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"Anglizismus des Jahres" gekürt Jury würdigt Bedeutung des "Gendersternchens"

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In der Typografen-Fachsprache heißt das *-Zeichen Asterisk.

(Foto: imago/Rolf Zöllner)

Für viele stellen Anglizismen eine Bedrohung der Muttersprache dar. Andere sehen sie dagegen als Bereicherung. Bei ihrer jährlichen Wahl würdigt eine Jury nun ein Wort, das zugleich ein Schriftzeichen ist - und wertet es als Gewinn für die deutsche Sprache.

Der Begriff "Gendersternchen" ist zum Anglizismus des Jahres 2018 gekürt worden - gemeint ist damit das Schriftzeichen * zwischen Wortstamm und weiblicher Nachsilbe "in", also etwa bei "Lehrer*innen". Der Stern soll es ermöglichen, alle Geschlechter zugleich anzusprechen.

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Überzeugt habe die Jury neben der sprunghaften Verbreitung im öffentlichen Sprachgebrauch die zentrale Bedeutung, die das Zeichen und das Wort dafür in der Auseinandersetzung "mit dem schwierigen und heftig umstrittenen Thema der sprachlichen Gleichbehandlung aller Geschlechter eingenommen hat", teilte der Jury-Vorsitzende Anatol Stefanowitsch mit. Der Sprachwissenschaftler von der Freien Universität Berlin ist ein Verfechter geschlechtergerechter Sprache und begrüßt die Absicht, bei Personenbezeichnungen Geschlechter jenseits von Mann und Frau sichtbar zu machen.

Jüngst gab es viel Aufmerksamkeit für die Stadt Hannover, weil sie eine neue "Empfehlung für eine geschlechtergerechte Verwaltungssprache" einführte (also zum Beispiel Lehrende statt Lehrer). Vergangenes Jahr gab es auch eine Diskussion um eine mögliche Aufnahme des Gendersternchens in die amtliche Rechtschreibung. Der Rat für deutsche Rechtschreibung beschäftigte sich damit.

Bei einem Anglizismus handelt es sich laut Duden um die "Übertragung einer für (das britische) Englisch charakteristischen sprachlichen Erscheinung auf eine nicht englische Sprache". Insbesondere Werbung, Wirtschaft oder Politik kommen kaum noch ohne Anglizismen wie "Sale" oder "To-do-Liste" aus. Die einen sehen sie als Bereicherung der Muttersprache, andere empfinden sie eher als Bedrohung.

Die FU-Jury rund um Stefanowitsch kürt bereits seit neun Jahren "den positiven Beitrag des Englischen zur Entwicklung des deutschen Wortschatzes". Zu den bisherigen Anglizismen des Jahres gehörten "Influencer", "Fake News" und "Shitstorm".

Plädoyer fürs Gendern

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Die Anglizismus-Jury betont, das Wort Gendersternchen zeige auch, wie schnell das Deutsche aus dem Englischen entlehntes Wortgut produktiv zur Bildung neuer Wörter nutze. Aus dem sogenannten Scheinanglizismus "Gender-Star" sei innerhalb weniger Jahre "Gendersternchen" geworden.

Die Berliner Jury will mit ihrer Wahl auch ausdrücklich die Rolle des Wortstamms "Gender" und speziell des daraus abgeleiteten Verbs "gendern" würdigen. "Der Wortstamm Gender bezeichnet eine Perspektive auf Geschlecht als kulturell hergestellter und damit veränderbarer Kategorie und ergänzt so das Wort Geschlecht, das eher eine biologische Perspektive einnimmt."

Das Verb "gendern" finde sich seit der Jahrtausendwende in der fachsprachlichen Bedeutung: "Die Gleichstellung von Mann und Frau verwirklichen." In diesem Sinne "gegendert" werden können Texte, aber auch Institutionen oder Gesellschaftsbereiche. Im Sprachgebrauch bedeutet es "in einem Text typische Formen der geschlechtergerechten Sprache verwenden" - also zum Beispiel das Gendersternchen. Beide Bedeutungen sind sehr deutsch, wie die Jury betont.

Das "Gendern" von Institutionen wird im Englischen als "to mainstream gender" bezeichnet, das von Texten als "to make gender inclusive". Das *-Zeichen heißt in der Typografen-Fachsprache übrigens Asterisk - das Wort heißt im Altgriechischen "Sternchen" und soll auch Pate für den Namen der Comicfigur Asterix gestanden haben.

Quelle: n-tv.de, cri/dpa

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