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Senioren besonders betroffen Fußgänger im Verkehr am stärksten gefährdet

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Die meisten Kollisionen gibt es, wenn Fußgänger Straßen überqueren.

(Foto: picture alliance/dpa)

Menschen, die sich zu Fuß auf deutschen Straßen bewegen, machen jährlich 14 Prozent der Verkehrstoten aus. Meist liegt die Schuld nicht bei ihnen. Auto- und Lasterfahrer sind die häufigsten Verursacher der Kollisionen. Doch einige sehen auch die Politik in der Pflicht.

Beinahe jeder vierte Verkehrsunfall mit einem Fußgänger in Deutschland wird durch ein rückwärtsfahrendes Auto verursacht. Das geht aus einer Studie des Versicherers Allianz hervor. Der Anteil beläuft sich demnach auf 23 Prozent. Der Konzern sprach von einer "bemerkenswerten" Zahl und sprach sich dafür aus, die Weiterentwicklung von Notbremsassistenten für den Heckbereich von Fahrzeugen voranzutreiben.

"Fußgänger müssen in jeder Situation sicher erkannt werden", forderte Christoph Lauterwasser, Geschäftsführer des Allianz-Zentrums für Technik. Nachdem Notbremsassistenten im Frontbereich inzwischen "Marktstandard" für neue Automodelle seien, müsse eine ähnliche Entwicklung nun auch für Rückwärtsfahrten folgen.

Auf Frontalzusammenstöße entfallen der Studie zufolge 42 Prozent der Unfälle mit Fußgängern. Für die großangelegte Verkehrssicherheits- und Mobilitätsstudie analysierten Experten des Versicherungskonzerns das Unfallgeschehen mit Blick auf Fußgänger. Zu den Ergebnissen zählt auch, dass Menschen ab 64 Jahren rund die Hälfte der im vorigen Jahr in Deutschland im Straßenverkehr getöteten 457 Fußgänger ausmachten. Senioren seien besonders oft "die Leidtragenden", weil sie eher auf das Zufußgehen angewiesen seien.

Der Anteil der Senioren erhöhte sich dabei im Vorjahresvergleich sogar noch einmal von 51 Prozent auf 56 Prozent. Besonders gefährdet sind Fußgänger jeden Alters demnach in der Herbst- und Winterzeit zwischen Oktober und Februar, in Ortschaften sowie bei Dämmerung oder Dunkelheit. Am häufigsten kommt es zu Kollisionen, wenn Fußgänger Straßen überqueren. Bei Unfällen in der Nacht gibt es die meisten Todesopfer. Autos und Laster sind in 87 Prozent aller tödlichen Fußgängerunfälle involviert, Lasterfahrer sind zumeist auch die Hauptunfallverursacher.

Smartphone wird zum Problem

Der häufigste Fußgängerfehler hingegen ist es, beim Überqueren von Straßen nicht aufzupassen. Die Statistiken legen zudem nahe, dass jeder zehnte getötete Fußgänger betrunken war. "Alkohol, Medikamente, Drogen, Müdigkeit, Ablenkung, haben als Unfallursache ein hohes Dunkelfeld", heißt es bei der Allianz. Auch das Smartphone kann eine Rolle spielen: 45 Prozent der Fußgänger nutzten ihre Geräte auch beim Überqueren von Straßen, heißt es. Die Daten zeigen, dass zwischen einer Ablenkung durch Tippen, Musik hören und Fotos machen sowie Unfällen signifikante Zusammenhänge bestehen.

Aus der Studie geht hervor, dass der Straßenverkehr generell sicherer geworden ist. Das Zufußgehen ist jedoch statistisch betrachtet - noch vor dem Fahrradfahren, dem motorisierten Individualverkehr und dem öffentlichen Verkehr - die gefährlichste Fortbewegungsart. So lag der Anteil der Fußgänger an den Verkehrstoten 2018 bei etwa 14 Prozent, insgesamt starben 457 Menschen zu Fuß. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts bedeutete dies zwar einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Langfristig betrachtet - seit der Jahrtausendwende - verzeichneten Statistiker wie Studienmacher jedoch eine steigende Tendenz.

Das Hauptproblem sind die hohen Geschwindigkeitsdifferenzen zwischen Fußgängern und Fahrzeugen. "Wichtig ist es, Tempo 30 gezielt einzusetzen", sagt Christoph Lauterwasser vom Allianz Zentrum für Technik. Bewährt hätten sich etwa Geschwindigkeitsanzeigen an Straßen. Auch die Politik sollte in die Pflicht genommen werden: Fußgänger brauchen aus Sicht der Allianz ein zusammenhängendes Netz aus Bürgersteigen, auf denen nur im Ausnahmefall auch Fahrräder oder Roller fahren dürfen. Außerdem wären ein nationaler Fußverkehrsplan, eigene Unfalljahresberichte sowie die Erneuerung der Europäischen Charta der Fußgänger aus dem Jahr 1988 weitere wichtige Ansätze, schreiben die Studienmacher.

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Quelle: n-tv.de, psa/dpa/AFP

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