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Mittwoch, 01. Juni 2016

Jahrhundert-Bauwerk im Überblick : Der St.-Gotthard-Tunnel öffnet seine Pforten

Der St.-Gotthard-Tunnel ist Jahrhundert-Bauwerk, längster Eisenbahntunnel der Welt und Wirtschaftsmotor zugleich. Durch ihn sollen künftig fast doppelt so viele Züge wie bisher die wichtigen Industriezentren in Deutschland, Italien und der Schweiz verbinden.

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Mit 57 Kilometern Länge ist der St.-Gotthard-Tunnel der längste unter den Eisenbahntunneln. Bei der Eröffnung zeigen die Schweizer ihren ganzen Stolz auf dieses Bauwerk der Superlative. Hier die wichtigsten Daten und Fakten zu dem Jahrhundert-Werk im Überblick:

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Der Gotthard-Basistunnel gilt als Herzstück der neu ausgebauten Bahnstrecke zwischen Nord- und Südeuropa. Von dem bis 2020 geplanten Vollausbau soll vor allem der Frachtverkehr auf der Nord-Südstrecke zwischen den Hafenstädten Rotterdam und Genua profitieren. Die Bahnstrecke verbindet die Industriezentren der Anrainerstaaten Belgien, Deutschland, Italien, Niederlande und Schweiz. Der reguläre Tunnel-Betrieb soll im Dezember aufgenommen werden. Die Schweizer machten den Weg für die NEAT 1992 in einer Volksabstimmung frei. Zu der Alpentransitstrecke gehört auch der weiter westlich parallel verlaufende 35 Kilometer lange Lötschberg-Basistunnel, der bereits seit einigen Jahren in Betrieb ist. Der südlich des Gotthards gelegene und gut 15 Kilometer Ceneri-Basistunnel soll 2020 eröffnet werden.

Historisches

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Der Basistunnel ist nicht die erste unterirdische Verbindung durch das Gotthard-Massiv. 1882 wurde ein 15 Kilometer langer Eisenbahntunnel eröffnet, der damals ebenfalls der längste der Welt war. Nach wie vor ist der Tunnelbau gefährlich: Während beim Bau der ersten Bahnverbindung 199 Menschen ums Leben kamen, gab es beim neuen Basistunnel neun Tote. Seit 1980 können zudem Autos den Gotthard in einem 16 Kilometer langen Straßentunnel durchqueren.

Kosten

Der Bau des Gotthard-Basistunnels kostete gut zwölf Milliarden Franken (elf Milliarden Euro). Die Gesamtkosten für die NEAT werden vom Schweizer Verkehrsministerium mit bis zu gut 23 Milliarden Franken veranschlagt. Das ist mehr als ursprünglich geplant. Die jährlichen Betriebs- und Unterhaltskosten für den Tunnel belaufen sich nach Angaben der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) auf 68 Millionen Franken.

Güterverkehr auf die Schiene

Die Strecke durch den Gotthard-Basistunnel ist deutlich flacher als durch den bestehenden Eisenbahntunnel. Damit können längere, schwerere und mehr Güterzüge fahren - mit dem Fahrplanwechsel zum Jahresende pro Stunde und Richtung fast doppelt so viele wie heute. Anfangs rechnet die SBB mit bis zu vier Güterzügen pro Stunde und Richtung, maximal möglich sind sechs. Mit dem Vollausbau sollen ab 2020 Güterzüge bis zu 2000 Tonnen transportieren können statt bislang rund 1600 Tonnen. Die Schweiz erhofft sich von dem neuen Tunnel eine Verlagerung des Schwerverkehrs auf die Eisenbahn. Konkrete Schätzungen, wie viel mehr Fracht über die ausgebaute Strecke transportiert wird, gibt es aber nicht. Dem Verkehrsministerium zufolge dürften die Bahnbetreiber von geringeren Betriebs- und Personalkosten profitieren - unter anderem, weil sie mit einer statt bislang mit zwei Lokomotiven fahren können und keine Schiebedienste an besonders steilen Rampen nötig sind.

Das Bauwerk

Die zwei einspurigen Röhren des 57 Kilometer langen Gotthard-Basistunnels haben einen Durchmesser von knapp acht Metern und sind durch 178 Querschläge miteinander verbunden. Die im Abstand von 325 Metern angebrachten Verbindungsstücke dienen bei Notfällen als Zufluchtsort sowie als Fluchtweg in die andere Röhre. Die Gesamtlänge aller Röhren beträgt 152 Kilometer. Im Tunnel wurden 308 Kilometer Schienen und 43 Weichen verlegt. Die Bauzeit betrug 17 Jahre - die erste Sprengung erfolgte im November 1999. Konkurrenz macht dem Bauwerk nach Angaben der SBB lediglich ein 60 Kilometer langer U-Bahn-Tunnel in China. Das Online-Nachschlagewerk Wikipedia führt als bisherigen Rekordhalter den Seikan-Tunnel in Japan mit 53,9 Kilometern Länge. Der Eurotunnel der Großbritannien mit Kontinentaleuropa verbindet misst 50 Kilometer.

Reise

Die Züge können den Tunnel mit einer Höchstgeschwindigkeit von 250 Kilometern pro Stunden befahren. Personenzüge sollen in der Regel mit 200 Stundenkilometern verkehren, womit die Fahrzeit durch den Tunnel etwa 20 Minuten beträgt. Ausgelegt ist der Tunnel auf zwei Personenzüge pro Stunde und Richtung. Die Reisenden können währenddessen telefonieren und im Internet surfen. Dank der neuen Bahnstrecke soll sich die Reisezeit zwischen Zürich und Mailand nach SBB-Angaben zunächst um rund eine halbe Stunde verkürzen. Mit dem Vollausbau ist ab 2020 eine Zeitersparnis von rund einer Stunde möglich. Bei den SBB rechnet man damit, dass anfangs pro Tag rund 300 Personen- und Güterzüge durch den neuen Tunnel fahren. Überwacht und gelenkt wird der Verkehr von 150 Mitarbeitern aus einem Kommandoturm nahe dem Südportal des Tunnels.

Quelle: n-tv.de