Panorama

Bei Verstoß Toilette putzen In Indonesien drohen bizarre Corona-Strafen

AP_20150287527040.jpg

Das Militär soll in Indonesien die Durchsetzung der Maßnahmen gewährleisten.

(Foto: AP)

Wer sich nicht an die Corona-Auflagen hält, muss ins Geisterhaus. Was sich abstrus anhört, ist in Indonesien Teil des Strafenkatalogs. Einige Regionen des Inselstaats hoffen so, dass sich die Bevölkerung an die Beschränkungen hält. Denn es wird kaum getestet, die Dunkelziffer an Infizierten ist vermutlich hoch.

Indonesiens Regierung setzt bei der Durchsetzung der Maßnahmen im Kampf gegen eine Ausbreitung des Coronavirus vor allem auf die Armee - vielen Provinzbehörden aber reicht das nicht: Sie stellen Regelbrecher zur zusätzlichen Abschreckung an den Pranger, lassen sie zur Strafe Koranverse zitieren, Toiletten putzen oder in Spukhäusern einsperren.

Für den Kampf gegen die Pandemie hat der südostasiatische Inselstaat 340.000 Soldaten in 24 Städten eingesetzt, sie sollen die Einhaltung der Hygienevorschriften wie etwa das Tragen von Schutzmasken oder Händedesinfizieren überwachen. Die Provinzregierung von Bengkulu im Westen des Landes setzt darüber hinaus auf Abschreckung: Nach Polizeiangaben müssen sich Regelbrecher Schilder mit dem Versprechen umhängen, in Zukunft Masken zu tragen; ihre Fotos werden "zu ihrem eigenen Wohl und dem ihrer Familien" in Online-Netzwerken veröffentlicht.

Wer nicht hört, muss Koranverse zitieren

In der nordindonesischen Provinz Aceh müssen muslimische Bewohner, die gegen die Vorschriften verstoßen, Passagen aus dem Koran rezitieren. Die kleine nicht-muslimische Minderheit sei davon aber ausgenommen, sagte eine Sprecherin der Lokalregierung. "Sie werden lediglich verwarnt."

Einwohnern der Hauptstadt Jakarta droht seit Mai, bei Verstößen gegen die Corona-Regeln zu Putzdiensten in öffentlichen Gebäuden herangezogen zu werden. Dabei müssen sie Westen tragen, die sie als Regelbrecher kennzeichnen.

In einer Region der Hauptinsel Java wiederum setzen Behörden den weit verbreiteten Glauben an übernatürliche Mächte für ihren kreativen Kampf gegen Corona ein. Dort wurden Regelbrecher auch schon mal in verlassenen Häusern festgesetzt, von denen es hieß, dass es dort spuke.

Indonesien hat bisher 24.000 Corona-Infektionen und 1496 Todesfälle registriert. Forscher gehen jedoch davon aus, dass die tatsächliche Zahl weit höher liegt: Das Land hat bei mehr als 260 Millionen Einwohnern eine der niedrigsten Testraten weltweit.

Quelle: ntv.de, mdi/AFP