Panorama

#Heimkommen 2015 Edeka polarisiert mit einsamem Großvater

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Wer mag zu Weihnachten schon gerne alleine sein? Edeka drückt auf die Tränendrüse.

Edeka überrascht mit einem Weihnachtsspot und riskiert ausgerechnet zum Fest der Familie eine öffentliche Debatte. Denn in #heimkommen muss ein einsamer Großvater erst sterben, um die Familie an die heimische Weihnachtstafel zu bekommen.

Der "Supergeil"-Opa Friedrich Lichtenstein tanzte sich einst durchs halbe Internet. Danach bewies die Supermarktkette mit "Kassensymphonie", "Kiffer-Spot" und "Orgasmusgesichter" ihr Potenzial für originelle Werbung. Jetzt stellte Edeka ihren neuesten Clou ins Netz und riskiert ausgerechnet zum Fest der Besinnlichkeit eine öffentliche Debatte. Denn der Werbeclip #heimkommen sticht aus der Flut der Wohlfühlfilmchen heraus. Hier muss ein einsamer Großvater erst sterben, um die Familie zum Fest der Liebe zusammenzubringen.

In dem Video-Clip drücken die Macher passend zur sentimentalen Adventszeit ordentlich auf die Tränendrüse und vermischen dabei die großen Gefühle mit einem kräftigen Schuss Realität. Erzählt wird die Geschichte eines älteren Herrn, der auf seinem Anrufbeantworter die Absagen seiner Kinder zu den Feiertagen hört. Traurig schneidet er in Zeitlupe ein Möhre, dem Zuschauer stehen die Tränen im Auge. Doch der Großvater weiß sich zu helfen: Er täuscht seinen Tod vor. Mit Erfolg.

Die Kinder machen sich auf den Weg zur Trauerfeier. Doch in der Heimat erwartet sie keine Beerdigung, sondern der lebendige Vater beziehungsweise Großvater im weihnachtlich geschmückten Haus. "Wie hätte ich euch denn sonst alle zusammenbringen sollen?", fragt der alte Herr rührend und es folgt ein fröhliches Fest im Kreise der Lieben.

Das Spiel mit dem schlechten Gewissen der erwachsenen Kinder und die leise Kritik an der Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft trifft offenbar den Zeitgeist. Die meisten finden den Clip, der es bereits auf fast 5 Millionen Abrufe bei YouTube geschafft hat, rührend und stehen öffentlich zu ihren Tränchen. Aber auch kritische Stimmen finden sich im Netz: "Dieser Spot ist zur Gänze pietätlos, widerlich und ein herausragendes Negativbeispiel dafür, wie man bei kreativem Storytelling mal so richtig danebengreift", schreibt eine Nutzerin auf Facebook. Über den Tod mache man keine Witze, pflichtet ihr ein anderer Nutzer bei.

Quelle: ntv.de, dsi