Panorama

"Jeder hier hatte die Kinder erwartet" NRW-Stadt Haltern steht unter Schock

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Trauerbekundungen vor dem Gymnasium in Haltern

(Foto: AP)

An Bord der verunglückten Germanwings-Maschine waren 144 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder. Unter den 67 Deutschen befinden sich auch 16 Schülerinnen und Schüler und 2 Lehrerinnen des Halterner Joseph-König-Gymnasiums.

In dem abgestürzten Germanwings-Airbus saßen nach bisherigen Informationen insgesamt 67 Deutsche, darunter auch eine Schülergruppe aus dem nordrhein-westfälischen Haltern. Es seien Austauschschüler eines Spanischkurses der zehnten Klasse zusammen mit zwei Lehrerinnen an Bord der in Frankreich abgestürzten Maschine gewesen, sagte Vize-Regierungschefin und Schulministerin Sylvia Löhrmann im WDR.

Auf der Boardingliste des Flugzeugs seien die Zehntklässler und ihre Lehrkräfte namentlich erwähnt, sagte der Halterner Bürgermeister Bodo Klimpel. Außerdem habe der Direktor der spanischen Schule, die die Gruppe zu einem Schüleraustausch besucht hatte, bestätigt, dass alle in das Flugzeug eingestiegen seien.

Klimpel sprach vom sicher "schwärzesten Tag in der Geschichte unserer Stadt". Die Angehörigen würden seelsorgerisch betreut. An der Schule solle am Mittwoch der Unterricht stattfinden und es solle dabei versucht werden, schulintern mit Schülern und Lehrern die Katastrophe aufzuarbeiten.

Die Schule habe die Nachricht aus den Medien gehört und dann selbst recherchiert, so Klimpel. "Als die Maschine zum vereinbarten Zeitpunkt nicht gelandet ist und Handykontakte nicht möglich waren, hat man mit dem Schlimmsten gerechnet." Eigentlich hätten die Schüler mit einem Bus vom Flughafen nach Haltern gebracht werden sollen. Jeder in Haltern habe gewusst, dass die Kinder am Dienstag aus Spanien zurückkehren sollten. Es handelte sich demnach um einen Gegenbesuch, Schüler aus Spanien waren demnach Ende vergangenen Jahres in Haltern.

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Von den Ereignissen des Tages gezeichnet: Bürgermeister Bodo Klimpel.

(Foto: dpa)

NRW-Innenminister Ralf Jäger ordnete für Dienstag und Mittwoch Trauerbeflaggung für alle Dienstgebäude des Landes und der Gemeinden an. "Damit bringen wir unsere tiefe Betroffenheit über dieses schreckliche Unglück zum Ausdruck", erklärte Jäger. "In Gedanken sind wir bei den Familienangehörigen und Freunden der Opfer."

Unter den Passagieren an Bord des abgestürzten Germanwings-Flugzeugs waren nach Angaben von Germanwings-Chef Thomas Winkelmann auch zwei Babys. Insgesamt seien 144 Passagiere und 6 Besatzungsmitglieder mit der Maschine geflogen.

Kapitän ein erfahrener Mann

Der Kapitän hatte nach Angaben von Winkelmann seit mehr als 10 Jahren für Germanwings und Lufthansa gearbeitet. Auf dem Modell Airbus habe er über 6000 Flugstunden absolviert. Die Unglücksmaschine sei noch am Montag einem letzten Routinecheck unterzogen worden.

Am Dienstag sei das Flugzeug um 6.48 Uhr zunächst mit 122 Passagieren von Düsseldorf nach Barcelona geflogen, bevor sich die Maschine um 10.01 Uhr wieder auf den Weg zurück nach Düsseldorf gemacht habe. Nach bisherigen Erkenntnissen habe das Flugzeug um 10.45 Uhr seine reguläre Reiseflughöhe erreicht und diese nach einer Minute wieder verlassen. Es sei dann in einen Sinkflug eingetreten, der acht Minuten gedauert habe. Der Kontakt des Flugzeugs zum französischen Fluglotsen sei um 10.53 Uhr auf einer Höhe von circa 6000 Fuß (ca. 1800 Meter) abgebrochen.

Der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt geht davon aus, dass es möglicherweise ein technisches Problem gegeben habe. "Was das aber im Einzelnen ist, da gibt es überhaupt keinen Hinweis", sagte Großbongardt bei n-tv. Er fügte hinzu: "Es ist auffällig und ungewöhnlich, dass bei gutem Wetter ein Flugzeug wie diese A320 in der Reiseflugphase abstürzt."

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa

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