Panorama

"Klare Ansage" könnte überzeugen Sozialpsychologe: Lieber Impfpflicht als 2G

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Wie können mehr Ungeimpfte den Weg ins Impfzentrum finden?

(Foto: picture alliance/dpa)

Wie lassen sich die überzeugen, die bis jetzt noch nicht geimpft sind? Der Sozialpsychologe Ulrich Wagner rät von 2G-Regelungen ab. Je mehr Druck aufgebaut werde, desto mehr Gegendruck gebe es. Der Wissenschaftler fordert deshalb eine "klare Ansage", auch als mögliche Ausrede für Impfgegner.

Eine Impfpflicht könnte nach Einschätzung eines Sozialpsychologen die Haltung von Impfgegnern eher ändern, als weiterhin nur einen Druck zum Impfen aufzubauen. "Ein substanzieller Teil der Bevölkerung hat sich in dem Selbstverständnis eingemauert, sich nicht impfen zu lassen", sagte der Marburger Sozialpsychologe Ulrich Wagner. In ihrer "Blase" würde diese Meinung ständig bekräftigt und verstärkt.

"Wenn politisch Druck ausgeübt wird, besteht die Gefahr, dass diese Blase noch enger zusammenrückt." Zudem führe es zu einer Abkapselung, "nur so lau und lasch den Druck zu erhöhen". Weiter erklärte Wagner: "Eine klare Ansage könnte dazu führen, dass auch eigentlich eingemauerte Impfgegner sich am Ende doch noch impfen lassen und dann nachfolgend ihre Überzeugungen ändern." Seine Meinung zu ändern und das gegen die Gruppe zu verteidigen, sei sehr schwer. Eine Impfpflicht brächte "ein neues Argument ins Spiel, sowohl für die eigene Überzeugung als auch gegenüber der Gruppe". "Der äußere Zwang wäre eine Entschuldigung."

Die Politik habe einen Fehler gemacht, als sie zu Beginn der Pandemie eine Impfpflicht ausschloss, sagte Wagner. Sie müsse jetzt "Rückgrat beweisen", ihre Meinung ändern und zugeben: Wir haben uns damals geirrt. Die Parteien scheinen dazu aber nicht in der Lage zu sein. "Psychologisch betrachtet ist das der gleiche Mechanismus, wie ihn Impfgegner zeigen", sagte der Marburger Sozialpsychologe. Eine Impfpflicht würde sicher starke Gegenreaktionen auslösen, die Gesellschaft müsse das mit Blick auf das Wohl aller aushalten.

In Deutschland liegt die Quote der vollständig Geimpften aktuell bei 68 Prozent. Damit haben rund 56,53 Millionen Menschen bereits eine komplette Schutzimpfung erhalten. Die Quoten unterscheiden sich jedoch zwischen den Bundesländern. In Sachsen sind laut Robert-Koch-Institut derzeit noch weniger als 60 Prozent der Einwohner geimpft. Unter den Bundesländern ist die Impfquote in Bremen am höchsten.

Quelle: ntv.de, ses/dpa

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