Panorama

Verbreitung des Coronavirus Sind neue Antikörpertests der Durchbruch?

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Mit Antikörper-Schnelltests lässt sich herausfinden, wer bereits Covid-19 hatte ohne es zu wissen.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

In den USA wird ein erster Schnelltest zum Nachweis von Antikörpern gegen das neue Coronavirus zugelassen, auch deutsche Institute und Firmen melden Erfolge. Dies könnte ein wichtiger Durchbruch im Kampf gegen Covid-19 sein.

In den USA hat die Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) einen ersten Schnelltest zum Nachweis des neuen Coronavirus (Sars-CoV-2) zugelassen. Er soll dem Hersteller zufolge innerhalb von zehn Minuten in einer Blutprobe zwei verschiedene Antikörper nachweisen können. Ein Immunsystem erzeugt sie, wenn es Kontakt zum Virus hatte.

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Dem "Ärzteblatt" zufolge lässt der Test allerdings keine Rückschlüsse auf eine mögliche Immunität zu, da er nicht die Konzentration der Antikörper messe. Bei einer überstandenen Covid-19-Erkrankung dürfte dies in der Regel der Fall sein. Zu einem möglichen Immunschutz nach asymptomatischen Infektionen gäbe es derzeit keine sicheren Erkenntnisse, so das "Ärzteblatt. Der Test könne aber auf jeden Fall genutzt werden, die Ausbreitung des Virus in der Bevölkerung zu untersuchen.

Solche Informationen wären die "dritte Informationssäule, die wir für die Einschätzung der nächsten Zukunft brauchen", sagt Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité. Es gelte herauszufinden, wie viele Menschen sich infizierten, ohne es gemerkt oder ernst genommen zu haben, weil sie nur schwache Symptome verspürten. "Dennoch sind diese Leute Antikörper-positiv und, wie wir annehmen dürfen, immun." Die "still Immunisierten" trügen somit zu den 60 bis 70 Prozent in der Bevölkerung bei, die sich angesteckt haben müssten, bevor die Welle der Neuinfektionen zum Stillstand käme.

Neuer Schnelltest aus Thüringen

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Professor Ralf Ehricht.

(Foto: Leibniz-IPHT)

Dies sieht auch Professor Ralf Ehricht vom Jenaer Leibniz-Institut für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) so. Sein Team gehört zu einer internationalen Gruppe von Wissenschaftlern, die ebenfalls einen Antikörper-Schnelltest auf Sars-CoV-2 entwickelt haben. Der von der Diagnostik-Firma Senova in Weimar hergestellte Streifentest ist der Pressemitteilung zufolge bereits auf dem Markt und soll wie der US-Test innerhalb von zehn Minuten in einem Blutstropfen Antikörper nachweisen. Das Leibniz-PHT geht davon aus, dass ihr Test auch zeigt, ob eine Person immun gegen das Virus ist. Allerdings wisse man auch nicht, ob eine Immunität nur vorübergehend oder dauerhaft ist, sagt Professor Ehricht.

Das Thüringer Team aus Forschern und Entwicklern hat den Test mit einer chinesischen Firma sowie einem Medizinprodukte-Händler aus Wesel innerhalb von nur drei Monaten entwickelt. Die Wirkung sei bestätigt, heißt es in der Pressemitteilung. Zehntausende Schnelltests seien bereits an den nordrhein-westfälischen Vertriebspartner ausgeliefert worden, Millionen sollen laut "Thüringer Allgemeine" folgen.

Entlastung für Ärzte, Pfleger und andere

Antikörpertests würden auch für Pflegekräfte und Ärztinnen und Ärzte einen großen Vorteil bedeuten. Wer Sars-CoV-2 erfolgreich überstanden und Antikörper ausgebildet hat, könnte Erkrankte pflegen, ohne selbst ansteckend oder gefährdet zu sein, schreibt das Leibniz-IPHT. Auch für Angehörige anderer Berufsgruppen mit viel Kontakt zu Menschen - etwa an der Kasse, im öffentlichen Nahverkehr oder bei der Polizei - könne das Wissen um eine Immunität sehr hilfreich sein.

Die Meldung gibt Grund zur Hoffnung. Trotzdem muss wohl auch der Thüringer Schnelltest auf Sars-CoV-2 in der Masse und unabhängigen Untersuchungen noch beweisen, wie zuverlässig er ist. Das gilt auch für einen weiteren deutschen Schnelltest, den das Berliner Unternehmen PharmACT entwickelt hat. Dieser soll innerhalb von 20 Minuten Antikörper im Blut aufspüren.

Erfolgsmeldungen aus Berlin und Lübeck

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So sieht der Test von PharmACT aus.

(Foto: PharmACT)

Dem "Tagesspiegel" schrieb eine Firmensprecherin, die Trefferquote liege zwischen Tag vier und Tag zehn der Infektion bei 70 Prozent, ab Tag elf bei mehr als 90 Prozent. Die Rate eines falsch positiven Testergebnisses liege bei fast 0 Prozent. In den USA sei der Berliner Antikörper-Schnelltest bereits von der FDA zugelassen worden.

Die frühen Trefferquoten wären erstaunlich. Christian Drosten sagt, der Körper entwickle ungefähr nach zehn Tagen Antikörper. Am Anfang sei ihr Anteil im Blut allerdings noch sehr gering. Deutlich nachweisen könne man sie erst zwei bis drei Wochen nach einer Infektion. Drosten ist allerdings zuversichtlich, dass es nur noch wenige Wochen dauern werde, bis "große Massenuntersuchungen, bei denen wir Tausende Patienten testen werden", durchgeführt werden können. Das war am 25. März.

Virologen prüfen Wirksamkeit

Laut "Tagesspiegel" prüfen Virologen der Universität Bonn derzeit den PharmACT-Test. Dazu analysierten die Forscher positive Proben von Patienten mit dem Schnelltest, der ohne Laboruntersuchung auskommt, und vergleichen sie mit dem Ergebnis eines herkömmlichen Tests im Labor.

Das Gleiche dürfte für einen weiteren Antikörper-Schnelltest gelten, den die Lübecker Firma Euroimmun kürzlich vorgestellt hat. Und es werden in den kommenden Tagen und Wochen wahrscheinlich noch weitere Unternehmen Antikörper-Schnelltests vorstellen, denn die Nachfrage ist riesig und die Gewinnmöglichkeiten entsprechend hoch.

Quelle: ntv.de