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RKI kann bisher nur schätzen Warum gibt es keine Daten zu den Geheilten?

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Viele Schnelltests werden aus Sicht von RKI-Chef Wieler gebraucht.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mit der Zahl der Corona-Infizierten steigt auch die Zahl der Genesenen in Deutschland. Wie viele Menschen bereits geheilt sind, weiß niemand genau, auch nicht das RKI. Der Grund: Die Bundesländer sind nicht verpflichtet, die Zahlen zu melden.

Wer mit dem Coronavirus infiziert war und inzwischen geheilt ist, gilt als immun. Aber wie viele Menschen in Deutschland waren krank und können sich inzwischen nicht mehr anstecken? Genaue Daten gibt es dazu nicht. Während im Infektionsschutzgesetz festgeschrieben ist, Infektionen zu melden, gilt für Genesungen etwas anderes.

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Am heutigen Mittwoch nannte der Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, die aktuelle Zahl der Genesenen: mindestens 5600. Am Montag wurde dieser Wert noch mit 2809 angegeben. In die Zahl fließen nach Angaben des RKI die Fälle von Patienten ein, die keine Lungenentzündung hatten oder an Atemnot litten. Außerdem werden diejenigen gezählt, die aus dem Krankenhaus entlassen wurden. Wer zu Hause in Quarantäne war und nicht gestorben ist, zählt ebenfalls zu den Genesenen. "Es handelt sich um eine konservative Schätzung, vermutlich sind bereits mehr Patienten genesen", heißt es vom RKI.

Bei den 5600 Genesenen handelt es sich also nicht um die genaue Zahl, denn "Daten darüber, ob ein Patient wieder genesen ist, werden nicht offiziell erhoben", heißt es auf der Internetseite des RKI. Die Erhebung sei gesetzlich nicht vorgesehen. Begründet wird dies damit, dass es den Öffentlichen Gesundheitsdienst "unnötigerweise belasten" würde. Jeder Fall müsste über Wochen verfolgt werden, obwohl daraus keine weiteren Maßnahmen erfolgten. Eine Dokumentation würde die Gesundheitsämter demnach überlasten.

Deshalb gehen die Gesundheitsämter bei Patienten, die einen leichten Krankheitsverlauf erfahren und nicht ins Krankenhaus müssen, davon aus, dass sie nach 14-tägiger häuslicher Quarantäne wieder gesund sind. Diese Fälle werden nach der Covid-19-Diagnose ans Gesundheitsamt gemeldet und tauchen dann in zwei Wochen als genesen in der Statistik auf. Allerdings gibt es auch viele Menschen, die nicht getestet wurden, vermutlich aber mit dem Virus infiziert waren. Und wer nachweislich kein potenzieller Überträger mehr ist, könnte sich im Fall anhaltender Kontaktbeschränkungen künftig frei bewegen und bei Bedarf auch wichtige Aufgaben übernehmen.

RKI: Viele Schnelltests werden gebraucht

RKI-Chef Wieler sieht es unterdessen als nötig an, mehr Schnelltests machen zu können. Derzeit sei die Qualität dieser Tests aus seiner Sicht aber nicht hinreichend. "Das Schlimmste, was wir tun können, wäre natürlich, Tests anzuwenden, die qualitativ schlecht sind", sagte Wieler. Tests würden auch gebraucht, um Antikörper nachzuweisen und damit festzustellen, wie viele Menschen bereits immun gegen das Coronavirus sind. Das sei auch wichtig, um die Dunkelziffer zu berechnen. Repräsentative Stichproben seien bereits geplant und fingen demnächst an.

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Solange es dazu keine genauen Zahlen gibt, sind die Daten zu den Erkrankten nur bedingt aussagekräftig. Denn auch die Zahl der aktuell Infizierten lässt sich ohne die genaue Zahl der Genesenen nicht genau bestimmen. Die Anzahl der aktuell Infizierten errechnete sich bislang aus der Summe der über den gesamten Zeitverlauf bestätigten Infektionen abzüglich der Anzahl der Verstorbenen und der Menge jener Personen, die ihre Erkrankung als geheilt und nicht mehr ansteckend überstanden haben. Für Länder wie zum Beispiel China oder Südkorea liegen dazu im Gegensatz zu Deutschland detaillierte Angaben vor, was wichtige Hinweise zum tatsächlichen Stand des Infektionsgeschehens ermöglicht. Auch in Italien, dem in Europa am schlimmsten vom Coronavirus betroffenen Land, beziehen sich die offiziellen Zahlen zu den Genesenen auf die klinischen Fälle. Wer Corona-positiv und 14 Tage zu Hause und nicht im Krankenhaus war, taucht also danach nicht unbedingt in der Statistik auf.

Wenige Bundesländer veröffentlichen Genesenen-Zahlen

Mit fehlenden Zahlen zu den Genesenen zeichnet sich schon jetzt ab, dass die Datenlage zum Stand der Epidemie in Deutschland spätestens ab kommender Woche nur noch ein eingeschränktes Bild liefern kann - falls die Behörden in den Bundesländern keine Daten zu den Geheilten nachliefern. Und das machen nur wenige. Offizielle Zahlen zu den Genesenen veröffentlichen lediglich das Land Bremen, Thüringen, das Saarland und der Kreis Heinsberg.

In Bremen sind die Patienten aus häuslicher Quarantäne dazu angehalten, sich selbst beim Gesundheitsamt wieder gesund zu melden. Alle anderen Fälle melden die Krankenhäuser an das RKI. Auch Thüringen erfasst sowohl die Fälle der genesenen Krankenhaus-Patienten als auch derjenigen aus häuslicher Quarantäne. Anders als in Bremen müssen sich dort nach Angaben des Gesundheitsamts des Kreises Saale-Holzland die Patienten nach Ablauf der häuslichen Quarantäne nicht selbst melden - es sei denn, sie haben in dieser Zeit Symptome entwickelt.

Quelle: ntv.de