Panorama

Bombenanschlag auf Essener Tempel Sikh-Prozess beginnt mit Panne

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Bei dem Anschlag auf eine Hochzeitsgesellschaft der Sikh-Gemeinde in Essen wurden drei Menschen verletzt.

(Foto: dpa)

In Essen stehen drei mutmaßlich radikalisierte Jugendliche vor Gericht: Die damals 16-Jährigen sollen im April ein Bombenattentat auf einen Tempel der indischen Sikh-Religion verübt haben. Doch der Prozess kann zunächst nicht wie geplant starten.

Acht Monate nach einem Bombenanschlag auf einen Tempel der indischen Sikh-Religion in Essen hat der Prozess gegen drei muslimische Jugendliche begonnen. Die Anklage wertet die Tat als versuchten Mord. Der Prozess begann mit einer mehr als dreistündigen Verspätung. Die Justizvollzugsanstalt Heinsberg hatte den Termin übersehen und vergessen, einen dort untergebrachten Angeklagten nach Essen zu bringen. Die Anstaltsleitung sprach von "menschlichem Versagen".

Die damals 16 Jahre alten Angeklagten sollen das Attentat mit einer selbstgebauten Bombe aus islamistischen Motiven begangen haben. Laut Anklageschrift betrachteten die Jugendlichen die Sikhs als Ungläubige. Drei Menschen waren bei dem Anschlag im April verletzt worden, einer von ihnen schwer. Eine Jugendkammer des Landgerichts Essen verhandelt den Fall wegen des Alters der mutmaßlichen Täter unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Zwei von ihnen sind mittlerweile 17.

"Keine terroristische Vereinigung"

Über den ersten Verhandlungstag teilte das Gericht lediglich mit, dass die Anklage verlesen wurde und sich ein Angeklagter zu seinem Lebenslauf geäußert habe. Nach knapp vier Stunden sei die Sitzung beendet gewesen. Am Freitag wird der Prozess fortgesetzt. Bis Ende Februar sind danach noch weitere 20 Termine angesetzt. Die drei muslimischen Jugendlichen, die alle in Deutschland geboren wurden, kommen aus Gelsenkirchen, Essen und Schermbeck im Kreis Wesel. Die drei sollen sich über soziale Netzwerke kennengelernt und radikalisiert haben.

Die Bundesanwaltschaft hatte keinen Anlass gesehen, das Verfahren an sich zu ziehen. "Wir haben keine ausreichenden Anhaltspunkte dafür, dass die in Rede stehende Tat, nämlich der Anschlag auf den Sikh-Tempel, einer terroristischen Vereinigung zuzurechnen ist", sagte eine Sprecherin der Behörde in Karlsruhe.

Anwalt spricht von "Streich"

Die Bombe war am Nachmittag des 16. April, einem Samstag, vor einer Eingangstür des Tempels in einem Gewerbegebiet explodiert. Zuvor war in dem Gebetssaal noch eine indische Hochzeit gefeiert worden. Viele Gäste waren zum Zeitpunkt der Explosion aber bereits gegangen.

Die Sikh-Gemeinde in Essen leidet nach wie vor unter den Folgen des Anschlags. "Die Gemeindemitglieder sind bis heute noch geschockt über diesen Vorfall", sagte der Nebenklage-Anwalt des damals schwer verletzten Priesters am Rande des Prozesses. Der Priester habe lange im Krankenhaus gelegen und könne sein Amt noch nicht wieder ausüben. Der Verteidiger des mittlerweile 17 Jahre alten Yusuf T. bezeichnete die Tat vor Journalisten als "völlig missratenen Dummejungenstreich".

Quelle: ntv.de, jgu/dpa

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