Panorama

Impfstoff bleibt "knappes Gut" Ärzteverband gegen Ende der Priorisierung

Ein Bundesland nach dem anderen weicht die mühsam ausgehandelte Impfreihenfolge auf. Die Chefin des Ärzteverbandes Marburger Bund hält das für keine gute Idee. Mehr Menschen konkurrieren nun um das weiter knappe Gut Impfstoff. Die Verteilung lastet auf den Ärzten.

Die Chefin des Ärzteverbandes Marburger Bund, Susanne Johna, hat vor der Aufhebung der Impfpriorisierung in Arztpraxen gewarnt. Dadurch gebe es nicht mehr Impfstoff, "sondern einfach noch mehr Menschen, die um ein knappes Gut konkurrieren", sagte Johna im Deutschlandfunk. Wer besonders drängele, komme dadurch möglicherweise früher zum Zug, als Menschen, die besonders geschützt werden müssen. Schon jetzt fühlten sich viele niedergelassene Ärzte "wie die letzte Mauer" bei der Impfstoffvergabe.

In mehreren Bundesländern endet in dieser Woche die Priorisierung bei den Corona-Impfungen in Arztpraxen. Die Impfpriorisierung habe nicht nur die Menschen vorgezogen, die ein Risiko hatten, schwer zu erkranken - sondern habe auch Menschen mit einem geringeren Risiko eine Vorstellung davon gegeben, wann sie drankommen, sagte Johna. "Wenn ich jetzt gleichzeitig allen Menschen die Vorstellung gebe, sie könnten drankommen, gleichzeitig aber das Gut so knapp ist, dass das gar nicht möglich ist, führt das doch zu Frustration."

Mit Blick auf möglicherweise verkürzte Impfabstände, um etwa früher in den Urlaub zu kommen, sagte Johna: "Das ist einfach medizinisch nicht sinnvoll und so dürfen wir mit dem knappen Gut nicht umgehen."

Berlin und Baden-Württemberg preschen vor

Als erste Bundesländer haben Berlin und Baden-Württemberg ab sofort die bisher geltende Priorisierung alter, vorerkrankter oder beruflich besonders gefährdeter Menschen aufgehoben - allerdings nur in Arztpraxen: Hausärzte dürfen somit frei entscheiden, welche Patienten sie zuerst impfen, ohne Bindung an die Impfverordnung. In den Impfzentren bleibt die Priorisierung vorerst bestehen.

Mehr zum Thema

Als drittes Land will voraussichtlich noch im Laufe der Woche Bayern die Priorisierung aufheben. Sachsen hat angekündigt, am 24. Mai zu folgen und Hausärzten ab dann freie Wahl zu lassen, wen sie mit allen zugelassenen Impfstoffen impfen wollen. Auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat sich für ein Ende der Impfpriorisierung ausgesprochen.

Über die Priorisierung bestimmter Gruppen war monatelang gerungen worden. Gruppen, die besonders gefährdet sind, schwer an Covid-19 zu erkranken oder zu sterben, als erste zu schützen. Dem entsprechenden Plan zufolge ist derzeit eigentlich die Prioritätsgruppe 3 an der Reihe, zu der unter anderem Menschen im Alter zwischen 60 und 70 Jahren, gesundheitlich vorbelastete Menschen sowie Angestellte im Lebensmitteleinzelhandel gehören.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.