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In der Regel sind Dönerspieße keine Frischware, sondern tiefgekühlt.
In der Regel sind Dönerspieße keine Frischware, sondern tiefgekühlt.(Foto: imago/imagebroker)
Donnerstag, 30. November 2017

Diskussion über Phosphate: Das "drohende Döner-Aus" ist Nonsens

Von Christian Herrmann

Phosphate sind nicht gut für die Gesundheit, aber weit verbreitet in der Lebensmittelindustrie. Auch im Dönerfleisch steckt der Zusatzstoff. Dass ausgerechnet das Kult-Fast-Food deswegen verboten werden könnte, ist Quatsch.

Phosphate sind in der Lebensmittelindustrie eine Allzweckwaffe. Sie garantieren Farbe und Geschmack einer typischen Cola, machen Schmelzkäse weich und Würstchen saftig. Auch in vielen anderen Produkten werden sie als Geschmacksverstärker, Stabilisator oder Bindemittel eingesetzt. Gut für die Gesundheit ist das nicht, aber gesetzlich ist die Verwendung von Phosphaten in Getränken, Molkereiprodukten, Wurst- und Fleischwaren seit Jahren mit Grenzwerten geregelt. Doch dummerweise gibt es eine Lücke: Die Gesetzgeber haben einst Tiefkühlprodukte wie üblicherweise den Dönerspieß vergessen.

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Diese Lücke will das EU-Parlament im Dezember schließen. Auf Vorschlag der EU-Kommission stimmt es darüber ab, ob Phosphate künftig europaweit in tiefgekühltem Fleisch als Zusatzstoff erlaubt sein sollen. Zur Debatte steht also kein Verbot von Dönerfleisch, sondern eine Ausweitung der bisherigen Regelung.

Dennoch wird derzeit heiß über die Zukunft des Döners spekuliert. Der Grund: Der Umweltausschuss des Parlaments - und dort den Angaben zufolge vor allem Sozialdemokraten und Grüne, sprich: eine Minderheit - will vor der Zulassung klären lassen, wie gefährlich Phosphat für den menschlichen Körper tatsächlich ist. Die Abgeordneten verweisen auf mehrere Studien, wonach es Gesundheitsbedenken beim Einsatz des Zusatzstoffes in Nahrungsmitteln gebe.

Veto ohne Mehrheit

Für dieses Veto müssten Sozialdemokraten und Grüne eine absolute Mehrheit im EU-Parlament von 376 Stimmen auf die Beine stellen. Das ist nicht ausgeschlossen, aber unwahrscheinlich: Gemeinsam verfügen beide Fraktionen im Plenum nämlich nur über 240 von insgesamt 750 Abgeordnete.

Doch selbst wenn die Kritiker ihren Einspruch durchsetzen, wäre der Döner nicht in Gefahr: An der bestehenden Gesetzeslage würde sich - wie oben erklärt - nichts ändern. Stattdessen würde eine Untersuchung der Europäischen Behörden für Lebensmittelsicherheit eingeleitet, ob es neue Erkenntnisse zur Gesundheitsgefährdung durch Phosphate gibt. Erst Ende 2018 soll diese Untersuchung abgeschlossen sein.

"Der Phosphatgehalt von Döner ist eher gering"

Angenommen, es gibt ein Veto und die Lebensmittelexperten stoßen bei ihrer Prüfung auf neue Hinweise für die Gesundheitsgefährdung von Phosphaten, müssten sich Dönerfreunde selbst dann immer noch keine Sorgen um ihr Lieblingsessen machen: Im Vergleich zu anderen Lebensmittel ist der Phosphatgehalt im Döner nämlich "eher gering". Das erklärte der ernährungsmedizinische Wissenschaftler Sven-David Müller gegenüber der "Bild"-Zeitung, die diese Diskussion begonnen hatte. Das vollständige Zitat:

"Der Phosphatgehalt von Döner ist eher gering. Eine normale Portion Döner enthält gerade mal 125 mg Phosphat. Das ist nicht viel. Denn andere Lebensmittel enthalten wesentlich größere Phosphatmengen als Döner. Schmelzkäse zum Beispiel enthält sechs bis sieben Mal so viel Phosphat auf 100 Gramm. Und auch mit der gleichen Menge Schinken, Walnüssen und Würstchen nehmen Sie mehr Phosphat auf als mit einem Döner."

Sollten es Sozialdemokraten und Grüne im EU-Parlament trotz Minderheit also schaffen, die Zulassung von Phosphat in tiefgekühltem Fleisch mit ihrem Veto zu verhindern und die Lebensmittelexperten der EU neue Gesundheitsgefahren in dem seit Jahren regulierten Sektor finden, würde nicht dem Döner das Aus drohen, sondern Schmelzkäse, Nüssen, Schinken, Würstchen und anderen Lebensmitteln.

Quelle: n-tv.de