Panorama

Wohnen neben Flüchtlingen Angst vor und mit den neuen Nachbarn

3rkl5327.jpg1604294220295099942.jpg

Flüchtlinge auf dem Weg von Ungarn nach Deutschland.

(Foto: dpa)

Eine Veranstaltung, wie sie derzeit überall in Deutschland stattfinden: Ein Landrat und ein Bürgermeister informieren über eine neue Flüchtlingsunterkunft. Eine Frau fürchtet Vergewaltiger. Sie ist nicht die Einzige, die Angst hat.

Ein Abend in einer Gemeinde in Brandenburg, ein paar Kilometer außerhalb von Berlin. Der Landrat hat die Einwohner eingeladen, um gemeinsam mit dem Bürgermeister über eine neue Flüchtlingsunterkunft zu informieren und Fragen zu beantworten.

Veranstaltungen wie diese gibt es derzeit ständig in Deutschland. Die Bundesregierung rechnet mit 800.000 Flüchtlingen im laufenden Jahr, untergebracht werden sie in den Kommunen. Das kostet Geld, das geht oft nicht spannungsfrei ab. Der Chef der zuständigen Polizeiinspektion, der an diesem Abend ebenfalls gekommen ist, informiert über Straftaten, die in und um Asylbewerberheimen begangen werden. Einbrüche oder gar Vergewaltigungen gehören nicht dazu, die meisten Straftaten würden ohnehin in den Gebäuden stattfinden, zwischen den Flüchtlingen. "Wenn man Leute aus 16 Bundesländern auf engem Raum unterbringen würde, dann würde es auch Probleme geben", resümiert der Polizist.

Die Stimmung im Saal ist durchwachsen. Es gibt viele kritische Fragen, auch deutliche Kritik daran, dass es nicht genug Lehrer und Polizisten gibt. Ein Mann schimpft auf Medien und Politik, wird aber ignoriert. Darauf verlässt er, noch immer leise schimpfend, den Raum.

Eine Frau sagt, sie wohne in der Nähe der Unterkunft und habe Angst. Die jungen Männer, die ja meist allein unterwegs sind, hätten schließlich "gewisse Bedürfnisse". Der Polizist verweist darauf, dass im Umfeld der Flüchtlingsunterkünfte des Landkreises keine entsprechenden Delikte registriert worden seien. Die Frau glaubt ihm nicht, vielleicht will sie ihm auch nicht glauben.

Später steht ein anderer Anwohner auf. Er gehe abends immer mit dem Hund raus, sagt er. Da komme er auch an dem Heim vorbei. Mit ein paar der jungen Männer sei er schon öfter ins Gespräch gekommen. Einige von denen seien gar nicht so jung. Das seien zum Teil Familienväter, deren Frauen und Kinder in Ländern wie Libyen seien. Der Mann kämpft jetzt mit den Tränen. "Die haben mehr Angst um ihre Familien, als wir je haben müssen."

Quelle: ntv.de