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Hitzewelle möglich Endloser Sommer - und es wird noch heißer

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Eine Hitzewelle kann für sehr junge und alte Menschen gefährlich werden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Es ist warm in Deutschland und es wird noch wärmer - vielleicht sogar gefährlich heiß. Auch in unseren Nachbarländern sind die Temperaturen ungewöhnlich hoch. Björn Alexander, n-tv Meterologe, spricht über mögliche Hitzewellen und ihre Gefahren.

Der Sommer scheint schier endlos zu sein. Bleibt das auch weiterhin so?

Im Prinzip schon. Zwar wird es am Wochenende vorübergehend mal gewittrig. Doch bereits in der nächsten Woche legt der Sommer wieder richtig zu. Derzeit arbeiten die Wettermodelle sogar an der ersten richtigen Hitzewelle dieses Sommers.

Was heißt denn das? Es ist doch schon seit Wochen heiß?

n-tv Meteorologe Björn Alexander

n-tv Meteorologe Björn Alexander

Bisher waren die Temperaturen eher so im mittleren Sommerbereich. Also selten richtig heiß mit Werten jenseits der 30 Grad und relativ kühlen Nächten. Das sehen wir schon daran, dass der bislang heißeste Tag des Jahres 2018 am 29.Mai war, als es in Lingen 34,2 Grad gab.

Und das soll sich jetzt ändern?

So ist es. Denn bereits vorm Wochenende erreicht uns ein Schwall Heißluft, die regional in den Bereich um die 34 Grad bringen kann. Und dann wirds nächste Woche ziemlich sicher die höchsten Temperaturen des Jahres geben. Gleichzeitig kühlt es sich nachts nicht mehr so stark ab, so dass auch die Nächte immer öfter tropisch bleiben, also nicht mehr kälter als 20 Grad werden.

Wie heiß wird es tagsüber?

Es können Spitzenwerte um die 35 Grad erreicht werden - mit offenem Ende. Damit könnten auch längst tot geglaubte Themen wie Ozon wieder auf den Tisch kommen. Denn nachdem am Wochenende die Luft nochmal teilweise ausgetauscht wird (es schleicht sich nämlich vorübergehend frischere Nordseeluft ein), dürfte sich nächste Woche das Ozon und andere Schadstoffe in der heißen Luft bei wenig Wind ansammeln. Besonders in der Mitte und im Süden erwarten wir kaum noch Austausch.

Was droht noch an Problemen, zum Beispiel beim Thema Trinkwasser?

Bisher ist es so, dass die Trockenheit vor allem oberflächlich für Probleme sorgt. Beispielsweise in den Bereichen Waldbrandgefahr, Niedrigwasser an den Flüssen oder Ernteausfälle. Das Trinkwasser hingegen kommt eher aus dem Grundwasser und Stauseen. Und hier würde ich die Situation entspannter sehen. Denn in diesen tiefer liegenden Erd- und Gesteinsschichten sind die Reaktionen träger und die Zyklen länger. Sprich: Die Niederschläge und das Tauwasser aus dem Winter spielen eine maßgebliche Rolle. Da war bis Anfang April alles im grünen Bereich. Erst wenn diese extreme Trockenheit auch den August überdauert, könnten sich die Probleme deutlich verschärfen. Das gilt natürlich auch an den Seen, wo der Sauerstoffgehalt mit zunehmender Erwärmung abnimmt und die Gewässer dann irgendwann auch "umkippen" können.

Wo ist es denn zurzeit besonders trocken?

Mit Ausnahme des Alpenrandes und der Gebiete im äußersten Osten und Nordosten ist es eigentlich überall (viel) zu trocken. Am trockensten ist der Bereich Unterfranken, Teile Hessens, nördliches Rheinland Pfalz, westliches NRW, westliches Niedersachsen bis rauf nach Helgoland und nördliches Schleswig Holstein. Ein zweiter Schwerpunkt liegt in Sachsen-Anhalt beziehungsweise im Dreiländereck Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt.

Und auch bei unseren Nachbarn ist es sehr trocken, oder?

Der ausbleibende Regen macht sich natürlich ebenso in den Nachbarländern bemerkbar. Frankreich, Benelux bis rüber auf die Britischen Inseln. Wobei ich über deren Grundwasser- und Speichersituation nicht viel sagen kann. Wo der Sommer bislang sogar noch außergewöhnlicher als in Mittel- und Westeuropa ist, das ist in Skandinavien.

Warum?

Weil dort die Abweichungen in Sachen Sonne, Wärme und Trockenheit nochmals heftiger sind. Bis hinauf in den Norden mit Spitzenwerten jenseits der 30 Grad. So gibt es derzeit fast täglich 30 Grad und mehr bis nördlich des Polarkreises, dazu vor allem an der gesamten Ostsee tropische Nächte; weil die Wassertemperaturen durchweg um oder über 20 Grad liegen. Selbst vor Helsinki misst das Wasser 23 Grad.

Was ist hier normal Mitte Juli?

So um die 12 bis 16 Grad. Und es dürfte noch mehr werden, denn ein Ende des Sommers ist - genau wie bei uns - nicht in Sicht. Nochmals schlimmer als in Europa ist der Sommer derzeit übrigens in Japan. Zuerst gabs dort sintflutartigen Regen mit massiven Überschwemmungen und Erdrutschen. Und jetzt überzieht das Land gerade eine enorme Hitzewelle, die verbreitet für Höchstwerte von 30 bis 35, teilweise auch bis zu 40 Grad sorgt. Zudem ist die Luftfeuchtigkeit hoch bis sehr hoch (50 bis 90 Prozent). Eine unerträgliche bis gefährliche Gemengelage, vor allem für ganz junge sowie alte und kranke Menschen.

Dann werfen wir doch mal einen Blick auf unser Wochenende: Wie sieht es aus?

Am Samstag sind bevorzugt vom Süden bis in die Landesmitte punktuell kräftige Gewitter mit der Gefahr von Starkregen, Hagel und Sturmböen möglich. Weiter nordwärts ist es ebenfalls mal etwas wechselhafter mit einzelnen Schauern. Dort wo sie treffen, könnte zumindest vorübergehend die größte Trockenheit ein wenig abgemildert werden. Am sonnigsten beginnt das Wochenende im Osten, wo es bei bis zu 32 Grad am heißesten ist. Am kühlsten ist der gewittrig und wolkig durchsetzte Alpenrand bei um die 20 Grad.

Und am Sonntag?

Breitet sich in der Nordwesthälfte stabilere Luft mit Sonne und Wolken im Wechsel aus. Derweil verlagert sich die gewitteraktive Zone in den Südosten, wo es zum Teil auch intensiv regnen kann. Unter den Wolken sind dort teils kaum noch 20 Grad drin, während am Rhein bis zu 28 Grad möglich sind.

Was bringt uns der Montag?

Letzte Regengüsse und Gewitter an den Alpen. Im großen Rest sorgt das nächste Hoch für viel Sonne und schaufelt zeitgleich warme Luft heran. Am Montag werden es 22 bis 32 Grad. Der Dienstag bringt uns 24 bis 34 Grad. Zum Mittwoch steigt die Hitzebelastung bei 25 bis 35 nochmals an.

Und danach?

Von Donnerstag bis Samstag sehr wahrscheinlich nochmals heißer. Frühestens zum Monatswechsel könnte sich vielleicht mal eine unbeständigere Witterungsphase in diesem fast schon beispiellosen Sommer einstellen, der uns jetzt ja quasi schon seit April fest im Griff hat.

Quelle: n-tv.de