mehrere Geschosse, über Stunden gelaufen ist. Da sieht man schon, wie gut und wie stabil die Bauweise in Europa ist." Er vermutet jedoch, dass es bautechnische Gründe gibt, warum der Brand so aus dem Ruder gelaufen ist.

Quelle: ntv.de, hul