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Drakonische Strafe bestätigt Nach Totgeburt verurteilte Frau bleibt in Haft

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Teodora Vasquez soll nach dem Urteil des Gerichts weitere 20 Jahre in Haft verbringen.

(Foto: AP)

El Salvador hat das vielleicht strengste "Abtreibungsgesetz" der Welt. Selbst eine Totgeburt kann hier als Abtreibung ausgelegt werden. So ergeht es einer heute 34-Jährigen. Sie sitzt seit zehn Jahren im Gefängnis. Ein Gericht hält trotz internationaler Proteste daran fest.

Ungeachtet der Proteste von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International (ai) hat ein Gericht in El Salvador die 30-jährige Haftstrafe für eine Frau bestätigt, die nach einer Fehlgeburt vor zehn Jahren wegen Mordes in Haft sitzt. Die Richter lehnten einen Berufungsantrag von Teodora Vásquez gegen ihre Strafe ab. Das Europaparlament äußerte sich entsetzt.

Die heute 34-jährige Vásquez war im neunten Monat schwanger, als sie plötzlich starke Unterleibsschmerzen spürte. Vergeblich rief sie noch den Notarzt, dann bekam sie heftige Blutungen und verlor das Bewusstsein. Das Baby kam als Totgeburt zur Welt. Die herbeigerufene Polizei nahm die noch bewusstlose junge Frau wegen Mordverdachts fest.

Im Januar 2008 wurde sie wegen Mordes schuldig gesprochen und zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Staatsanwaltschaft wirft der alleinerziehenden Mutter vor, das Kind abgetrieben zu haben. Sie bestreitet dies aber. Vásquez' Schicksal sei kein Einzellfall, erklärte das Europaparlament in einer Entschließung. Seit dem Jahr 2000 seien in El Salvador mindestens 120 Frauen und Mädchen zu langen Haftstrafen verurteilt worden, weil ihnen nach einer Tot- oder Fehlgeburt Abtreibung zur Last gelegt wurde.

Bis zu 50 Jahre Haft für Abtreibung

Hintergrund ist ein drakonisches Abtreibungsgesetz aus dem Jahr 1998. Es verbietet in dem zentralamerikanischen Land jeden Schwangerschaftsabbruch - selbst wenn das Leben oder die Gesundheit der Mutter bedroht sind, der Fötus schwer behindert ist oder die Schwangerschaft Folge einer Vergewaltigung war. Abtreibungen werden von der Justiz als Mord eingestuft und können mit bis zu 50 Jahren Haft bestraft werden.

Krankenhäuser und Kliniken in El Salvador seien zudem verpflichtet, Patientinnen der Polizei zu melden, die wegen Komplikationen bei der Schwangerschaft in die Notaufnahme kommen, heißt es in der Entschließung weiter. Dies habe zur Folge, dass viele Frauen oder Mädchen aus Angst vor Verfolgung und Inhaftierung keine medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. Besonders betroffen seien junge, arme Frauen mit niedrigem Bildungsniveau.

Hinzu komme, dass es in den Schulen des Landes keinen Sexualunterricht gebe und Gewalt gegen Frauen weit verbreitet sei, hieß es weiter in Straßburg. Die Zahl von Jugendlichen, die ungewollt schwanger würden - oft nach Vergewaltigungen - sei entsprechend hoch: Im Jahr 2015 waren nach Angaben des Gesundheitsministeriums 1445 Mädchen zwischen zehn und 14 Jahren schwanger.

Auch 18-jähriges Vergewaltigungsopfer verurteilt

Erst im Oktober war das Urteil gegen eine andere Frau, die ebenfalls wegen angeblicher Abtreibung eine 30-jährige Haftstrafe verbüßt, bestätigt worden. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Acdatee war Evelyn Hernandez mit 18 Jahren vergewaltigt worden und hatte im achten Schwangerschaftsmonat eine Fehlgeburt erlitten. Auch sie wurde wegen Mordes verurteilt.

Amnesty International hat wiederholt die Folgen des Abtreibungsverbots in El Salvador angeprangert. Der Organisation zufolge sterben jährlich Hunderte von Frauen und Mädchen nach heimlichen und unsicheren Abtreibungen oder weil sie keine Möglichkeit haben, gesundheitsgefährdende Schwangerschaften abbrechen zu lassen.

Quelle: n-tv.de, nsc/AFP

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