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Neue Spuren des Air-Asia-Jets Suchmannschaften orten Wrackteile

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Per Schiff, mit Hubschraubern und mit Flugzeugen: Hier im Bild hält die Besatzung einer indonesischen C-130 "Hercules" Ausschau nach Trümmern des abgestürzten Air-Asia-Airbus'.

(Foto: REUTERS)

Das Wetter am Absturzort hat sich gebessert: Die Such- und Bergungsexperten des indonesischen Rettungsdienstes stoßen im Meer vor Borneo auf weitere Spuren von Flug QZ8501. Handelt es sich um Teile der Rumpfsektion?

Sechs Tage nach dem Absturz des Air-Asia-Flugzeugs haben Einsatzkräfte Überreste des Wracks entdeckt. Neben einer Ölspur seien im Meer "zwei große Teile" der Passagiermaschine gefunden worden, sagte der Chef des indonesischen Rettungsdienstes, Bambang Soelistyo. "Ich kann bestätigen, dass dies Teile des Air-Asia-Flugzeugs sind, nach dem wir gesucht haben."

Das größere der beiden Objekte sei knapp zehn mal fünf Meter groß, das kleinere etwa sieben mal 0,5 Meter, sagte Soelistyo. Ein Unterwasserroboter sei im Einsatz, um die Fundstücke zu fotografieren. Diese liegen den Angaben zufolge in einer Tiefe von 30 Metern auf dem Meeresgrund. Zudem würden Taucher entsandt, um nach weiteren Leichen zu suchen. Bislang wurden 30 Tote aus dem Meer geborgen. Mindestens fünf der Toten seien noch in ihren Sitzen festgeschnallt gewesen, sagte ein Mitglied des Rettungsteams.

Am Vortag hatten die Suchmannschaften bereits die Entdeckung des Hecks bekannt gegeben. Ein indonesisches Marineschiff stieß bei der Suche unter Wasser nach Angaben des Kapitäns auf ein großes Teil des Airbus A320. "Wir konnten das Heck des Flugzeugs mittels Seitensicht-Sonar orten", sagte Schiffskommandant Yayan Sofyan dem Sender Metro TV. Der Fund war offiziell nicht bestätigt worden.

Mysteriöser Absturz

Ungünstige Wetterbedingungen vor Ort hatten die Arbeiten in der Java-See in den vergangenen Tagen wiederholt behindert. Am Freitag wurde das Suchgebiet auf 1575 Quadratseemeilen eingegrenzt, es war damit nur noch ein Zehntel so groß wie noch am Vortag. An dem Einsatz beteiligten sich nach Angaben der indonesischen Behörden 29 Schiffe und 17 Flugzeuge.

Die Maschine mit der Flugnummer QZ8501 war am Sonntag auf dem Weg von Surabaya auf Java nach Singapur 40 Minuten nach dem Start unter bislang noch vollkommen rätselhaften Umständen mit insgesamt 162 Menschen an Bord von den Radarschirmen verschwunden anschließend vor Borneo ins Meer gestürzt. Berichte, dass einzelne im Meer treibende Leichen Schwimmwesten getragen haben sollen, hatten Spekulationen um eine möglicherweise geglückte Notwasserung neue Nahrung gegeben. Warum die Besatzung allerdings keinerlei Notsignale oder sonstige Hinweise auf eine Notlage abgesetzt hatte, bleibt weiterhin unklar. Noch immer gelten mehr als 100 Passagiere offiziell als vermisst. Hoffnung auf Überlebende besteht Experten zufolge nicht.

Was geschah im Cockpit?

Die Unfallermittler konzentrieren ihre Arbeit nun zunächst auf die Suche nach dem Flugzeugrumpf, in dem weitere Opfer des Unglücks vermutet werden. Zudem erhoffen sie sich von der Bergung des Flugdatenschreibers Aufschluss darüber, was in den letzten Minuten an Bord von QZ8501 tatsächlich vorgefallen ist.

Experten der indonesischen Regierung vermuten derweil, dass Eis die Triebwerke beschädigte, als das Flugzeug in den Sturm geriet. "Aufgrund der vorliegenden Daten war Wetter der Auslöser", hieß es in einer ersten Analyse der Wetterbehörde. "Am wahrscheinlichsten ist Vereisung." Dies sei allerdings nur ihre Einschätzung aufgrund der vorliegenden Wetterdaten, keine endgültige Schlussfolgerung, betonten die Meteorologen.

Der Absturz von Flug QZ8501 weckt Erinnerungen an das nach wie ungeklärte Verschwinden des Malaysia-Airlines-Flugs MH370, der im März während eines Flugs von Kuala Lumpur nach Peking von der Strecke abgekommen und anscheinend über dem offenen Ozean verschwunden war. Hier vermuten Experten das Wrack oder zumindest Bruchstücke davon auf dem Meeresgrund des südlichen Indischen Ozeans in mehreren Tausend Metern Tiefe.

Flug ohne Genehmigung

Für die Billigfluggesellschaft Air Asia hat der Absturz von QZ8501 bereits Konsequenzen: Obwohl der Unfallhergang noch nicht einmal ansatzweise aufgeklärt ist, darf die Airline die Unglücksroute vom indonesischen Surabaya nach Singapur vorerst nicht mehr bedienen. Das teilte ein Sprecher des Verkehrsministeriums in Jakarta mit.

Grund sei ein Verstoß gegen die geltenden Flugplan-Regelungen. Air Asia habe mit dem Flug gegen die Abmachung verstoßen, wonach die Route nur an den Tagen Montag, Dienstag, Donnerstag und Samstag geflogen werden dürfe, aber nicht am Sonntag. Eine Genehmigung für Air-Asia-Flüge an Sonntagen auf der Strecke von Surabaya nach Singapur habe nicht vorgelegen, teilte das Verkehrsministerium mit. Wie genau dieser Verstoß zu dem Unglück beigetragen haben könnte, ließen die indonesischen Behörden offen.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/dpa

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