Panorama

Hitze sorgt für explosive Mischung Droht Deutschland der "Tornado-Sommer"?

f11f0938bab75082d043a8d1b0d493c7.jpg

In Warnemünde ist es derzeit noch wenig sommerlich.

(Foto: dpa)

Das Wochenende verspricht wieder Sommerwetter. Doch mit der Hitze kommen auch Gewitter und Stürme auf Deutschland zu. Einige rufen bereits den "Tornado-Sommer" aus. n-tv Meteorologe Björn Alexander klärt auf.

n-tv.de: Einige von uns haben durch Fronleichnam als Feiertag ja ein mögliches langes Wochenende. Für die anderen beginnt das Wochenende erst noch. Wie sieht die Wetterlage aus?

Björn Alexander: Temperaturtechnisch bewegen wir uns erst einmal auf gutem Frühsommer- bis Sommerniveau. Stellenweise könnte am Wochenende auch wieder die 30-Grad-Marke geknackt werden. Jedoch nimmt mit der Wärme auch rasch die Schwüle zu und das Gewitterrisiko steigt im Tagesverlauf an.

Wird es Unwetter geben?

Die Wahrscheinlichkeit ist groß. Denn das ist schon eine relativ explosive Mischung, die da angerichtet wird: Die Luft ist energiereich und gleichzeitig schiebt sich ein kleines, aber sehr wetterwirksames Tief von Frankreich heran. Damit müssen wir leider von Südwesten her auch immer häufiger mit unwetterartigen Ereignissen rechnen.

Wie sehen die aus?

Blitzintensive Gewitter, die von Sturmböen und mittlerem bis großem Hagel begleitet sein können. Außerdem Platzregen mit Überflutungsgefahr. Selbst einzelne Tornados sind im Umfeld kräftiger Gewitterzellen nicht auszuschließen.

Ist das jetzt eigentlich ein gutes oder ein schlechtes Zeichen für unseren Sommer? Man konnte zuletzt schon mal etwas vom "Tornado-Sommer" lesen.

Das ist extrem dummes Zeug. In Deutschland gibt es pro Jahr etwa 30 bis 50 bestätigte Tornados. Und mindestens ebenso viele bis sogar deutlich mehr Verdachtsfälle. Das wird in diesem Jahr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder so sein. Zumindest gibt es keinerlei meteorologisches Indiz dafür, dass es überdurchschnittlich viel sein könnten.

Wie könnten denn Anzeichen für eine außergewöhnliche Häufung aussehen?

Das ist ja das Problem: Solche Anzeichen gibt es - für den Zeitraum von Wochen oder Monaten bzw. Jahreszeiten - ganz einfach nicht. Selbst einen Tag oder auch nur Stunden vorher ist es nicht möglich, einen Tornado konkret vorher zu sagen. Einzig das Tornadopotenzial lässt sich über einen etwas längeren Zeitraum einschätzen.

n-tv Meteorologe Björn Alexander

n-tv Meteorologe Björn Alexander

Über welchen Zeitraum sprechen wir denn da?

Ein oder vielleicht auch zwei Tage. Darüber hinaus lässt sich über längere Zeiträume (von etwa 5 bis 10 Tagen) höchstens eine erhöhte Unwetteraktivität prognostizieren. Ein Beispiel hierfür wäre der Juli 2014.

Was war denn da genau?

Während die Küsten in diesem Zeitraum einen wahren Traumsommer mit fast schon mediterranen Temperaturen erlebten, war es in einigen anderen Landesteilen ein richtiger Alptraum. Im westfälischen Münster zum Beispiel gab es sintflutartige Regenfälle mit massiven Überschwemmungen. Und das galt nicht nur dort. Denn, und jetzt komme ich auf den eigentlich Punkt zurück: Subtropische und feuchtwarme Luft unter Tiefdruckeinfluss ist ein Garant für Unwetterlagen. Und dass sich diese Situation eben über mehrere Tage halten wird, das war schon im Vorfeld relativ eindeutig.

Aber wie machen das denn die Menschen in den USA? Dort gibt es doch viel mehr Tornados.

Auch dort geht es über die Einschätzung des Potenzials. Dabei ist es meines Wissens nach so, dass in manchen Regionen etwa zwei Drittel aller prognostizierten Tornado-Lagen tatsächlich auch so oder so ähnlich eintreffen.

Das ist doch schon ziemlich gut.

Das finde ich auch. Allerdings warnen die Meteorologen dort auch häufig, ohne dass etwas passiert. Deutlich mehr als die Hälfte der Tornadowarnungen sind umsonst bzw. ihnen folgt eben kein Tornado.

Dann kommen wir doch mal zu unserem Wochenendwetter: Wie wird es denn konkret?

929ac9fa15c81d4f7b3d6f6a1b7da6a7.jpg

Die ersten Mutigen trauen sich in Leipzig bereits in den Cospudener See.

(Foto: dpa)

Am Samstag bleibt es nordöstlich der Elbe freundlich oder sonnig. Im übrigen Land bekommt man einen Mix aus sonnigen Abschnitten und zum Teil gewittrigen Regengüssen. Stellenweise sind in der zunehmend schwülwarmen Luft auch kräftige Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen drin. Abseits der Gewitter sorgt die Sommerluft aber bestimmt für gute Laune an Badeseen und in Freibädern. Und für die Regionen von Nordfriesland über den gesamten Ostseeraum bis herunter an die Havel und den Wannsee sieht es in Sachen Badewetter ja eh ganz gut aus.

Wenn das Wasser im Badesee nur nicht noch so kalt wäre.

Das ist eben eher etwas für die Hartgesottenen. In den Seen sind es derzeitig häufig 13 bis 17 Grad. Nord- und Ostsee "locken" mit 12 bis 15 Grad. Aber vielleicht braucht der eine oder andere in den kommenden Tagen ja auch mal eine Abkühlung. Am Samstag steigen die Temperaturen nämlich verbreitet auf 23 bis 26 Grad. Am Oberrhein sind auch bis zu 28 Grad drin. Frischer startet das Wochenende nur bei den Nordlichtern mit 20 bis 23 Grad.

Wie ist das Wetter am Sonntag?

Die Luft wird schwüler und damit werden die Gewitter häufiger und können nochmals an Intensität zulegen. Aufgrund der geringen Zuggeschwindigkeit der Gewitterzellen sind punktuell sehr große Regenmengen möglich. Am längsten trocken und schön bleibt es noch je näher die Ostsee.

Was machen die Temperaturen am Sonntag?

Im Osten wird es nochmals wärmer. Dort sind es dann 25 bis 29 Grad. Örtlich sind auch 30 Grad nicht auszuschließen. Richtung Südwesten und Westen werden die sonnigen Abschnitte weniger, weshalb dort maximal noch 19 bis 23 Grad möglich sind.

Wie geht es in der nächsten Woche weiter?

Erst einmal bleibt uns auch am Montag die Gewitterluft mit Tageshöchstwerten von 20 bis 28 Grad erhalten. Zum Monatswechsel deutet sich dann eine Umstellung der Wetterlage an. Am Rande eines Hochs über Skandinavien könnte sich von Osten her trockenere Luft bei uns durchsetzen. Nur im Süden Deutschlands beziehungsweise in den Alpen dürfte es dann noch länger Schauer und Gewitter geben.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema