Panorama

Trauer liegt über dem Flughafen In Düsseldorf geht das Leben weiter

2015-03-24T151354Z_23397058_LR2EB3O16AV99_RTRMADP_3_FRANCE-CRASH.JPG2799215274597534680.jpg

Bei Germanwings kommt es zu Verspätungen, sonst ist in Düsseldorf fast alles wie immer.

(Foto: REUTERS)

Wer nicht weiß, dass hier heute Mittag die Germanwings-Maschine aus Barcelona hätte landen sollen, ahnt nichts von dem unfassbaren Leid, das sich in abgeschirmten Bereichen abspielt. Am Flughafen Düsseldorf geht der Betrieb weiter, als wäre nichts geschehen.

Bei der Ankunft am Düsseldorfer Flughafen ist alles wie immer. Aus dem Sky-Train, einer Art Schwebebahn, die die Passagiere zu den Terminals bringt, schweift der Blick über die Startbahn. Eine Lufthansa-Maschine hebt ab. Kein Hinweis auf das Unglück, welches sich am Vormittag ereignete. Zwei Damen mit Rollkoffern lächeln freundlich, sie unterhalten sich über ihre anstehende Reise. "Vorher können wir noch in den Arkaden shoppen", sagt eine.

Verschiedene Sprachen hallen durch die Gänge. Französisch ist zu hören, Russisch, Arabisch, Englisch natürlich auch. Männer in eleganten Anzügen schlürfen an ihrem Kaffee, ein älterer Herr blättert im Sportteil einer Zeitung. Einige Schritte weiter sammelt sich eine Mädchen-Fußballmannschaft in roten Trainingsanzügen vor einem Schalter. Hier und da wird getuschelt. Viele schauen auf die Displays ihrer Smartphones.

Auf einer Bank sitzt ein Mann, neben ihm zwei Koffer. Er wirkt unruhig, seine Brille hängt auf der Nasenspitze. "Komisches Gefühl, in ein Flugzeug zu steigen, wenn vorher eine Maschine abgestürzt ist", sagt er. "Dabei wollten wir vorher sogar noch nach Barcelona." Wir – das sind er und seine neunjährige Tochter. Als diese fröhlich hüpfend zur Sitzbank zurückkehrt, wechselt ihr Vater das Thema. Vor dem Abflug soll das Mädchen nicht von dem Unglück erfahren.

Business as usual

Über die Anzeigetafeln flimmern routinemäßig die Start- und Landezeiten der Flugzeuge. Die Maschinen von Germanwings haben massive Verspätungen. Der Abflug nach Wien verzögert sich um drei Stunden, der Flug nach Zürich wurde annulliert. Es geht das Gerücht, dorthin hätte der abgestürzte Airbus A320 fliegen sollen. In der Pressestelle kann dies niemand bestätigen. Zwei weitere Maschinen sind über eine Stunde im Verzug.

Pünktlich beginnt hingegen die für 15 Uhr anberaumte Pressekonferenz am Kölner Flughafen. Der Kommunikationsfluss läuft über Köln und Berlin. In Düsseldorf geht der normale Flugbetrieb weiter. An der Information verweisen auf Nachfrage zwei Damen auf die Pressestelle. Keine weitere Auskunft. "Es muss weitergehen", meint dazu der Familienvater, bevor er seine Brille abnimmt und aufsteht, "Business as usual."

Kamerateams aus dem Ausland

Mittlerweile rücken immer mehr Journalisten an. Filmteams aus den Niederlanden und England postieren sich vor dem Lufthansa-Schalter. Ein Journalist aus Frankreich hat das Glück, einen Landsmann vors Mikrofon zu bekommen.

Anderthalb Stunden später lichtet sich die Reporterschar. Wer es nicht zur ersten Pressekonferenz geschafft hat – was die meisten hier betrifft – filmt die Kulisse. Anzeigetafeln, Ticketschalter, Gepäckablagen. Flughafen-Aufnahmen. Emotionslos.

Angehörige werden abgeschirmt

Die Angehörigen bekommen die wenigsten Reporter zu Gesicht. Die Verantwortlichen am Flughafen schirmen sie ab. Unter den Journalisten geht das Gerücht, dass sie in den VIP-Bereich gebracht und dort von über 150 Seelsorgern betreut werden. Die Pressestelle will das nicht bestätigen.

Die Trauer am Terminal ist gespenstisch, sie ist nicht zu sehen, sie hat kein Gesicht. Doch sie überkommt einen. Je länger die Verweildauer, desto bedrückender. Sie hängt wie eine schwere Wolke über dem Flughafen. Manch einer nimmt sie mit nach Hause, andere mit an Bord. Nach Wien, London, Palma de Mallorca.

Quelle: ntv.de