Panorama

Fragen zur Hitzewelle Ist das jetzt Klima oder Wetter?

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Hitzewellen, aber auch Stürme, Starkregen und Überschwemmungen kommen häufiger vor als früher.

(Foto: imago images / Patrick Scheiber)

Deutschland hat einen neuen Temperaturrekord: 40,5 Grad wurden am Mittwoch im nordrhein-westfälischen Geilenkirchen gemessen. Und es soll noch heißer werden - sowohl an diesem Donnerstag als auch langfristig.

Wie heiß war es?

Sehr heiß. An mehreren Messstationen wurden gestern Rekorde gebrochen. Geilenkirchen ist seither der heißeste Ort Deutschlands seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. In der Stadt in Nordrhein-Westfalen wurden am Mittwoch 40,5 Grad gemessen. Damit ist die bisherige Höchstmarke von 40,3 Grad im unterfränkischen Kitzingen überboten. Dort war der bislang historische Spitzenwert im Sommer 2015 gleich zweimal gemessen geworden.

Wie heiß wird es?

Wahrscheinlich noch heißer. "Heute erreicht die Hitze ihren Höhepunkt und dürfte einen neuen Allzeit-Temperaturrekord bringen", sagt n-tv Meteorologe Björn Alexander. "Auch die Nacht von Donnerstag auf Freitag könnte die heißeste Nacht werden, die je gemessen wurde." Bislang liegt der nächtliche Höchstwert bei 27,6 Grad, gemessen am 13. August 2003. "Am Freitag wird es dann zwar wieder sehr heiß mit Temperaturen bis nahe 40 Grad, doch im Westen und Südwesten sind nachmittags erste Gewitter dabei." Neue Rekorde dürfte es daher nicht geben. Am Wochenende ist die ganz große Hitze vorbei.

Ist die aktuelle Hitzewelle eine Folge des Klimawandels?

Wetter sagt man zu einzelnen Phänomenen. Auch Starkregen, selbst wenn er deutlich vom Durchschnitt abweicht, ist zunächst einmal Wetter. Solche Extremwetterlagen gab es schon immer; die Frage ist inzwischen aber oft, ob sie eine Folge des Klimawandels sind oder nur zufällig auftreten.

Tatsächlich sind Hitzewellen, Stürme, Starkregen und Überschwemmungen viel häufigere Ereignisse als früher. Dass solche Extremwetterlagen öfter vorkommen, ist eine Folge des Klimawandels. "Wir gehen davon aus, dass bestimmte Wetterextreme schon in den nächsten 40 Jahren fünf- bis zehnmal häufiger auftreten werden, wenn es nicht gelingt, die Erwärmung auf unter zwei Grad Celsius zu halten", sagte Klimaforscher Thomas Stocker der Zeitschrift "Geo". Messbar ist aber nicht nur die Häufigkeit, auch die Intensität der Wetterextreme nimmt infolge der Erderwärmung deutlich zu. Die aktuelle Hitzewelle ist demnach also ein Wetterphänomen. Die Tatsache, dass es global immer heißer wird, dagegen nicht.

Wie heiß wird es langfristig?

Die Erderwärmung ist kein linearer Trend. Eindeutig ist er dennoch: Weltweit waren die vergangenen fünf Jahre die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Das heißt nicht, dass es auch in Geilenkirchen oder Kitzingen immer heißer wird, denn bei den wärmsten Jahren geht es nicht um einzelne Hitzerekorde, sondern um die globale Mitteltemperatur.

Konkrete Prognosen sind jedoch schwierig. "Wenn man aber den regionalen Klimamodellen Glauben schenkt, dann können beispielsweise im Oberrheingraben zur Mitte des Jahrhunderts auch Temperaturen bis zu 44, 45 oder 46 Grad kommen", sagte die Direktorin des Climate Service Center Germany in Hamburg, Daniela Jacob.

War der heiße Sommer 2018 ein Grund für das Aufkommen der Fridays-for-Future-Bewegung?

Das wird häufig behauptet, ist aber nicht plausibel. Die erste Fridays-for-Future-Demonstration in Deutschland fand am 7. Dezember 2018 bei zehn Grad in Bad Segeberg statt. Greta Thunberg selbst hatte im August mit ihrem Schulstreik begonnen. Auf der Liste der wärmsten Jahre nimmt 2018 aber "nur" den vierten Platz ein. Die weltweit wärmsten Jahre waren laut Umweltbundesamt absteigend in dieser Reihenfolge: 2016, 2015, 2017, 2018 und 2014. Die Schüler reagieren also nicht auf einen heißen Sommer, sondern auf die globale Erwärmung insgesamt.

Für wen ist der Klimawandel besonders gefährlich?

Die Folgen der Erderwärmung tragen vor allem Regionen, in denen Staaten kaum in der Lage sind, Schutzmaßnahmen wie höhere Dämme zu finanzieren - und wo der CO2-Ausstoß immer besonders gering war. Die Hilfsorganisation Brot für die Welt sieht einen klaren Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und der Zahl der hungernden Menschen. "Extremwetterereignisse, Überschwemmungen und Dürren vernichten immer öfter die Lebensgrundlage vieler Menschen", erklärte die Organisation an diesem Donnerstag. Sie verwies auf Angaben der Welternährungsorganisation, wonach die Zahl der weltweit Hungernden 2018 zum dritten Mal in Folge gestiegen ist.

Demnach waren rund 821 Millionen Menschen von Hunger betroffen, zehn Millionen mehr als im Vorjahr. "Die Folgen des Klimawandels treffen vor allem die Menschen, die den Klimawandel am wenigsten verursacht haben", beklagt die Präsidentin von Brot für die Welt, Cornelia Füllkrug-Weitzel.

Quelle: ntv.de, hvo/jhi/AFP/dpa